26. April 2021 / 17:02 Uhr

Rustikale Klarheit: Ronald Werner zeigte "Pele" Wollitz die Grenzen auf

Rustikale Klarheit: Ronald Werner zeigte "Pele" Wollitz die Grenzen auf

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
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Ronald Werner hier als Trainer beim HFC Colditz. © Alexander Prautzsch
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Ronald Werner ist ein echter Wandervogel im Trainer-Geschäft. Zehn Vereine coachte der 58-Jährige schon, aktuell steht er beim VfB Nessa an der Seitenlinie. Der Ex-Profi blickt zufrieden zurück und erinnert sich dabei an eine ganz besondere Begegnung.

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Nessa. Ronald Werner hat schon seine zehnte Station als Trainer erreicht. Aktuell, sofern man angesichts der Pandemie von „aktuell“ sprechen kann, coacht er den VfB Nessa in der 8. Fußball-Liga, der Landesklasse Sachsen-Anhalts. „Mit Nessa bin ich anderthalb Jahre lang ungeschlagen“, berichtet er, um schmunzelnd hinzuzufügen: „Wir haben allerdings erst sieben Spiele machen können. Nach so einer Serie müsste ich eigentlich zufrieden aufhören.“ Zuvor ist er schon im Leipziger Umland viel herumgekommen.

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Als Spieler hat der heute 58-Jährige deutlich höher „Staub gewischt“. Er begann als Knirps 1971 bei Chemie Leipzig, wurde 1977 zum Leistungszentrum 1. FC Lok delegiert, wo er es bis ins starke Junioren-Oberligateam der Probstheidaer schaffte. Von da angelte ihn sich 1983 DDR-Ligist Chemie Markkleeberg, wo der legendäre Karl Bühler im Hintergrund die Fäden zog und vor allem für überaus auskömmliche Bezahlung seiner Zweitliga-Kicker sorgte.

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Jubel bei Ronald Werner: Er hat soeben einen Strafstoß sicher zum entscheidenden 1:0 im Sachsenpokal-Halbfinale gegen Sachsen Leipzig verwandelt. Mit ihm freut sich Frank Seifert (Mitte). Rechts: Sven Baum. © Archiv

Die Armeezeit verbrachte der bis heute drahtige Mittelfeldspieler von 1988 bis 1990 recht komfortabel unmilitärisch beim Zweitligisten Vorwärts Dessau. Dann ging Werner zurück nach Markkleeberg, wo die TSG Chemie während der Wende zum 1. FC Markkleeberg wurde und in der damals drittklassigen Amateur-Oberliga spielte. Es folgte 1994 ein halbes Jahr beim FC Carl Zeiss Jena in der Regionalliga, die nun die dritte Liga darstellte. „Trainer war Hans Meyer, der mich geholt hatte. Doch er wurde durch Eberhard Vogel abgelöst, mit dem ich nicht klarkam“, erklärt Werner seinen baldigen Wechsel zum VfB Leipzig.

Interessantes Erlebnis

Dieser Schritt sollte sich als richtig erweisen, denn für den Lok-Nachfolger (und Vorgänger) brachte er es auf 86 Zweitliga-Partien, insgesamt lief Werner für den VfB gar 164-mal auf. Darunter waren im DFB-Pokal so große Gegner wie der FC Bayern, der Hamburger SV oder Schalke 04 (die beiden letzteren damals noch stark). „In der 2. Bundesliga zu spielen, war allein schon wegen der Stadien ein Erlebnis“, schwärmt Werner. Im Pokal wie in der Liga traf er in dieser Zeit auf seine interessantesten Gegenspieler. „Jordan Letschkow vom HSV war so einer. Aber ich habe ihn an die Kette gelegt“, sagt Werner stolz, „ich war ja ohnehin mehr ein Kampfschwein, das die Drecksarbeit im Mittelfeld erledigen, also den gegnerischen Spielmacher decken musste.“ Im defensiven Mittelfeld, als „Sechser“, fühlte er sich pudelwohl und machte unter anderem auch Thomas van Heesen (damals Arminia Bielefeld) das Leben schwer.

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Ronald Werner zeigt einst sogar dem deutschen "Pele", namentlich Wollitz, was eine Harke ist. © Privat

Ein interessantes Erlebnis der anderen Art schildert Werner zu Claus-Dieter „Pele“ Wollitz: „Im Spiel gegen den KFC Uerdingen hat er mich schon zu Beginn beleidigt und gefragt, ob ich armer Ossi mal sehen will, was er verdient. Da habe ich ihm geantwortet, dass er doch zweimal über die Mittellinie kommen soll, damit ich ihm zeigen kann, was der Ossi mit ihm macht. Nachdem es zu diesen zwei unmittelbaren Begegnungen auf dem Feld gekommen war, hat sich Wollitz auf die Libero-Position verzogen.“ Das hier durchaus passende Wort „verpisst“ verkneift sich Werner, freut sich aber heute noch, dem großmäuligen Wessi in rustikaler Klarheit die Grenzen aufgezeigt zu haben.

Für Lok kickte Werner noch bis 2000, dann ließ er seine Laufbahn im Amateurbereich ausklingen, wurde zum Beispiel Vizebezirksmeister mit Tresenwald Machern, stieg mit Blau-Weiß Leipzig in die Bezirksliga auf, mit dem SV Naunhof gar in die Sachsenliga.

"Nimmst von jeder Station etwas mit"

Bei Blau-Weiß wirkte er wie auch bei Fortuna Leipzig als Spielertrainer. Fragt man Werner, wo er als Spieler am meisten gelernt hat, sagt er: „Eigentlich in jeder Phase. Bei Chemie Leipzig das Fußball-ABC, ab Lok dann das Durchsetzungsvermögen. In Markkleeberg war es menschlich sehr gut.“ Schwere Zeiten habe er eigentlich kaum gehabt, wenn man mal von dem Intermezzo in Jena absieht. Als Trainer waren seine Erfolge dann durchwachsen.

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Ronald Werner 2015 als Trainer beim FSV Krostitz. © Alexander Prautzsch

Bei den durchweg etwas kleineren Vereinen waren die Verhältnisse nicht immer einfach, der einstige Profi lernte manch schwierigen Vorstand oder Sponsor kennen, aber auch viele andere, die sich von Profilneurotikern angenehm unterschieden. Neben den bereits genannten Vereinen coachte er den Bornaer SV (2010), danach den SV Regis-Breitingen, den SSV Stötteritz (2013 bis 2015), den FSV Krostitz (2015/16), Motor Altenburg (2016/17), den Hausdorfer FC Colditz (2017/18) und nun die Rand-Weißenfelser in Nessa.

„Auch wenn es manchmal schwierig ist, du nimmst von jeder Station etwas mit. Trainer wollte ich immer nur nebenbei sein, um nicht existenziell von einem Verein abhängig zu sein. Dass ich im Schnitt alle zwei Jahre weiterzog, lag nicht immer an mir“, unterstreicht er vielsagend. Auch heute macht ihn sein Job unabhängig, er arbeitet als Disponent in einer Logistikfirma. Falls er also in Nessa nach der ersten Niederlage entlassen werden sollte, wird Werner das nicht umhauen. Der Routinier weiß, was er kann und zeigt das immer noch beim Altherren-Kick – sobald es Corona wieder zulässt.