28. März 2021 / 17:18 Uhr

Rumänien-Legende Gheorghe Popescu über das DFB-Duell, die EM in zwölf Städten und Ralf Rangnick

Rumänien-Legende Gheorghe Popescu über das DFB-Duell, die EM in zwölf Städten und Ralf Rangnick

Dimitrios Dimoulas
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gheorghe Popescu berichtet vor dem Deutschland-Spiel am Sonntagabend über die Lage des rumänischen Fußballs und die Austragung der EM im Sommer.
Gheorghe Popescu berichtet vor dem Deutschland-Spiel am Sonntagabend über die Lage des rumänischen Fußballs und die Austragung der EM im Sommer. © IMAGO/Camera 4
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Er gehörte zur goldenen Generation des rumänischen Fußballs: Gheorghe Popescu. Heute ist der ehemalige beinharte Innenverteidiger Berater der rumänischen Regierung für die EM 2021, die auch in Bukarest stattfinden soll. Vor dem Spiel am Sonntagabend gegen Deutschland hat Popescu mit dem SPORTBUZZER unter anderem über das große Turnier und die Lage des rumänischen Fußballs gesprochen.

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Als Spieler streifte Gheorghe Popescu unter anderem das Trikot des FC Craiova, der PSV Eindhoven und des FC Barcelona über. Bei den Katalanen agierte er in einem Team mit Pep Guardiola, Hristo Stoitchkov oder Luis Figo unter der Federführung des legendären Johann Cruyff als exzellenter Innenverteidiger. Seine großartige Karriere, deren Höhepunkt der Gewinn des UEFA-Pokals mit Galatasaray Istanbul im Mai 2000 war, ließ er im Juni 2003, nach 115 Länderspielen für das rumänische Nationalteam, im Trikot von Hannover 96 ausklingen Heute berät der 53-Jährige die rumänische Regierung im Hinblick auf die Ausrichtung der vier EM-Spiele, die in Bukarest ausgetragen werden sollen.

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Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), spricht Popescu vor dem Gastspiel der deutschen Nationalmannschaft im Rahmen der WM Qualifikation am Sonntag in Bukarest gegen Rumänien (20.45 Uhr/RTL) über die Entwicklung des rumänischen Fußballs, die EM 2021 in zwölf Städten und einen möglichen Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw.

SPORTBUZZER: Sie beraten die rumänische Regierung bezüglich der Ausrichtung der vier EM-Spiele in Bukarest. Trotz der ungewissen epidemischen Konstellation, hält die UEFA an ihrem Plan fest, das EM-Turnier in zwölf Städten auszutragen. Teilen Sie diese Zuversicht?

Gheorghe Popescu (53): Wir wissen noch nicht definitiv, ob der EM-Ball in jedem der zwölf Städte rollen wird. Das rumänische Organisationskomitee hat seinerseits vorgeschlagen, dass in der Nationalarena von Bukarest 25 Prozent der Kapazität (Anm. d. Red. 12. 500 Plätze) besetzt werden sollen. Das ist immerhin ein Ansatz. Die UEFA will bis zum 7. April eine verbindliche Antwort vorlegen, die auch eine Planungssicherheit für die ausrichtenden Metropolen bedeuten würde. Rumänien hat viel unternommen und enorme Investitionen getätigt.

Während das paneuropäische Turnier im Juni seine Premiere erleben wird, hat die Qualifikation für die kommende WM in Katar begonnen. Wie schätzen Sie die Chancen des rumänischen Teams ein, nach mehr als zwanzig Jahren wieder an einem interkontinentalen Turnier teilzunehmen?

Es wird schwer! Deutschland ist haushoher Favorit auf den Gruppensieg, das ist unumstritten. Wir müssen uns mit Island und Nordmazedonien um den zweiten Rang auseinandersetzen. Ich bin gespannt!

Wie betrachten Sie den deutschen Fußball im Allgemeinen und die Nationalmannschaft speziell?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich der deutsche Fußball, sei es auf Klubebene oder was das Nationalteam betrifft, auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Ich nenne Ihnen nur Bayern und ihre phänomenale Ausbeute in der letzten Saison. Es ist immer eine Herausforderung gegen Deutschland zu spielen. Ich kann mich erinnern, dass wir bei der EM 2000 ein 1:1 erzielten, was im Nachhinein sehr schmeichelhaft für die deutsche Auswahl war. Das war damals allerdings kein so gutes Team, was das Ausscheiden in der Vorrunde auch bestätigt hat.

Ihre Generation um Hagi, Lupescu, Belodedici und Munteanu prägte ein goldenes Zeitalter im rumänischen Fußball. Seit der WM 1998 hat Rumänien nicht mehr an einer WM teilgenommen. Was läuft schief?

Es ist in der Tat mehr als frustrierend, dass wir im Weltfußball nur eine Randnotiz darstellen. Diese Entwicklung hatte übrigens mein damaliger Teamkollege, Dan Petrescu, im Sommer 1998, kurz nach dem WM-Aus in Frankreich vorhergesagt. Während in der Ceausescu-Zeit Rumänien über eine hervorragende Nachwuchsarbeit verfügte, ist dies momentan Mangelware. Zudem durfte damals ein Spieler erst mit 27 Jahren das Land verlassen, was für das Niveau der nationalen Liga sehr förderlich gewesen ist.

Zum Ende Ihrer Karriere spielten Sie bei Hannover 96 unter Ralf Rangnick. Welche Erinnerungen haben Sie?

Rangnick ist ein exzellenter Trainer und ein hervorragender Charakter. Mir hat schon damals seine hohe Fachkompetenz imponiert, zumal ich das bei einem kleinen Klub wie Hannover nicht erwartet habe. Ich kann ihn mir gut als Bundestrainer vorstellen!