21. März 2020 / 08:04 Uhr

Michael Rummenigge: Auf dem Transfermarkt wird nichts mehr sein, wie es war

Michael Rummenigge: Auf dem Transfermarkt wird nichts mehr sein, wie es war

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge sieht einschneidende Veränderungen auf den Fußball zukommen
SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge sieht einschneidende Veränderungen auf den Fußball zukommen © Getty/imago images/Eibner/PanoramiC/Montage
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Transfermarkt und die Spiergehälter. Er beschreibt, was sich verändern wird - und welche Dinge ihm zuletzt gar nicht gefallen haben.

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Wir leben in turbulenten Zeiten. Selbst dann, wenn das Coronavirus irgendwann besiegt ist, wird nichts mehr so sein, wie es war. Das gilt für viele Bereiche des täglichen Lebens - aber auch für den Fußball. Ich denke da besonders an die Ablösesummen und Spielergehälter. Aufgrund der momentanen Umstände verliert so manches die bisher übliche Hektik, man erlebt eine Entschleunigung. Und allen sollte vor allem eine Sache bewusst werden: Man muss nicht jedem Euro hinterherlaufen.

Die Vereine werden künftig sparsamer handeln, sie sind aufgrund der vorerst fehlenden Einnahmen dazu gezwungen. Daher wird es sobald auch keine Vollzugsmeldungen bei Transfers geben - schon gar nicht mit Ablösen in Höhe von 120 Millionen Euro oder mehr. Diese Zeiten sind erstmal vorbei. Auch Profis, die absolute Top-Gehälter beziehen, werden diese bei künftigen Verträgen wohl nicht mehr bekommen. Dennoch sind die derzeitigen Spitzenverdiener des Fußballs nun mehr gefordert denn je - nicht auf dem Platz, aber durch ihr Handeln abseits des Rasens.

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Das Entscheidende jetzt ist Solidarität. Die Stars sollten zum Wohle von anderen Vereinsangestellten - vom Hausmeister bis zum Fanshop-Mitarbeiter - auf Teile ihrer Bezüge verzichten oder diese spenden. Was macht es aus, ob am Ende eines Jahres statt zehn "nur" acht frische Millionen verdient wurden? Borussia Mönchengladbach hat dies schon großartig gemacht, diesem Beispiel sollten viele folgen. Die Profis müssen Vernunft walten lassen und ihren Vereinen helfen. Denn eine Sache ist klar: Wenn der eine oder andere Klub auf der Strecke bleibt, können wir die Bundesliga nicht mit neun Mannschaften austragen.

Rummenigge: Über Horst Heldt schüttle ich den Kopf

Wenn ich höre, dass sich Kölns Manager Horst Heldt darüber echauffiert, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder einen solchen Gehaltsverzicht in der Bundesliga öffentlich angesprochen hat, kann ich nur den Kopf schütteln. Heldt sollte sich zurückhalten. Jetzt müssen alle ihren Beitrag leisten. So würde ich auch die Aussagen von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nicht zu hoch hängen. Ich denke, dass es in harten Zeiten auch zu Solidarität unter den Vereinen kommen wird.

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Wegen Fan-Ausschreitungen und dem Coronavirus wurden bereits Geisterspiele in Europa ausgetragen. Der SPORTBUZZER zeigt eine Auswahl.  ©

Noch einmal zurück zu den Ablösesummen: Die in der Vergangenheit bezahlten Preise haben mir ohenhin nicht gefallen. Kein Spieler ist 100 Millionen Euro oder mehr wert. Für Neymar, den teuersten Profi der Welt, bezahlten die Scheichs von Paris St. Germain einst gar 222 Millionen - ein Betrag, der aus heutiger wirtschaftlicher Sicht noch lächerlicher wirkt, als zuvor. Zumal Neymar nicht wirklich ein Fußballer ist. Er ist ein Zirkuspferd, das viel zu häufig am Boden liegt.

Leverkusen wird für Havertz keine 100 Mio. bekommen

Für andere Spieler, die in den vergangenen Monaten für exorbitante Summen auf dem Markt gehandelt wurden, hat sich die Lage ebenfalls drastisch verändert. Kai Havertz zum Beispiel. Die angestrebten 100 Millionen wird Bayer Leverkusen für ihn nicht mehr bekommen. Für 50 oder 60 Millionen sollten sie ihn nicht abgeben. Denn: Wenn alles überstanden ist und die Gelder irgendwann tatsächlich wieder fließen sollten, können sie ihn immer noch verkaufen. Jetzt sollte Havertz seine Entwicklung bei Bayer fortsetzen.

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