22. März 2020 / 16:28 Uhr

Ruzmir Mehic vom TSV Eintracht Exten kritisiert Leserbrief um "Machokultur"

Ruzmir Mehic vom TSV Eintracht Exten kritisiert Leserbrief um "Machokultur"

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Ruzmir Mehic lässt der Leserbrief seines Teamkollegen nicht ruhen.
Ruzmir Mehic lässt der Leserbrief seines Teamkollegen nicht ruhen. © Jörg Bressem
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Die Corona-Krise überschattet derzeit alles. Was noch vor einigen Wochen als Thema durch sämtliche Medien getrieben wurde, scheint verschwunden zu sein, zum Beispiel die Gewalt gegen Schiedsrichter und deren Gründe.

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Hierzu hatte Holger Heise vom TSV Eintracht Exten im letzten November einen Leserbrief in dieser Zeitung geschrieben, der erstaunlicherweise keinerlei öffentlichen Widerspruch auslöste. Er behauptete, dass die Übergriffe vornehmlich von Akteuren ausländischer Herkunft begangen werden und sie auf dem Platz ihre Machokultur ausleben würden, vor allem Spieler muslimischen Glaubens. Hierzu meldete sich Ruzmir Mehic zu Wort, der seit vielen Jahren beim TSV Eintracht Exten Fußball spielt, dort sogar mal Trainer der ersten Herrenmannschaft war und heute in der Altherren immer noch mit Heise gemeinsam in einer Mannschaft spielt.

Schwierig Vertrauen aufzubauen

Dass sein Mitspieler im Netz kräftig Zustimmung für seinen Leserbrief erntete, lässt Ruzmir Mehic, der aus Bosnien stammt und ebenfalls in einem muslimischen Elternhaus groß wurde, nicht ruhen. „Für Fremde wie mich ist es in einem Verein wie dem TSV Eintracht Exten schwer genug, Vertrauen und Freundschaft aufzubauen“, erklärt Mehic, den alle „Meo“ nennen. Er selbst habe dafür viel Überzeugungskraft und Energie als Vorleistung investieren müssen. Die Prozesse würden oft Jahre dauern. „Pauschale Urteile wie der von Holger Heise zerstören diese Bemühungen innerhalb kürzester Zeit, sie erzeugen Ablehnung und Ausgrenzung“, sagt Mehic. „Gräben werden mit Geduld überwunden, und durch solche Standpunkte schnell wieder vertieft.“ Mehic stellt klar, dass es ihm nicht speziell um Muslime geht. „Wenn andere Minderheiten derart undifferenziert an den Pranger gestellt worden wären, hätte ich mich auch gemeldet.“

Einen Schritt nach vorne und zwei zurück

Da er in seiner Jugend später nach Kroatien umsiedelte, wisse er aus Bürgerkriegszeiten, wohin Religionskonflikte führen können. „In Deutschland wurde ich von vielen guten Leuten unterstützt, aber derzeit habe ich das Gefühl, dass wir beim Thema Zuwanderer einen Schritt nach vorne und zwei zurückmachen“, sagt er. Fremdenfeindlichkeit begegne ihm meist unterschwellig, im Kreis von vermeintlich Gleichgesinnten bisweilen aber auch offen ausgesprochen. Seine Frau Amela, deren Eltern aus Montenegro und Bosnien stammen, die aber in Deutschland geboren ist, unterstützt diesen Eindruck. „Ich habe keine Ahnung, was Glaube und Religion mit dem Fußballsport zu tun hat“, kommentiert sie Holger Heises Leserbrief, der sich missverstanden fühlt. „Ich bin kein Spalter“, sagt er, und schon gar nicht sei er fremdenfeindlich.

Aber er stehe zu seinen Aussagen im Leserbrief, weil er über die vielen Jahre als Fußballer entsprechende Erfahrungen gemacht habe. Auch heikle Probleme sollten offen angesprochen werden. Dazu habe er einen Beitrag leisten wollen. Heise, der sich gerade auf seinen ersten Marathonlauf vorbereitet, wollte mit seiner Meinung aber keinesfalls das Verhältnis zu Ruzmir Mehic beschädigen. „Wenn ihn mein Leserbrief persönlich verletzt hat, dann tut mir das wirklich leid“, sagt er.

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