12. September 2020 / 09:13 Uhr

Michael Rummenigge: Darum kann auch Corona dem DFB-Pokal seinen Reiz nicht nehmen

Michael Rummenigge: Darum kann auch Corona dem DFB-Pokal seinen Reiz nicht nehmen

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Rummenigge (M. mit Pokal) beim DFB-Pokalsieg des FC Bayern 1986.
Michael Rummenigge (M. mit Pokal) beim DFB-Pokalsieg des FC Bayern 1986. © imago images/Kicker/Eissner, Liedel
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge schwärmt vom DFB-Pokal und sieht den Wettbewerb trotz Heimrecht-Tauschs und der schwierigen Zuschauer-Situation als nicht weniger reizvoll als sonst an. Er erklärt, warum, und blickt auf seine eigenen Cup-Erlebnisse zurück.

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Otto Rehhagel hat einmal über sich gesagt, er sei ein Kind der Bundesliga. Folglich würde ich mich als Kind des DFB-Pokals bezeichnen. Viermal war ich mit meinen Mannschaften im Endspiel, dreimal konnten wir den Pott gewinnen. Meine Beziehung zu dem Wettbewerb begann aber schon viel früher. Als Neunjähriger habe ich 1973 das Endspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln im Fernsehen verfolgt. Günter Netzer wechselte sich in der Verlängerung selbst ein und schoss die Borussia zum Sieg. Als die Gladbacher den goldenen Pokal überreicht bekamen, war mir klar: Das willst du auch mal erleben. Es ist mir gelungen und viele Cup-Erlebnisse haben einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

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Zum Beispiel der Inbegriff der Pokal-Schlacht: Schalke gegen den FC Bayern im Halbfinale 1984. Am Ende hieß es 6:6 und ein Wiederholungsspiel musste her. Ich habe in der ersten Partie zwei Tore geschossen – das hat am Ende aber niemanden interessiert. Warum? Olaf Thon, einen Tag zuvor gerade 18 Jahre alt geworden, traf noch einmal mehr und war plötzlich in aller Munde. Für mich Künstlerpech, für Olaf der Durchbruch. Eine tolle Geschichte, die man so nur im Pokal erleben kann.

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Überhaupt: Dieser Wettbewerb ist unberechenbar. Kleine Klubs fordern die Großen heraus, es gibt Sensationen, das gesamte Land schaut zu. Der DFB-Pokal ist eine Institution des deutschen Fußballs. Natürlich ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie vieles anders. Hier und da wird es zwar zumindest ein paar Fans auf den Tribünen geben, aber einige Amateurvereine mussten ihr Heimrecht wegen der Hygienevorschriften sogar an den Favoriten abtreten. Das macht es für die kleinen Vereine natürlich nicht einfacher. Aber: Ich glaube, dass es trotzdem die eine oder andere Überraschung geben kann.

Hier sind Pokal-Überraschungen möglich

Keine Mannschaft weiß zu diesem Zeitpunkt, wo sie steht. Und gerade Teams, die die Liga und dadurch auch größere Teile ihres Personals gewechselt haben, sind anfällig. Ich denke da zum Beispiel an die beiden Bundesliga-Aufsteiger. Der VfB Stuttgart muss bei Hansa Rostock ran. Arminia Bielefeld trifft auf Rot-Weiß Essen. Bei den Außenseitern handelt es sich um Traditionsvereine, die in diesem Spiel mal wieder auf sich aufmerksam machen können und alles geben werden. Zudem klingelt es bei einem Zweitrunden-Einzug noch mal deutlich mehr in der Kasse. Einnahmen, die in diesen Zeiten für kleinere Klubs noch wichtiger als ohnehin schon sind.


Ich habe selbst erlebt, wie man sich im Pokal nach Kräften blamiert. 1990 traten wir mit Borussia Dortmund in der ersten Runde in Fürth an – der Klub spielte damals in der Landesliga. Es waren ungefähr 40 Grad und unser Trainer Horst Köppel sagte, dass wir aufs Aufwärmen verzichten können. Am Ende hatten wir 1:3 verloren. Das war bitter, peinlich und ganz sicher kein schöner Moment. Aber genau das macht den Pokal aus. Ich freue mich auf die Spiele am Wochenende.