15. Mai 2020 / 17:59 Uhr

Michael Rummenigge: Heiko Herrlich tut mir leid - Kalou-Vergleiche sind eine Frechheit

Michael Rummenigge: Heiko Herrlich tut mir leid - Kalou-Vergleiche sind eine Frechheit

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Heiko Herrlich hat sich nach seinem Fauxpas aufrichtig verhalten, findet SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge.
Heiko Herrlich hat sich nach seinem Fauxpas aufrichtig verhalten, findet SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge. © imago images/kolbert-press
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Augsburg-Trainer Heiko Herrlich muss sein Debüt verschieben, weil er die Hotel-Quarantäne seines Teams zum Einkaufen verlassen hat. SPORTBUZZER-Kolumnist findet, dass mit Herrlich zu hart ins Gericht gegangen wurde. Vergleiche mit Salomon Kalou seien absurd.

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Ich kenne Heiko Herrlich schon lange – zu meiner aktiven Zeit als Gegenspieler, aber auch als U19-Trainer meines Sohnes Marco bei Borussia Dortmund. Zuletzt habe ich ihn nach meinem Auftritt im "Doppelpass" am Münchner Flughafen getroffen und er war etwas verzweifelt, weil er mittlerweile ein Jahr ohne Job war. Eine Woche später wurde er beim FC Augsburg vorgestellt. Ich schätze ihn, habe ihn immer als ehrlichen Typen kennengelernt und so hat er sich auch jetzt verhalten. Er hat das Mannschaftshotel verlassen und ist – mit Maske – Zahnpasta und Handcreme einkaufen gegangen. Und er hat im Nachhinein selbst davon erzählt, obwohl es sonst vermutlich gar nicht rausgekommen wäre.

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Wahnsinn, dass Bundesliga-Fußballer einkaserniert werden

Alleine für diese Ehrlichkeit hätte ich ihn belohnt und am Samstag bei seinem ersten Spiel als Augsburg-Trainer auf der Bank sitzen lassen – natürlich nur, wenn sein Test negativ ausgefallen wäre. Zudem hätte er ja einen Betrag für einen guten Zweck spenden können oder ähnliches. Dass er nun nicht auf der Bank sitzt, halte ich persönlich für komplett übertrieben, ja sogar für blödsinnig. Andere Menschen dürfen doch auch einkaufen gehen, warum also die Fußballer nicht? Auch, dass sie einkaserniert wurden wie Verbrecher finde ich Wahnsinn.

Herrlich, Kalou und Co.: Diese Fußballer und Trainer haben gegen Corona-Maßnahmen verstoßen

Während der Corona-Zwangspause musste sich auch die Fußballer an teils strikte Quarantäne-Maßnahmen halten. Allerdings haben sich nicht immer alle daran gehalten. Der <b>SPORT</b>BUZZER gibt einen Überblick über prominente Verstöße. Zur Galerie
Während der Corona-Zwangspause musste sich auch die Fußballer an teils strikte Quarantäne-Maßnahmen halten. Allerdings haben sich nicht immer alle daran gehalten. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über prominente Verstöße. ©

Kalou handelte dumm, Herrlich höchstens naiv

Dass Heiko Herrlich nun von einigen sogar auf eine Stufe mit Salomon Kalou gestellt wird, ist eine Frechheit. Was der Hertha-Profi mit seinem Skandalvideo angestellt hat, war schlicht dumm. Herrlichs Verhalten war dagegen, wenn überhaupt, naiv. Und wie gesagt: er hat davon ja selbst erzählt und es zugegeben.

Es tut mir wirklich leid für ihn, dass er nun gleich das erste Spiel mit seiner neuen Mannschaft verpasst. Es ist eine weitere Posse, die zeigt, dass in der Bundesliga immer wieder Dinge passieren können, die es zuvor noch nie gegeben hat. Überhaupt hatte Herrlich es ja seit seinem Start nicht leicht. Erst hat er die Mannschaft gar nicht gesehen, dann gab es nur Gruppen- und erst in den letzten Tagen richtiges Mannschaftstraining. Das ist natürlich weniger schlimm, wenn du schon länger im Amt, womöglich schon ein paar Jahre im Klub bist und deine Truppe kennst – für einen neuen Trainer sind das allerdings alles andere als einfache Voraussetzungen.