25. April 2020 / 12:17 Uhr

Nach Saison-Abbruch in Holland: Klubs reagieren mit scharfer Kritik - Klagen angekündigt

Nach Saison-Abbruch in Holland: Klubs reagieren mit scharfer Kritik - Klagen angekündigt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Rotterdamer Stadion De Kuip rollt der Ball vorerst nicht.
Dem niederländischen Verband drohen Klagen. © imago images/AAP
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In den Niederlanden regt sich nach der Entscheidung des Verbandes, die Saison abzubrechen, Kritik. Die Klubs wollen vor allem die Entscheidung, Auf- und Abstiege auszusetzen, nicht hinnehmen. Einige wollen sogar klagen.

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Mit Enttäuschung und Wut haben etliche Klubs auf den Abbruch der Saison im niederländischen Profifußball wegen der Coronavirus-Pandemie reagiert. Eine Reihe von Vereinen fühlten sich sportlich und finanziell schwer benachteiligt, berichtete der Sender NOS am Samstag. Der FC Utrecht wolle gar vor Gericht gehen. Auch AZ Alkmaar, vor dem Abbruch punktgleich mit Tabellenführer Ajax Amsterdam, will gegen die Entscheidung vorgehen. Kritik richtete sich vor allem gegen Regelungen des Fußballverbands KNVB zur Teilnahme an den europäischen Klubwettbewerben, der Champions League und der Europa League. In Städten hingegen, deren Klubs von der Entscheidung profitierten, feierten die Fans.

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Der KNVB hatte am Freitag entschieden, dass es nach dem Abbruch der Saison keine Meister sowie keine Auf- und Absteiger gibt. Zugleich wurde Ajax Amsterdam für den Einzug in die Champions League gesetzt. Pokalfinalist Feyenoord Rotterdam, die PSV Eindhoven und Willem II Tilburg sollen in der Europa League an den Start gehen.

"Als Spieler und als Verein willst du natürlich Meister werden", sagte Ajax-Geschäftsführer Edwin van der Sar: "Es ist schade, dass wir nicht zum Meister erklärt worden sind, aber in dieser Situation mag das verständlich sein. Es gibt im Moment wichtigere Dinge als Fußball."

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Utrechts Clubchef Thijs van Es sprach von einem "schwarzen Tag für den Fußball". Den Entscheidungen des KNVB "mangelt es an Transparenz und Objektivität", schimpfte er. Über einen möglichen Einzug Utrechts in die Europa League sollte eigentlich erst im Pokalfinale gegen Feyenoord entschieden werden, das nun nicht mehr stattfindet. Weil Utrecht in der Liga nur auf Platz sechs lag, ist eine Europapokal-Teilnahme so ebenfalls nicht möglich. In Tilburg, dessen Klub Willem II aufgrund der Platzierung in der Eredivisie knapp vor Utrecht in die Europa League einzieht, feierten Fans hingegen mit einem Autokorso.

Klubs in Holland wollen klagen

Experten räumten Klagen gegen die KNVB-Beschlüsse nur geringe Chancen ein. "Ein Richter in den Niederlanden berücksichtigt die sportlichen Aspekte kaum, sondern beurteilt vor allem die Verfahrensweise", sagte Marjan Olfers, Dozent für Sport und Recht, dem Sender NOS.

Und auch in der zweiten niederländischen Liga regt sich Widerstand. Der SC Cambuur - der elf Punkte Vorsprung auf die Play-off-Plätze hatte - und De Graafschap, die beiden besten Vereine der zweiten Liga, wollen rechtliche Schritte einleiten. "Das fühlt sich wie die größte Schande in der Geschichte des niederländischen Sports an", sagte Cambuur-Manager Henk De Jong im niederländischen Fernsehen.