11. Dezember 2020 / 10:00 Uhr

Nach Erfolgen in der Champions League: Rummenigge lobt Nagelsmann und Rose - Kritik an Favre

Nach Erfolgen in der Champions League: Rummenigge lobt Nagelsmann und Rose - Kritik an Favre

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Rummenigge lobt Julian Nagelsmann und Marco Rose – und kritisiert Lucien Favre.
Michael Rummenigge lobt Julian Nagelsmann und Marco Rose – und kritisiert Lucien Favre. © Getty Images (Montage)
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Vier deutsche Teams haben es in der Champions League ins Achtelfinale geschafft. Für SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge ist dies vor allem der Verdienst der Trainer. Doch die Einstellung von BVB-Übungsleiter Lucien Favre kritisiert Rummenigge.

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Wenn diese Gruppenphase der Champions League eines gezeigt hat, dann, dass es in Deutschland aktuell nicht nur Bayern München gibt. Alle vier Bundesligisten unter den Besten 16 Europas, das ist der Hammer, das hätte ich so nicht erwartet.

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Beeindruckt haben mich vor allem RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach, deren Aufgaben alles andere als einfach waren. Es ist fantastisch, was Julian Nagelsmann bei RB auf die Beine stellt mit seinen 33 Jahren. Wenn er es jetzt noch schafft, in den ganz großen Spielen nicht unbedingt etwas Besonderes machen zu müssen, wie im Halbfinale gegen Paris letzte Saison; und wie es manchmal auch Pep Guardiola macht, ist er auf bestem Wege zu einem der Top-Trainer in Europa.

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Und egal, was man vom Konstrukt in Leipzig hält, und selbst wenn dort plötzlich zig Millionen an Schulden einfach so "erlassen" werden, muss man festhalten: sportlich ist die Arbeit dort allererste Sahne. Wenn ich einen Spieler wie Angelino sehe, geht mir das Herz auf. Ich habe mich schon bei ManCity gefragt, warum der nicht regelmäßig spielt – eine absolute Granate! Dazu Jungs wie Dayot Upamecano oder auch Ibrahima Konaté, die muss man erstmal entdecken. Das einzige, was ich schade finde, ist, dass dort mehr Franzosen in der Startelf stehen als bei PSG – das tut mir für unsere Nationalmannschaft leid, denen aktuell Spieler solcher Klasse leider fehlen und vor allem in der Defensive gut tun würden.

Besonders freue ich mich für Gladbach, die am Ende zwar etwas Glück brauchten – dieses sich aber bei den tollen Auftritten zuvor absolut verdient und erarbeitet hatten. Ihnen wird auch das Geld gut tun, das es fürs Weiterkommen gibt. Gerade in Coronazeiten ist das noch mehr wert, um auch künftig an den Topklubs in der Liga dranzubleiben.


Lob für Gladbach - Kritik an BVB-Trainer Favre

Max Eberl ist ein nicht geringes Risiko eingegangen, als er den Trainerwechsel von Dieter Hecking – den ich wirklich sehr schätze - zu Marco Rose vollzogen hat. Dieter ist eher ein Trainer der alten Schule und vielleicht passt Rose einfach noch etwas besser zur Borussia. Der Klub wollte etwas Neueres, etwas Moderneres machen. Und der Plan ist bislang voll aufgegangen. Rose beeindruckt mich total, er lässt immer offensiv spielen, hat keine Angst, auch wenn es mal schiefgeht – das gefällt mir. Der will gewinnen und lässt sich davon durch nichts abbringen, hat eine extrem positive Ausstrahlung. Das merken die Spieler, aber auch die Leute im Verein.

Diese Art würde ich mir auch öfter von Lucien Favre wünschen, der mit dem BVB als Gruppensieger weitergekommen ist – Gratulation! Seine Aussage, dass es egal sei, ob man Erster oder Zweiter wird, habe ich allerdings wieder mal nicht verstanden. Für mich macht es nämlich einen großen Unterschied, ob du zuerst auswärts spielen darfst – auch in Zeiten von Geisterspielen. Du hast das Rückspiel im eigenen Stadion und weißt genau, welches Ergebnis du brauchst. Das ist aus meiner Sicht definitiv ein Vorteil.

Vier Klubs im Achtelfinale sind nach dem Champions-League-Sieg von Bayern im Sommer auf jeden Fall eine Ansage. Es tat mir erneut nur unglaublich leid für alle Beteiligten, dass sie auch diesen Erfolg nicht gemeinsam mit ihren Fans und ihren Liebsten vernünftig feiern konnten. Aber bis das wieder so ist, wird es vermutlich noch ein Weilchen dauern.