12. Januar 2021 / 13:11 Uhr

Lieber abbrechen? Saison durchziehen? Drittligisten stecken weiter im Dilemma

Lieber abbrechen? Saison durchziehen? Drittligisten stecken weiter im Dilemma

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Vinnhorsts Trainer Davor Dominikovic (links) und Burgwedels Marius Kastening haben mit ihren Teams unterschiedliche Voraussetzungen.
Vinnhorsts Trainer Davor Dominikovic (links) und Burgwedels Marius Kastening haben mit ihren Teams unterschiedliche Voraussetzungen. © Debbie Jayne Kinsey/Uwe Serreck
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Ob die Saison in der 3. Liga nach der bis Ende Februar beschlossenen Zwangspause fortgesetzt werden kann, ist völlig unklar. Was die Lage verkompliziert: Die Vereine haben finanziell sehr unterschiedliche Voraussetzungen, was unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten zur Folge hat.

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Die Drittligahandballer des TuS Vinnhorst haben sich längst daran gewöhnt, vor jedem Training früher da sein zu müssen. Einzeln betreten die Spieler den Testraum in der Halle, um die Abstriche nehmen zu lassen. Erst wenn der Corona-Test negativ ausfällt, kann es losgehen. Bisher läuft alles rund.

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Seit Ende November ist der Tabellenzweite wieder im Training, einen Verdachtsfall gab es (noch) nicht. Nach einer kurzen Pause über den Jahreswechsel legte die Mannschaft von Davor Dominikovic in der vergangenen Woche los, um vorbereitet zu sein für die Fortsetzung der Saison. „Wir wollen auf jeden Fall wieder spielen“, betont der TuS-Trainer.

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Nach der Verlängerung des Lockdowns ist allerdings unklar, wann und mit welchem Modus das sein wird. Am Montag hat der Deutsche Handballbund (DHB) die Zwangspause der 3. Ligen sowie der Junioren-Bundesligen bis zum 28. Februar verlängert.



Wie es danach weitergehen soll, wollen Vertreter der Spielkommission am Dienstag mit den Vereinen im Rahmen einer Videokonferenz erörtern. „Wenn wir nicht spätestens Mitte März starten können, müsste man nach meiner Einschätzung abbrechen“, sagt Burgwedels Spielertrainer Marius Kastening. Aber der HHB steckt auch im Tabellenkeller der 3. Liga Nord-West fest.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Heidmar Felixson, Trainer von Schlusslicht TSV Burgdorf II, sieht einen Spielbetrieb in weiter Ferne: „Ich bin glücklich, dass wir trainieren können. Von allem anderen sollten wir uns verabschieden. Das wäre aktuell unverantwortlich.“ Obwohl die Inzidenzwerte tatsächlich wenig Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs machen, ist Staffelleiter Andreas Tiemann weiterhin optimistisch. „Einen Saisonabbruch sehe ich noch nicht. Der Verband ist dazu da, einen Spielbetrieb zu organisieren“, sagt er.

Erschwerend hinzu kommen die unterschiedlichen Voraussetzungen der Vereine. Vinnhorst oder Aufstiegsfavorit Eintracht Hagen trainieren nahezu unverändert. In Burgwedel halten sich die Spieler individuell fit, weil kein Geld für die Tests vorhanden ist.

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„Was Tests und Hygienekonzepte betrifft, gibt es wenig Unterstützung vom DHB“, sagt HSV-Teammanager Dirk Müller. Auch die Anderter trainieren wieder, aber nur, weil sich die Spieler an den Kosten beteiligen. Bei der Videokonferenz am 10. November wurde vom DHB in Aussicht gestellt, sich an den Kosten für die Tests zu beteiligen – sofern Deutschland an der WM in Ägypten teilnimmt. Diese Idee soll jedoch vom Tisch sein. Müller würde sich deshalb zumindest eine Erstattung der Meldegelder wünschen, um den Haushalt zu entlasten.

Nur wer aufsteigen will, spielt?

Zudem gibt es zahlreiche unterschiedliche Regelungen in Deutschland, die es selbst Vereinen, die spielen wollen, nicht erlauben, die Hallen zu nutzen. Ein fairer Wettbewerb ist so nicht gegeben. Es wird deshalb etliche Vereine geben, die sich für einen Saisonabbruch aussprechen dürften, während die Topvereine unbedingt die Aufsteiger in die zweite Liga ermitteln wollen.

Um dieses Dilemma zu lösen, steht nach Informationen vom SPORTBUZZER folgende Idee zur Diskussion: ein erneuter Verzicht auf Absteiger in die Oberliga, und wer aufsteigen will, der spielt.

Jürgen Bätjer, der seit 2019 die sportliche Verantwortung bei Eintracht Hildesheim trägt, hält nichts davon, zu sagen: „Wer Geld hat, der kann spielen.“ Eine solche Entscheidung würde die bisherigen Strukturen der Liga aufbrechen. Sollte die Mehrheit dennoch heute zu diesem Schluss kommen, müsste man die Idee laut Bätjer auch konsequent zu Ende denken und die Liga reformieren: „Dann soll man aus jeder der vier Staffeln die Spitzenvereine nehmen und eine eingleisige dritte Liga einführen.“

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