30. Juni 2018 / 19:03 Uhr

Russische Polizei: Kein Englisch – kein Problem

Russische Polizei: Kein Englisch – kein Problem

Alexander Salenko
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Polizisten in Kasan versuchen, den SPORTBUZZER-Reportern Alexander Salenko und Lisa Neumann den Weg zu erklären.
Die Polizisten in Kasan versuchen, den SPORTBUZZER-Reportern Alexander Salenko und Lisa Neumann den Weg zu erklären.
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Wer glaubt, sich mit Englisch überall auf der Welt verständigen zu können, wird in Russland eines Besseren belehrt. Nur die wenigsten beherrschen die Sprache, und so wird jede Konversation zu einem kleinen Abenteuer. Die Polizei ist da keine Ausnahme.

Der Mangel an Fremdsprachenkenntnissen bei den Beamten ist nicht immer schlecht. Nach unserer Erfahrung dauern Verkehrskontrollen weniger lang, sofern man mit den Polizisten nur Englisch spricht. Die Beamten würden zwar gern viele Fragen stellen, können es aber nicht. Und so kommt nach der Aufforderung „Documents?“ häufig nur die Nachfrage zum Ziel der Reise: „Football?“

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Diese Sprachbarriere ist dem russischen Innenministerium bewusst. Um während der WM Hunderttausenden Fans aus aller Welt Rede und Antwort zu stehen, setzt das Ministerium die Sondertruppe „Touristenpolizei“ ein. Sie wurde vor vier Jahren in Moskau ins Leben gerufen und wird nach offiziellen Angaben während der Weltmeisterschaft in allen Austragungsorten eingesetzt.

Mehr zur Road to Russia

In Kasan, wo an der zentralen Baumannstraße gefühlt alle zwei Minuten Beamte entlanglaufen, haben wir uns auf die Suche nach der Touristenpolizei gemacht. Schon in Moskau oder St. Petersburg haben wir die Angehörigen der Sondertruppe an einer schwarzen Armbinde mit der Aufschrift „Tourist Police“ erkannt. In Kasan fehlt aber von diesen Beamten jede Spur. Auch nach einem stundenlangen Spaziergang durch die Innenstadt hat keiner der drei Reporter sie gesehen. „Doch, doch, natürlich gibt es sie!“, antwortet ein normaler Polizist auf die Nachfrage. Im Stadtzentrum seien zwei Beamte unterwegs.

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Es scheint nicht leicht zu sein, die beiden zu erwischen, und so versuchen wir unser Glück bei den regulären Beamten. „Wie kommen wir am besten zum Stadion?“, sprechen wir ein Polizistenduo auf Englisch an. Die beiden verstehen und zeigen auf eine Bushaltestelle. Noch ehe ein Beamte um die 30 Jahre alt versucht, uns den Weg genauer zu erklären, greift ein Fußballfan aus Pakistan ein und zeigt uns den Weg auf seinem Smartphone.

In Neustadt werden Reisemobile wie das WM-Mobil, das die drei Reporter bei der "Road to Russia" 15000 Kilometer durch Russland fährt, hergestellt. Seht hier ins Innere und wie es gebaut wird.

Aus dem Modell Fiat Ducato wird später das Reisemobil. Zur Galerie
Aus dem Modell Fiat Ducato wird später das Reisemobil. ©

Nächste Frage an die Polizisten: „Ist es erlaubt, in der Öffentlichkeit zu trinken?“ Uns hilft die Tatsache, dass Alkohol im Russischen sehr ähnlich klingt – Alkogol – und die Polizisten uns wiederholt verstehen. Sie haben allerdings Schwierigkeiten, uns zu erklären, was denn nun genau verboten sei. „Wo ist das Problem?“, ertönt es plötzlich in einem guten Englisch. Zwei junge Nationalgardisten in gelbbrauner Tarnkleidung, bewaffnet mit langen Schlagstöcken, kommen der Polizei zu Hilfe. Ein junger Soldat erklärt uns, dass der Alkoholkonsum zwar verboten sei, es aber niemanden juckt, solange die Bierdose in einer lichtdichten Tüte ist. „Was? Wieso kannst du so gut Englisch sprechen?“, wundert sich der Polizist. Der Soldat zwinkert ihm zu und spaziert weiter seine Patrouillenroute entlang.

In der Nähe des Kasaner Kremls treffen wir eine weitere Streife. „Entschuldigung, wo finden wir hier einen Geldautomaten?“ Die beiden verstehen kein Wort. „Geld, Cash, Bank“, probieren wir es mit einfachen Begriffen. Nun leuchtet ein Gesicht auf: „Sie wollen Geld wechseln!“, sagt der eine Polizist zu seinem Kollegen. Dieser holt sein Smartphone raus und guckt nach einer Wechselstube in der Nähe. Dann schaltet er eine Übersetzungs-App an, spricht auf Russisch ins Telefon „Gehen Sie in die Ulitsa Baumana“ und zeigt auf den Bildschirm. Dort steht „Gehen Sie in Pablo Montana“. Das hilft uns nicht weiter. Mit Händen, Füßen und keinem Wort Englisch schaffen die beiden es doch nach einer Weile, uns den Weg zu erklären. Der Wille zu helfen ist wichtiger als Fremdsprachenkenntnisse.