04. März 2021 / 13:24 Uhr

Sachsens Kinder dürfen auf Sportplätze zurückkehren - Regelungen kompliziert

Sachsens Kinder dürfen auf Sportplätze zurückkehren - Regelungen kompliziert

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Tennisspielerinnen und -spieler können schon einmal ihre Trainingstasche packen. Für andere sieht es weniger gut aus.
Tennisspielerinnen und -spieler können schon einmal ihre Trainingstasche packen. Für andere sieht es weniger gut aus. © Dirk Knofe
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Das lange Hoffen, das Wünschen, das Bangen, es ist erst einmal vorbei, zumindest teilweise. Sachsens Landesregierung öffnet dem Amateursport den Weg zurück auf die Trainingsplätze. Allerdings zunächst nur für Kinder bis 15 Jahren und für Einheiten im Freien. Alle Öffnungsschritte sind an die Sieben-Tages-Inzidenz gekoppelt. Und gemacht werden darf auch längst nicht alles.

Leipzig. Nach monatelangem Lockdown gibt es nun auch in Sachsen zumindest teilweise gute Nachrichten für den Amateur- vor allem aber auch für den Nachwuchssport. Die ab dem kommenden Montag geltende neue Corona-Schutz-Verordnung (der Entwurf liegt dem SPORTBUZZER vor) sieht auch Lockerungen für diesen Bereich vor. Es gibt allerdings viele Regeln und längst nicht alles, was erhofft und gewünscht wurde, wird möglich sein.

Wie sieht die neue Regelung für den Sport aus?

Die neuen Regeln sind gestaffelt und an die Sieben-Tages-Inzidenz gekoppelt. Die angegebenen Inzidenz-Werte beziehen sich dabei immer auf den jeweiligen Landkreis/die kreisfreie Stadt UND den Freistaat insgesamt. Das ist künftig gestattet:

Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Tagen unter 100:

Gestattet sind Individualsport oder kontaktfreier Sport in Gruppen von bis zu 20 Personen unter 15 Jahren auf Außenanlagen und Individualsport allein oder zu zweit für alle ab 15 Jahren ebenfalls im Freien.

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Inzidenz an weiteren 14 aufeinander folgenden Tagen nicht erhöht, also unter 100 (frühestens ab 22. März möglich):

Kontaktfreier Sport im Innenbereich (z.B. Sporthallen) und Kontaktsport im Außenbereich, sofern die Teilnehmerin oder der Teilnehmer einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest oder -Selbsttest vorlegen kann.

Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Tagen unter 50:

Kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen (höchstens 20 Personen) ohne Altersbeschränkung, aber ausschließlich im Freien.

Inzidenz an weiteren 14 aufeinander folgenden Tagen nicht erhöht, also unter 50 (frühestens ab 22. März möglich):

Kontakfreier Sport im Innenbereich sowie Kontaktsport auf Außensportanlagen. Eine negativer Corona-Test ist nicht nötig.


Was bedeutet "Kontaktsport" oder "kontaktfreier Sport"?

Der SPORTBUZZER hat sich beim Landessportbund Sachsen erkundigt. Ergebnis: Aus sportwissenschaftlicher Sicht wird zunächst zwischen den Begriffen Kontaktsport und Parallelsport differenziert. Zu Ersterem gehören alle Sportarten, bei denen Kontakt notwendig oder erlaubt ist. Also beispielsweise Fußball oder Judo. Bei den Parallelsportarten ist ein Kontakt dagegen nicht erlaubt. Das betrifft etwa das Schwimmen im Pool oder 100-Meter-Läufe, bei denen die vorgegebenen Bahnen nicht verlassen werden dürfen. Per Definition fallen unter den Begriff Kontaktsport damit alle Sportarten, in denen Kontakt nicht verboten ist. So weit die Theorie.

In der (Pandemie-)Praxis stellt sich jedoch die Frage, ob beim Sporttreiben bereits die Unterschreitung des Mindestabstands von 1,50 Meter als Kontakt aufgefasst wird oder ob dies erst bei einer direkten Berührung der Fall ist.

Was genau heißt das nun für welche Sportart?

Der Entwurf der neuen Corona-Schutz-Verordnung, der dem SPORTBUZZER vorliegt, erlaubt zunächst "kontaktfreien Sport" beziehungsweise Individualsport in Gruppen. Tennis, Golf, Jogging, Gymnastik, Pilates und Co. an der frischen Luft oder auf einer Außensportanlage. Gleiches gilt für Rudern, Segeln oder die Kanuten. Klassischer Mannschaftssport wie Fußball oder Hockey zählt zunächst nicht dazu. "Beim Fußball kommt es zu Kontakten", so Köpping. Kicken wäre, bei passenden Inzidenzwerten, frühestens ab dem 22. März möglich. Je nachdem wie hoch die Inzidenz dann ist, allerdings nur mit tagesaktuellem negativen Corona-Test.

ABER: Fußballer sind nur solange Fußballer, wie sie auf dem Platz stehen und kicken, teilte der Landessportbund Sachsen auf Anfrage mit. Möglich wäre es demnach, dass eine Nachwuchsmannschaft sich schon früher zum gemeinsamen Laufen, zu Fitness-Einheiten oder Ähnlichem trifft. Wichtig ist und bleibt hierbei: Abstand halten. Kicken, Spielformen aller Art, ein kleiner Zweikampf - das ist erst einmal nicht drin.

Was ist mit Wettkämpfen?

"So weit sind wir noch nicht", stellte Köpping klar. "Erstmal müssen ja auch alle wieder trainieren." Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Mannschaftssportarten ist demnach bis zum 28. März, so lange soll die neue Verordnung erst einmal gelten, nicht möglich, egal ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, egal ob bei einer Inzidenz von unter 100 oder unter 50.

Wer bleibt weiter gänzlich außen vor?

Fitnessstudios bleiben geschlossen. Ausnahmen gibt es nur für medizinisch notwendige Behandlungen. Auch Schwimmhallen dürfen nicht öffnen. Wassersportler, die nicht auf und in den Leipziger Seen, Kanälen und Flüssen zu Hause sind, bleiben damit außen vor. "Wir bitten um Geduld", sagte Köpping knapp. Es gehe zunächst um die Ermöglichung von Außensport.

Was halten Experten von den Regelungen?

Die Sportvereine stellen die fehlenden Definitionen im Bereich des kontaktfreien Sports vor Probleme. Um zu wissen, was erlaubt ist, brauchen sie klare Ansagen. Aus Sicht des Verbandes wäre es deshalb besser gewesen, nicht nach Kontakt- und kontaktfreiem Sport zu unterscheiden, sondern je nach Inzidenzwert einer jeweils festgelegten Anzahl an Personen das gemeinsame Sporttreiben zu erlauben.

Wann treten die Regelungen in Kraft?

Die neue Sächsische Corona-Schutz-Verordnung wird am kommenden Montag (8. März) in Kraft treten. Bevor sie vor Ort greifen kann, müssen allerdings Landkreise und kreisfreie Städte ihre darauf beruhenden Regeln anpassen. Es steht den dort Verantwortlichen frei, eigene Anpassungen vorzunehmen. Es ist also theoretisch auch möglich, dass lokal Regeln noch einmal abweichen.

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Mit: Simon Ecker