02. Mai 2020 / 08:58 Uhr

Michael Rummenigge: Nur so sind Bundesliga-Investoren in Corona-Zeiten sinnvoll

Michael Rummenigge: Nur so sind Bundesliga-Investoren in Corona-Zeiten sinnvoll

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Corona-Krise sorgt bei vielen Bundesliga-Klubs für Geldnot. SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge erklärt, wie und wann der Einstieg eines Investoren ergibt.
Die Corona-Krise sorgt bei vielen Bundesliga-Klubs für Geldnot. SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge erklärt, wie und wann der Einstieg eines Investoren ergibt. © imago images/MiS
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Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für die Bundesliga werden zunehmend deutlich. SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge analysiert, unter welchen Umständen der Einstieg eines Investors für einen Klub Sinn ergeben kann.

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Wir wissen weiterhin nicht, wann und wie es mit der Bundesliga weitergeht - zumindest sportlich. Der Ball ruht, Corona hat auch den Fußball fest im Griff. Dabei ist inzwischen klar, dass es bei den Folgen der Pandemie nicht allein um ausbleibende Stadionbesuche oder offene Meisterschaftsfragen geht. Wie unzählige Bereiche der Gesellschaft ächzt auch die Bundesliga zunehmend unter den wirtschaftlichen Problemen, die die derzeitige Lage mit sich bringt. Manch ein Verein scheint gar um die Existenz zu kämpfen.

Kein Wunder also, das die Debatte um den etwaigen Einstieg von Investoren wieder an Fahrt aufnimmt. Ich finde es grundsätzlich nicht verkehrt, wenn man sich derartigen Modellen öffnet. Entscheidend ist allerdings, wie man als Verein damit umgeht und wie man in der Führung aufgestellt ist. Soll heißen: Für wie viel Geld ist man bereit, wie viel Einfluss abzugeben? Und wie arbeitet man in den neuen Strukturen?

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Der FC Bayern hat drei strategische Partner, die insgesamt 25 Prozent des Vereins halten. Bei Borussia Dortmund halten einige große Unternehmen jeweils fünf bis zehn Prozent der Aktien. Und doch sind die beiden deutschen Top-Vereine weiter Herr in ihrem Hause. Das frische Geld wurde stets sinnvoll eingesetzt, das letzte Wort bei wichtigen Entscheidungen hat der Klub. Ich denke, dass Investorenmodelle hierzulande nur so funktionieren können - dann aber durchaus erfolgreich und ohne, dass man an der 50+1-Regel rütteln muss.

Dieses Risiko droht Vereinen in Finanz-Not

Vereine, die sich aufgrund der Corona-Krise in Not befinden, müssen bei etwaigen strategischen Partnerschaften gerade jetzt ganz genau hinschauen. Denn: Wer mit dem Rücken zur Wand steht, verkauft manches vielleicht unter Wert - und unter Umständen sogar zu viel davon. Müssen es also gleich 49 Prozent sein? Oder genügt es möglicherweise auch, zunächst nur zehn Prozent am Verein zu veräußern? Und vor allem: Wen hole ich mir da an meinen Tisch? Kaum ein Investor wird sich engagieren, ohne einen Platz im Aufsichtsrat einnehmen zu wollen. Hertha-Geldgeber Lars Windhorst entsandte Jürgen Klinsmann in dieses Gremium. Die weiteren Entwicklungen sind bekannt.

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

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Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Klar ist: Wer Geld gibt, will irgendwann auch Geld verdienen. Das ist nicht verwerflich, sondern ganz normal. Nicht jedes Schaf ist schwarz. Die grundsätzliche Skepsis hierzulande gegenüber Investorenmodellen kann ich daher nicht nachvollziehen. Vielleicht liegt es daran, dass der Fußball in Deutschland zu sehr als Allgemeingut angesehen wird. Ein Beispiel: Als erstmals Spiele im Pay-TV übertragen wurden, war der Aufschrei groß. Inzwischen ist es ganz normal, für Live-Fußball zu bezahlen. Manche Dinge müssen sich entwickeln.

Rummenigge: Bin sicher, das Vereine Investoren-Angebote vorliegen

Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass gerade jetzt manchem Verein Angebote von Investoren vorliegen. All die oben aufgeworfenen Fragen müssen die Klubs nun für sich beantworten und im Falle einer neuen Partnerschaft verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen. Welche Folgen unkontrolliertes Handeln hat, sieht man ja beim Blick über die Landesgrenze. Manchester City wollte vor Corona-Zeiten mit großen Transfers unbedingt die Champions League gewinnen - nun ist der Klub wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay erstmal für den Europapokal gesperrt.