25. Mai 2020 / 16:35 Uhr

Rundes Leder soll in Zukunft wieder beim SV Chemie Böhlen rollen

Rundes Leder soll in Zukunft wieder beim SV Chemie Böhlen rollen

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Erste Übungseinheiten beim SV Chemie Böhlen: So gut, wie es eben geht. © dpa
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Beim SV Chemie Böhlen trainieren zumindest die Kreisoberliga-Männer wieder. Übungseinheiten und Improvisation treiben das Team von Toni Röder noch nicht zur Höchstleistung. Die ist beim virtuellen Fußballspiel „Chemie gegen Corona“ gefragt.

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Böhlen. Die Fußballer des SV Chemie Böhlen haben sich keineswegs an die Corona-Zwangspause gewöhnt, auch wenn ihnen die wettkampflose Zeit wie eine Ewigkeit vorkommt. Mitte März waren sie gerade auf Betriebstemperatur gekommen, als dieses tückische Virus dem sportlichen Treiben ein Stopp-Zeichen setzte. Zwar war in puncto Vereinsleben nur wenig möglich, doch mittlerweile ist auch bei den Grün-Weißen wieder Bewegung zu verspüren.

Die Kreisoberligamänner haben wieder ihr Training (in gedrosselter Drehzahl) aufgenommen. Spielertrainer Toni Röder ringt dem Ganzen – trotz bestehender Beschränkungen wie Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen – Positives ab: „Ich wollte die Jungs endlich von der Leine lassen, etwas anderes stand überhaupt nicht zur Debatte. Natürlich sind der ganzen Sache noch enge Grenzen gesetzt, ob uns das nun schmeckt oder nicht. Wir machen unsere Übungseinheiten so gut, wie es eben geht. Mit Improvisation kann man schon einiges bewerkstelligen. Auf jeden Fall erst einmal besser als gar nichts.“

Planung für kommende Saison: verfrüht

Seine Mannschaft sofort auf Höchstleistung zu trimmen, dafür sieht Röder ohnehin keinen Anlass: „Weil die Punktspielsaison erwartungsgemäß abgebrochen wird, geht es für uns praktisch um gar nichts mehr. Im Pokalwettbewerb sind wir ja nicht mehr dabei. Ob der tatsächlich noch ausgespielt werden kann, da bin ich mir wirklich nicht sicher. Ich denke eher, dass es bis zur Rückkehr zur Normalität noch ein Weilchen dauert. Auch wenn wir uns alle wünschen, dass es schnell gehen möge.“

Der Böhlener Coach rät stattdessen zu unveränderter Vorsicht und zu Gelassenheit. Er hält auch Planungen für das kommende Spieljahr für verfrüht: „Da fehlt mir im Moment noch der Ansatz. Bevor wir keine konkreten Daten hinsichtlich des Wiederbeginns haben, macht es keinen Sinn, großartig was vorzubereiten. Zunächst gilt es, die weitere Entwicklung abzuwarten, ehe wir reagieren können.“

Röder lässt die schönste Nebensache der Welt nicht aus den Augen, wenngleich sie vorübergehend ins zweite oder sogar dritte Glied gerückt ist. Untätig waren und sind seine Mitstreiter bei Chemie sowieso nicht. Besonders am Herzen liegt ihnen die Unterstützung der Betreiber der Gaststätte an der Jahnbaude, die sich – wie viele Berufskollegen in der Gastronomie – in ihrer Existenz bedroht sehen. Um Unterstützung zu leisten, haben die Sportler ein virtuelles Fußballspiel „Chemie gegen Corona“ angesetzt.

Schweißtreibene Arbeitseinsätze

Überregional hatte Lok Leipzig mit einer ähnlichen Idee für Schlagzeilen und Rekorde gesorgt. Bei den Böhlenern läuft die Spendenaktion „Hütte voll“ bis zum 31. Juli 2020. Dabei kann bereits für einen Euro eine Eintrittskarte erworben werden. Die Organisatoren haben sich unter dem Motto „Schaffen wir gemeinsam“ 4000 verkaufte Tickets zum Ziel gesetzt. In dem Zusammenhang wird an die glorreiche DDR-Oberliga-Zeit und speziell an den Heimsieg gegen den späteren Serienmeister BFC Dynamo im Oktober 1977 erinnert. Auch damals wurde ein scheinbar unschlagbarer Gegner besiegt.

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Nun heißt es, den Kampf gegen Corona zu gewinnen. Um das traditionsreiche Stadion an der Jahnbaude für sportliche Aktivitäten in einen entsprechend guten Zustand zu versetzen, fand kürzlich ein Arbeitseinsatz statt. Nachdem der Schweiß geflossen war, schmeckten Wurst und Kaltgetränk gleich doppelt lecker. Darüber hinaus wurde am Ort des Geschehens ein klein wenig Geselligkeit (mit Sicherheitsabstand versteht sich) dankbar angenommen.

Die aktuellen Schlagworte lauten: In die Hände spucken, vernünftig bleiben, die Daumen drücken! Beim SV Chemie Böhlen sollen in Zukunft nicht nur Schaufel und Spaten kreisen, sondern wieder das runde Leder rollen. Mit kulinarischen Genüssen nebenan.