09. November 2016 / 17:18 Uhr

Saade war nicht der Erste: Auch letztes Jahr schon schwerer Unfall an Jeddeloher Werbebande

Saade war nicht der Erste: Auch letztes Jahr schon schwerer Unfall an Jeddeloher Werbebande

Jan Szyszka, Stephan Hartung und Sascha Priesemann
Göttinger Tageblatt
Mohamad Saade.
Mohamad Saade. © Sascha Priesemann (Archiv)
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Verletzter Mohamad Saade prüft rechtliche Schritte. Stehen die Jeddeloher Werbebande zu nah am Spielfeld?

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Die schwere Verletzung von Arminia-Spieler Mohamad Saade im Auswärtsspiel beim SSV Jeddeloh II bewegt viele Amateurfußballer in Hannover. Zahlreiche Genesungswünsche wurden über soziale Netzwerke an den 25-Jährigen übermittelt, der am Samstag  unter die Werbebande gerutscht war und sich dabei Sehnenrisse im Fuß sowie Schnittwunden am Knie und Fuß zuzog - wegen einer Infektion war die Verletzung zeitweise lebensbedrohlich (wir berichteten).

In Jeddeloh II gab es schon einmal einen Unfall

Nun bekommt der Fall eine neue Wendung. Denn: Saade ist nicht der erste Spieler, der sich auf dem Platz des SSV Jeddeloh II in Folge einer Kollision mit einer Werbebande die Beine aufschlitzte und anschließend ins Krankenhaus musste. SSV-Teammanager und 2. Vorsitzender Gerhard Meyer bestätigt auf Sportbuzzer-Anfrage, dass auf dem Platz des Oberligisten schon einmal ein Spieler in die Werbebande gerutscht war und sich verletzt hat.

Die Umstände ähneln dem Unfall von Saade auf frappierende Weise – und sie liegen erst wenige Monate zurück. Im August 2015 war ein Spieler einer Gästemannschaft bei einem Flankenversuch in die hinter der Torauslinie stehende Bande gerutscht und riss sich dabei das Bein auf.

Nach damaligen Medienberichten passierte das Unglück beim Spiel der Jeddeloher Reserve in der Kreisliga gegen BW Bümmerstede. Der verletzte Spieler zog sich demnach eine tiefe Risswunde am Knie zu. Die Schmerzen war laut Medienbericht so stark, dass der Spieler vor Abtransport ins Krankenhaus noch am Platz eine Vollnarkose erhielt. Das Spiel wurde abgebrochen.

Konsequenzen hatte der Fall beim SSV Jeddeloh II nicht. Der Unglücksort an der Werbebande wurde nicht entschärft. „Wir hatten es vor, haben aber damals keine vernünftige, bezahlbare Lösung gefunden. Außerdem gingen wir davon aus, dass es ein einmaliges Unglück war und so viel Pech nicht noch einmal vorkommt“, sagt SSV-Teammanager Meyer.

Steht die Bande zu dicht am Spielfeld?

Die Verletzung von Arminia-Spieler Mohamad Saade hat nun ein Umdenken ausgelöst.  Bei der nächsten Vorstandssitzung des SSV (Donnerstag, 17.11.) sollen laut Meyer entsprechende Sicherungsmaßnahmen, wie etwa ein Verringern oder Schließen des Bandenabstandes zum Boden oder Abkleben beschlossen werden, um weitere Verletzungen zu vermeiden.  „Zweimal ist einmal zu viel“, betont Meyer.

Ein Foto, das Arminia Hannover vom Spiel in Jeddeloh am Wochenende in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, legt die Vermutung nahe, dass die Banden beim Oberliga-Spitzenreiter nah hinter den Toren stehen – und damit womöglich weniger Abstand haben als die nach Auskunft des NFV in der DFB-Spielordnung und den DIN-Spielstättenverordnungen vorgeschriebenen vier Meter.

SSV-Teammanager Meyer widerspricht und verweist auf Abnahme des Platzes durch den NFV. Diese erfolgte im Rahmen des Aufstiegs des SVV in die Oberliga im Jahr 2012. Seitdem hat es allerdings keine weitere Vermessung gegeben - auch nicht nach dem Unglück 2015. „Wir haben den Standort nicht verändert, das geht auch gar nicht“, betont Meyer.

Arminia prüft rechtliche Schritte

Beim NFV sorgt die Tatsache, dass sich in Jeddeloh schon zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten ein Fußballer an einer Bande verletzt hat, für Erstaunen. Denn: Der NFV führt keine Statistiken über die Art von Verletzungen. Entsprechend schwer fällt NFV-Sprecher Manfred Finger eine Einordnung der Umstände in Jeddeloh. Einmal im Jahr würden die Plätze in der Oberliga aber von NFV-Vertretern geprüft.

Und was macht Arminia? Mohamad Saade prüft rechtliche Schritte gegen den Ligakonkurrenten, er lässt sich dazu anwaltlich beraten. "Ich wäre aber doof, wenn ich nichts unternehme", sagt Saade und betont, "dass ich kurz vom Sterben war - und das alles nur, weil eine Werbebande so schlecht geschützt ist." Den Abstand der Bande von der Torauslinie schätzt er „auf ungefähr vier Meter, wir haben aber natürlich nicht nachgemessen“. Ohnehin spielt für den 25-Jährigen keine Rolle, ob die Bande eine vorschriftsmäßige und genehmigte Entfernung vom Spielfeld besaß oder nicht. Entscheidend sei die sogenannte Verkehrssicherungspflicht, der der SSV nicht nachgekommen sei. „Wenn die Banden so errichtet sind, dass man mit den Füßen darunter rutschen kann und sie dazu gefährliche Ecken aufweisen, dann darf das einfach nicht sein. Wenn dort ein kleines Kind beim Spiel reinrutscht, ist die Hand ab.“

Einen anderen Konflikt haben beide Vereine mittlerweile ausgeräumt. Arminia hatte sich irritiert gezeigt, dass sich nach der Saade-Verletzung kein Offizieller des SSV Jeddeloh II gemeldet hatte. Dass hat der Oberliga-Spitzenreiter mittlerweile nachgeholt; Teammanager Meyer hat sich per Facebook auch bei Saade gemeldet. Der Grund für die Verspätung ist beinahe schon ein Treppenwitz: Der Sohn des Teammanagers hatte sich am Sonntag verletzt und musste mit Knöchelbruch ins Krankenhaus.

Das sind die Bestimmungen

*Nach Auskunft des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) müssen hinter der Torauslinie eine zwei Meter große Sicherheitszone aus dem Spielfeldbelag (in dem Falle Rasen) und zusätzlich eine zwei Meter große hindernisfreie Zone eingerichtet sein. Das bedeutet also, dass an den Stirnseiten die Werbebanden jeweils vier Meter von der Spielfeldbegrenzung entfernt stehen müssen. An den Seiten müssen insgesamt nur zwei Meter Platz gelassen werden. *

*Ob die Bestimmungen eingehalten werden, wird bei der Zulassung der Sportstätte geprüft, vom Verband aber nicht regelmäßig kontrolliert. Grundsätzlich sind der Spieler und der Verein bei der ARAG unfall- beziehungsweise haftpflichtversichert. Wenn sich der verletzte Spieler an die Versicherung wendet, prüft sie, ob die Bestimmungen eingehalten worden sind oder ob der Verein möglicherweise seiner „Verkehrssicherheitspflicht“ nicht nachgekommen ist – also ob das gefährliche Metallstück vom Verein hätte entdeckt und entfernt werden müssen.   *