07. Dezember 2020 / 12:31 Uhr

Sag niemals ManU: Die traurige Geschichte hinter dem Spitznamen von Manchester United

Sag niemals ManU: Die traurige Geschichte hinter dem Spitznamen von Manchester United

Nils Weinert
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manchester United erinnert regelmäßig an das Schicksal der Busby Babes. So wurde die damals beste Vereinsmannschaft der Welt genannt, die auf so tragische Weise verunglückte.
Manchester United erinnert regelmäßig an das Schicksal der "Busby Babes". So wurde die damals beste Vereinsmannschaft der Welt genannt, die auf so tragische Weise verunglückte. © Getty
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Gegen wen spielt RB Leipzig am Dienstag in der Champions League nochmal? Wer mit "ManU" antwortet, hat zwar nicht unrecht, nimmt damit aber einen vor allem in England verpönten Spitznamen für Manchester United in den Mund. Die Geschichte, die sich hinter der Abkürzung verbirgt, gehört zu den traurigsten im Fußball.

Manchester United. Schon bei dem Gedanken an die Red Devils bekommen Traditionalisten und Fußball-Fans auf der ganzen Welt Gänsehaut. Um kaum einen Verein ranken sich so viele Mythen und Legenden wie um den englischen Rekordmeister. Doch in die Geschichten von vergangenen Serienmeisterschaften und legendären Champions-League-Endspielen gegen deutsche Bewerber reiht sich immer wieder ein verheerender Fehler ein, hinter dem eine traurige Geschichte steckt. Kenner des englischen Fußballs versuchen bereits seit längerer Zeit die Abkürzung „ManU“ endgültig aus dem Sprachgebrauch der Berichterstatter zu verbannen. Unbewusst hat sich das Kürzel vor allem in Deutschland eingebürgert, wenn von den Red Devils die Rede ist. Die wenigsten wissen allerdings, dass der vermeintliche Spitzname im direkten Zusammenhang mit dem tragischen Flugzeugabsturz am 6. Februar 1958 steht.

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23 von 43 Flugzeuginsassen sterben

An besagtem Tag stieg das Team von Manchester United gut gelaunt in den Flieger, der sie nach einem 3:3 bei Roter Stern Belgrad in ihre Heimat zurückbringen sollte. Die Stimmung bei den Busby Boys war ausgelassen, denn das Unentschieden in Serbien bescherte den jungen Engländern den Einzug ins Halbfinale des Landesmeister-Wettbewerbs. Der Zwischenstopp am Münchner Flughafen Riem entwickelte sich jedoch zu einer Aneinanderreihung schrecklicher Ereignisse, die nach zwei abgebrochenen Startversuchen in der Katastrophe endete, die den englischen Fußball und den Sport auf der ganzen Welt zutiefst erschütterte.

In München erinnert ein Gedenkstein an die Opfer der Flugzeugkatastrophe vom 6. Februar 1958.
In München erinnert ein Gedenkstein an die Opfer der Flugzeugkatastrophe vom 6. Februar 1958. © Getty Images

Auf der verschneiten Startbahn gewann das Flugzeug nicht ausreichend Geschwindigkeit, durchbrach einen Zaun und krachte mit der Tragfläche gegen ein Haus, das kurze Zeit später lichterloh in Flammen aufging. 23 der 43 Insassen überlebten die Tragödie nicht – darunter die halbe Mannschaft von Manchester United. Es dauerte mehrere Jahre, bis sich der englische Fußball vom Verlust der acht jungen Talente erholte. Ein Gedenkstein im Münchner Stadtteil Trudering erinnert noch heute an die Verstorbenen.

Schlimme Schmähgesänge

Sir Bobby Charlton überlebte das Unglück und schoss die englische Nationalmannschaft acht Jahre später zum ersten und bislang einzigen WM-Titel. Doch abseits von den Erfolgen musste der Rekordtorschütze von Manchester United auch miterleben, wie Chaoten in den englischen Stadien Schmähgesänge auf Kosten seiner verstorbenen Teamkameraden dichteten. Vorwiegend Anhänger von West Bromwich Albion nahmen das Unglück von München zum Anlass, makabre Zeilen von den Rängen zu brüllen. Über den im Alter von nur 22 Jahren verstorbenen Duncan Edwards, der zu seiner Zeit als eines der größten Talente in England galt, sangen sie: „Duncan Edwards is manure, rotting in his grave, Man U are manure, rotting in your grave.“ Übersetzt bezeichneten sie Edwards als Dünger, der in seinem Grab verrottet – an Taktlosigkeit kaum zu überbieten. Den Übermittlungen zufolge war es das erste Mal, dass die Abkürzung „ManU“ in solchem Ausmaß verbreitet wurde – vorher war davon in England nie die Rede. Weil es so ähnlich wie das englische Wort „manure“ (dt. „Dünger) klang, kamen auch andere Fanlager schnell auf die Idee, Schmähgesäge zu dichten.

Bobby Charlton überlebte das Unglück von München verletzt, erholte sich vollständig und feierte mit England 1966 den Weltmeistertitel.
Bobby Charlton überlebte das Unglück von München verletzt, erholte sich vollständig und feierte mit England 1966 den Weltmeistertitel. © dpa / LVZ-Archiv

Chaoten aus Liverpool und Leeds übernahmen die Gesänge und fügten „Man U (you) went on a plane, Man U (you) never came back again“ hinzu. Der verhöhnende Beiname machte in England die Runde – allerdings immer nur, um die Verstorbenen des Unglücks zu demütigen. Mit den Anfangsbuchstaben von „Munich“ (engl. für München) wurde der Satz „Man U Never Intended Coming Home“ geformt, was so viel heißt wie „Ihr habt nie beabsichtigt, nach Hause zu kommen“. Von der feinen englischen Art, die so oft zitiert und als gutes Beispiel angeführt wird, war keinerlei Spur.

Zum Glück sind die Gesänge mittlerweile verstummt. Die Chaoten von damals sind alt und (hoffentlich) vernünftig geworden. Was bleibt, ist die Abkürzung „ManU“, die von unwissenden Fußballfans aufgeschnappt und verbreitet wurde. Ohne jegliches Hintergrundwissen um die tragische Geschichte zum Beinamen, der die Red Devils seit nun mehr als 60 Jahren begleitet. Dabei gibt es doch zahlreiche Alternativen, die ebenso gut funktionieren und die Fans von Manchester United nicht an das tragische Unglück von 1958 erinnern. „Manchester Utd“, „ManUnited“, „Man Utd“, „United“ oder einfach „Red Devils“ – just to name a few.