11. Juli 2020 / 09:00 Uhr

Michael Rummenigge: Anzahl deutscher Talente ernüchternd – Wir brauchen mehr Spieler wie Moukoko

Michael Rummenigge: Anzahl deutscher Talente ernüchternd – Wir brauchen mehr Spieler wie Moukoko

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Youssoufa Moukoko als eine der wenigen Ausnahmen - SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge sorgt sich um die Anzahl deutscher Top-Talente.
Youssoufa Moukoko als eine der wenigen Ausnahmen - SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge sorgt sich um die Anzahl deutscher Top-Talente. © imago images/Revierfoto
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet nach dem Abschluss der Saison den Mangel an deutschen Talenten. Er erklärt, warum die Klubs junge Spieler aus dem Ausland bevorzugen und wo die Probleme hierzulande liegen.

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Die Bundesliga ist beendet, Der DFB-Pokal entschieden und in der Europapokalwettbewerben geht es erst im nächsten Monat weiter – wir haben also Zeit, mal einen Blick auf den deutschen Fußball und die Talententwicklung hierzulande zu werfen. Insgesamt muss ich sagen, dass meine Bilanz bei diesem Aspekt eher ernüchternd ausfällt. Es gibt einfach viel zu wenige wirklich gute deutsche Bundesliga-Spieler im Alter von 18, 19 oder 20 Jahren. Wir haben Kai Havertz, der kürzlich 21 wurde, und danach kommt lange nichts.

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Woran liegt das? Ich denke, es gibt mehrere Gründe. Nach der verkorksten EM 2000, als die Nationalmannschaft sang- und klanglos in der Vorrunde ausschied, wurde beim DFB zunächst vieles richtig gemacht. Man setzte auf Nachwuchsleistungszentren und konsequente Jugendförderung. All das mündete im WM-Titel 2014. Danach wurde die Entwicklung leider verschlafen. Denn: Die Ausbildung im taktischen Bereich, die Arbeit an der Körperlichkeit – das ist alles gut und richtig. Aber: Wir brauchen wieder mehr Straßenfußballer. Spieler, die Spaß am Ball haben und diesen auch ihren Kollegen und den Fans vermitteln.

Rummenigge schlägt Änderungen im Jugend-Fußball vor

Was bringt es, wenn man im Jugendbereich schon früh „Elf gegen Elf“ spielt? Da bekommt der Linksaußen alle 15 Minuten den Ball. Wir sollten auf Kleinfelder setzten. Auf engem Raum nehmen alle Spieler permanent am Geschehen teil und verbessern ihre technischen Fertigkeiten. Zudem würde ich auf Tabellen verzichten. Gewinnen ist wichtig, aber nicht alles. Die Freude am Sport muss für die Kinder zunächst im Mittelpunkt stehen.

Sané, Meunier & Co.: Die Sommer-Zugänge der Bundesliga-Klubs 2020

Das Transfer-Fenster hat in diesem Sommer für einen Tag am 1. Juli und dann wieder ab dem 15. Juli geöffnet. Mit Leroy Sané (zum FC Bayern) und Thomas Meunier (zu Borussia Dortmund) sind schon einige namhafte Transfers über die Bühne gegangen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt alle Sommer-Zugänge der Bundesligisten im Überblick. Zur Galerie
Das Transfer-Fenster hat in diesem Sommer für einen Tag am 1. Juli und dann wieder ab dem 15. Juli geöffnet. Mit Leroy Sané (zum FC Bayern) und Thomas Meunier (zu Borussia Dortmund) sind schon einige namhafte Transfers über die Bühne gegangen. Der SPORTBUZZER zeigt alle Sommer-Zugänge der Bundesligisten im Überblick. ©

Es wäre aber falsch, nur mit dem Finger auf den DFB zu zeigen. Der Bau der 150 Millionen Euro teuren Akademie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Probleme sind auch auf andere Bereiche zurückzuführen: Playstation, Nintendo, Youtube, Facebook & Co. Es ist gut, dass es all das gibt und die digitale Entwicklung weitergeht. Dem Fußball macht es das aber nicht einfacher. Es gibt schlicht sehr viele Alternativen und Ablenkungen. Dank der FIFA-Videospiele kennen die Jungs heute jeden Profi-Kicker, selbst aktiv sind sie aber nicht mehr so wie damals. Mein Social Media war früher das Spiel auf dem Bolzplatz.

Moukoko ist eine absolute Ausnahmeerscheinung

Man könnte jetzt sagen: Aber es gibt doch auch Spieler wie BVB-Talent Youssoufa Moukoko, der mit seinen 15 Jahren die U19-Bundesliga aufmischt. Das stimmt. Aber Moukoko ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Wir brauchen mehr wie ihn. Mir fehlt einfach die Masse an talentierten Nachwuchsspielern. Das haben natürlich auch die Vereine erkannt. Warum holt der FC Bayern beispielsweise den 18-jährigen Tanguy Kouassi von PSG? Weil er besser ausgebildet ist als deutsche Spieler in seinem Alter. Diese Lücken müssen wir wieder schließen.