07. April 2020 / 11:55 Uhr

Saison-Gedankenspiele in den Dahme/Fläming-Vereinen

Saison-Gedankenspiele in den Dahme/Fläming-Vereinen

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Wann die Fußbälle wieder rollen ist derzeit noch völlig offen.
Wann die Fußbälle wieder rollen ist derzeit noch völlig offen. © Frank Neßler
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Fußballkreis Dahme/Fläming: Reset oder Restart sind nur zwei Optionen, die Stimmung bei den Fußballern zwischen Dahmeland und Fläming schwankt zwischen Abbruch, Annullierung und Fortführung der Saison 2019/20.

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Das Coronavirus zwingt den Fußball zu Überlegungen für eine noch nie dagewesene Exitstrategie in der Saison 2019/20. Die Spielzeit ist seit Anfang März ausgesetzt. Ein Trainingsbetrieb findet nicht statt. Es wird deutlich, dass die Saison Schaden genommen hat. Doch wie kann der repariert werden?

Der Deutsche Fußballbund (DFB), der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) und der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) haben zwar offiziell den Weg für eine Saisonverlängerung in Corona-Zeiten über den 30. Juni hinaus im Amateurbereich frei gemacht, aber ob dies praktikabel ist, darüber wird aktuell viel diskutiert. Ein Stimmungsbild unter seinen gut 60 Mitgliedsvereinen ermittelt derzeit der Fußballkreis Dahme/Fläming in einer Umfrage. Sie soll als Grundlage für eine Entscheidung dienen, wie die aktuelle Spielzeit beendet werden kann. Es wird schwierig, so viel kann bereits gesagt werden.

Quizzen gegen die Langeweile: Die Fragen von Bornims Trainer Janko Müller.

Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. Zur Galerie
Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. © SPORTBUZZER

Dies zeigt auch eine im Internet-Portal SPORTBUZZER gestartete Blitz-Umfrage. Nicht repräsentativ sprechen sich fast ein Drittel aller Teilnehmer (30,6 Prozent/Stand am 7. April, 11 Uhr) für einen Saisonabbruch ohne Auf- und Abstieg aus. Knapp geht es dahinter zu. 27,6 Prozent der SPORTBUZZER-Umfrageteilnehmer ist für einen Saisonabbruch mit Aufstieg, aber ohne Abstieg, 27,1 Prozent votieren für eine Fortsetzung der Spielserie. Für einen Saisonabbruch mit Auf- und Abstieg sprechen sich nur 14,7 Prozent aus.

Mit einem offenen Brief hat sich der Ludwigsfelder FC am Wochenende an den NOFV und den FLB gewandt. „Aus meiner Sicht ist ein Abbruch der laufenden Saison zwingend erforderlich, verhältnismäßig und nachvollziehbar“, schreibt LFC-Präsident Marcel Penquitt, „da in fast allen Ligen mehr als zwei Drittel der Spiele ausgetragen wurden, kann kein Verein behaupten, er hätte nicht die Möglichkeit gehabt, sich anders sportlich zu platzieren. Die derzeitig existierenden Tabellen könnten zur Grundlage genommen werden, die Auf- und Abstiegsplätze zu definieren. Hilfsweise könnte man auch die Tabelle der Hinrunde heranziehen, um einen hundertprozentigen Gerechtigkeitsaspekt zu berücksichtigen.“

Ronald Schäfer, Trainer GW Großbeeren: "Wir sollten unter allen Umständen das höchste Gut, was wir Menschen haben schützen und das ist die Gesundheit! Die jetzige Situation ist so außergewöhnlich ernst, dass man gar keinen Gedanken daran verschwenden sollte, eine jetzt bereits total verkorkste Saison mit Gewalt zu Ende zu führen, nur damit wir schnellstmöglich wieder unser Hobby ausüben können. Es ist letztlich nur ein Hobby! Daher lehne ich eine künstliche Weiterführung dieser Saison entschieden ab! Was würde denn zum Beispiel passieren, wenn gleich nach Weiterführung des Spielbetriebs ein Spieler an Corona erkrankt und die Mannschaft daraufhin für zwei Wochen Ausgangssperre hat?

Außerdem würde sich ein Weiterführung nur mit einer sehr hohen Belastung der Spieler aufgrund der hohen Zahl von Spielen während der Woche möglich sein. Die Auswirkungen sowohl hinsichtlich des Starttermins und des Verlaufs der kommenden Spielzeit stören mich dabei gewaltig. Daher kann es nur heißen, dass die jetzige Spielzeit annulliert und der Spielbetrieb erst in der nächsten Saison mit der jeweiligen Besetzung der Ligen startet, wie in dieser Saison. Keine Absteiger und keine Aufsteiger. Die jetzigen Tabellenführer wären dann zwar verärgert, aber im Leben ist immer jemand der Angeschissene!

Marcell Geyer, Trainer Zellendorfer SV: "Der Zellendorfer SV ist für einen Abbruch. Alle Saisonergebnisse sollten annulliert werden. Das ist zwar hart für die momentanen Spitzenreiter, aber die Saison ist nicht zu Ende gespielt, nichts ist in Sack und Tüten."

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Jörg Schulze, Vorsitzender des Ruhlsdorfer BC: "Wir brennen natürlich darauf, dass es bald wieder losgehen kann. Die Spieler zeigen großes Verständnis, obwohl so ein Leben ohne Fussball natürlich keines ist und es ja so etwas für uns in fast 100 Jahren RBC noch nie gab. Bei dem anhaltend guten Wetter tränt einem fast das Herz. Einzige Gewinner sind die Sportanlagen, die die unverhoffte Pause nutzen, um sich zu erholen. Die Sicherheit unserer Spieler, deren Begleiter und Fans, die zu uns ins Stadion kommen, und das ist wohl jedem klar, steht an oberster Stelle! Und so ist man natürlich darauf angewiesen, wie die Experten die Lage einschätzen. Das Zeichen muss hier ganz klar vom Gesundheitsamt und entsprechenden Institutionen kommen. Das lässt einen manchmal zwar ziemlich ratlos oder auch hilflos den Fragen der Vereinsmitglieder gegenüber stehen, ist aber derzeit nicht zu ändern

Die Spieler sind heiß. Nach dem erfolgreichen Rückrundenstart beider Männermannschaften wollte man Nachlegen und weiter mit attraktiven Fußball aufwarten. Ich würde mir eine Lockerung bezüglich Sport und das heißt für mich in erster Linie Training an der frischen Luft wünschen. Eventuell in kleineren Gruppen, unter bestimmten Voraussetzungen und Einhaltung fester Regeln, wie sie zum Beispiel auch unseren Arbeitsalltag bestimmen.

Unsere Nachwuchstrainer stellen derzeit kleinere Übungen, für´s „Alleintraining“, mit Geschwister oder Elternteile zum Nachmachen in diverse App-Gruppen ein. Wir halten so den Kontakt und hoffen, dass somit eine gewisse Grundfitness aufrecht erhalten werden kann.

Die Informationen seitens Kreissportbund und FLB sind, so denke ich okay. Von einer schnellen, für alle Seiten gerechten und vertretbaren Lösung gehe ich nicht aus, was die Schwere der Entscheidungsfindung für diese Gremien widerspiegelt."

Thomas Faber, Vorsitzender Viktoria Jüterbog: "Also wir als FC Viktoria sind nicht für eine Verlängerung über den 30. Juni hinaus. Zum einen sind Ferien und zum anderen, wann soll dann die neue Saison starten. Man sollte eine diplomatische Lösung finden, um die Saison (gegebenenfalls Stand Ende der Hinrunde) abzuschließen, inklusive der Klärung der Auf- und Abstiegsfrage, gegebenenfalls die Tabellenersten aufsteigen lassen (keine Absteiger) und eine Regulierung in der kommenden Saison erfolgen lassen. Ein nachholen der ausgefallenen Spiele bis zum 30. Juni erscheint uns unmöglich, denn Schichtdienste sowie Arbeits- und Anfahrtswege sprechen nicht für Spieltage unter der Woche."