03. März 2021 / 11:04 Uhr

RWE-Boss Marcus Uhlig über das Pokal-Viertelfinale gegen Kiel, Free-TV-Ärger und die Corona-Folgen

RWE-Boss Marcus Uhlig über das Pokal-Viertelfinale gegen Kiel, Free-TV-Ärger und die Corona-Folgen

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
RWE-Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig spricht im #GABFAF-Interview unter anderem über das Pokalspiel gegen Holstein Kiel.
RWE-Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig spricht im #GABFAF-Interview unter anderem über das Pokalspiel gegen Holstein Kiel. © IMAGO/Noah Wedel
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Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Zweitligist Holstein Kiel an diesem Mittwoch äußert sich Marcus Uhlig, Vorstandsvorsitzender des Regionalliga-Tabellenzweiten Rot-Weiss Essen, im #GABFAF-Interview zu den Corona-Besonderheiten bei seinem Klub und der Symbiose von RWE mit seinen Fans.

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Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Rot-Weiss Essen spielt um den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals - als Viertligist! Am Mittwochabend (18.30 Uhr/Sky) empfängt RWE den Zweiligisten Holstein Kiel im Viertelfinale. Es wäre erst das zweite Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs - nach dem Sensations-Lauf des 1. FC Saarbrücken im Vorjahr - dass einem Regionalligisten der Halbfinal-Einzug gelingt. Vor dem Pokal-Duell hat RWE-Vorstandsboss Marcus Uhlig im Interview mit dem Aktionsbündnis #GABFAF des SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), über die große Chance gegen Kiel gesprochen - und unter anderem seine Enttäuschung geäußert, dass die Partie nicht im Free-TV zu sehen ist.

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#GABFAF: Marcus Uhlig, hätten Sie sich für das DFB-Pokal-Viertelfinale ein attraktiveres Los gewünscht als Kiel?

Marcus Uhlig (50): Definieren wir "attraktiver": Das bemisst sich in Corona-Zeiten einzig und allein an der Wahrscheinlichkeit der Schlagbarkeit. Da ist mir ein Zweitligist lieber als ein Bundesligist. Kiel hat in der 2. Liga zurecht Aufstiegsambitionen. Von zehn Spielen gewinnt Holstein gegen uns acht oder neun. Wir müssen schauen, dass am Mittwoch das zehnte ist.

Sind Sie enttäuscht, dass die RWE-Partie das einzige Viertelfinalspiel ist, das nicht im Free-TV zu sehen ist?

Der Fußballfan in mir ist enttäuscht, das hätten sich nicht zuletzt unsere Fans schon mehr als verdient. Aber auch generell glaube ich, dass ein Duell der Underdogs für Fußball-Deutschland interessanter ist, als wenn die großen Plastikklubs ewig gegeneinander spielen und das zum x-ten Mal live übertragen wird.

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Was macht RWE mit den Pokaleinnahmen?

Wir haben unsere Mannschaft an den bislang rund 2 Millionen Euro Umsatz signifikant beteiligt. Außerdem haben wir diverse Altverpflichtungen zu erfüllen. Etwa die Hälfte des Umsatzes verbleibt beim Klub, und die dient in erster Linie der Kompensation der Corona-Schäden. Wir sind ein Klub, der in vielerlei Hinsicht gefühlt wie ein Zweit- oder Drittligist daherkommt. Aber wir leben auch fast ausschließlich davon, dass bei uns Spiele vor Zuschauern stattfinden. Das haben wir seit elf Monaten nicht mehr, und das hat ein erhebliches Loch gerissen. Bislang haben wir dieses dank der Pokaleinnahmen vollständig kompensieren können. Dennoch haben wir darüber hinaus keinerlei Reichtümer angehäuft.

Ihr Verein hatte selbst in der 4. Liga regelmäßig einen Zuschauerschnitt von mehr als 11.000 Fans. Wie sehr fehlt das Publikum?

Die Symbiose Zuschauer-Verein ist in Essen eine ganz besondere. Es gibt in Deutschland nur ganz wenige Traditionsvereine, wo das vergleichbar ist. Wir dürfen unseren Sport jetzt zwar weiter ausüben, aber wir tun es in einer luftleeren Blase. Das ist zunächst einmal richtig so, weil der Wettbewerb weitergehen soll. Aber es fühlt sich gleichzeitig auch falsch und unwirklich an. Und ich kann mich nicht daran gewöhnen, dass wir in diesem Stadion eine Atmosphäre haben wie in einem Trainingslager in Belek beim Freundschaftsspiel gegen einen luxemburgischen Drittligisten. Wir spielen bislang vielleicht die Saison unseres Lebens – und das wertvollste Gut von Rot-Weiss Essen, unsere Fans, darf nicht dabei sein.

Wie stark ist die finanzielle Abhängigkeit von den Zuschauern?

Wenn Sie als Regionalligist um die 7 Millionen jährlich umsetzen, dann kommen 2 Millionen Euro davon direkt aus Ticketeinnahmen, eine Million aus der Hospitality. Und wenn Sie dann noch Merchandisingverkauf am Spieltag nehmen oder was vom Catering beim Klub hängen bleibt – da sind Sie bei über 50 Prozent. Und das sind nur die direkten Zuschauereinnahmen. Die allermeisten Sponsoren präsentieren sich ja bei uns, weil sie es gut finden, dass unsere Heimspiele vor so vielen Fans stattfinden.