12. April 2020 / 14:00 Uhr

Saisonabbruch im Amateurfußball? Das wären die Folgen

Saisonabbruch im Amateurfußball? Das wären die Folgen

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ist die Amateurfußball-Saison 2019/20 schon vorbei? Aktuell kann das niemand seriös sagen.
Ist die Amateurfußball-Saison 2019/20 schon vorbei? Aktuell kann das niemand seriös sagen. © Pixabay/Montage
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Mit jeder Woche, die im Amateurfußball nicht gespielt werden kann, wird ein Saisonabbruch wahrscheinlicher. Verschiedene Szenarien werden diskutiert. Die Verbände stellen sich auf Klagen ein.

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Uwe Piehl geht in die Offensive. „Mit einem Abbruch der Saison hätten wir ein großes Problem. Das wäre gleichbedeutend mit der Annullierung und es gäbe keine Auf- und Absteiger“, sagt der Vize-Präsident des FC Oberneuland im Gespräch mit #GABFAF. Die erste Männer-Mannschaft seines Vereins führt derzeit die Bremen-Liga an, hat als einziges Team der Staffel für die Regionalliga gemeldet. Der Aufstieg ist also fest eingeplant – sollte die Saison normal zu Ende gespielt werden. Doch über dem Amateurfußball schwebt das Damoklesschwert Saisonabbruch. „Das würden wir nicht hinnehmen, weil solch ein Szenario in den Satzungen nicht vorgesehen wäre. Wir würden klagen, wenn es einen Saisonabbruch mit Annullierung der Ergebnisse geben würde“, sagt Piehl.

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"Saisonabbruch wird wahrscheinlicher"

Die Landesverbände des DFB hatten wegen der Corona-Krise vergangene Woche gemeinsam beschlossen, den Spiel- und Trainingsbetrieb abwärts der Regionalligen bis auf Weiteres auszusetzen. Die Saison ohne Zuschauer fortzusetzen, scheint im Amateurfußball, wo die Klubs besonders von Zuschauereinnahmen abhängig sind, unrealistisch. Wenngleich etwa der Sächsische Fußball-Verband auf SPORTBUZZER-Anfrage mitteilte, dass man derzeit kein Szenario ausschließen dürfe. Das gilt übrigens auch für einen Abbruch der laufenden Saison: „Mit jeder weiteren Woche, die die Beschränkungen andauern, wächst auch die Wahrscheinlichkeit eines Saisonabbruchs.“

Um einen Saisonabbruch wie beispielsweise in den Niederlanden zu beschließen, müsste aber wohl der Bundestag des DFB einberufen werden, um das sportrechtliche Rahmenwerk zu beschließen. Derzeit beraten die Verbände über mögliche Szenarien, spielen auf Zeit und warten gebannt auf weitere Ankündigungen der Politik. Der Badische Fußball-Verband etwa teilt mit, dass es derzeit „mindestens sieben verschiedene Szenarien“ gibt. Ähnlich äußern sich auf SPORTBUZZER-Nachfrage auch andere Verbände.

Hilfsaktion

Verbände rechnen mit vielen Klagen

DIE eine Lösung, die für alle gerecht wäre, gibt es aller Voraussicht nach nicht. Annullierung, Mitnahme der Punkte, Wertung der Hinrunde, Punkteschnitt errechnen, Aufstockung der Ligen – irgendein Verein wird sich immer benachteiligt fühlen. Verbands- und Vereinsvertreter gehen deshalb bereits davon aus, dass der FC Oberneuland bei einem möglichen Saisonabbruch nicht der einzige Kläger sein wird. FCO-Vize-Präsident Piehl kündigte bereits an: „Wir sind nicht allein.“

Die Verantwortlichen beim SV Ramlingen-Ehlershausen, dem Tabellenführer der Landesliga Hannover, machen sich solche Gedanken noch nicht. Vielmehr vertraut Kurt Becker, Sportlicher Leiter, auf Entscheidungen der Politik und der Verbände. „Wir haben keinen zeitlichen Druck für eine Fortführung der Saison, Geisterspiele wären aber problematisch, weil wir abhängig sind von Zuschauereinnahmen“, sagt er. „Wir haben aber auch einen Plan B für einen möglichen Saisonabbruch.“

Skispringer als Vorbild?

Becker glaubt, dass es im Amateursport weitergehen könnte, wenn die Schule wieder beginnt. „Dann könnten wir bis Ende Juli spielen“, sagt er. Andernfalls, sollte wirklich die Saison abgebrochen werden, favorisiert er die Lösung mit der Wertung nach der Hinrunde und zieht den Vergleich zum Skispringen: „Wenn dort der zweite Durchgang nicht durchgeführt werden kann, wird auch nur der erste gewertet.“ Eine Annullierung der Saison halte er hingegen für „sehr gefährlich“, weil sich dann ein Menge offener Fragen ergeben würde: Wie werden Auf- und Abstieg geregelt? Was machen die Sponsoren? Und, und, und.


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Saison an der Kalenderjahr anpassen?

Um sich diese Fragen erst gar nicht stellen zu müssen, hat Thomas Behling einen Vorschlag, der viele Probleme aus der Welt schaffen könnte. Das Vorstandsmitglied des C-Kreisligisten DJK Märkisch Hattingen aus dem Ruhrgebiet regt an, dass die aktuell laufende Saison so lange auszusetzen, bis die Kurve der Coronavirus-Pandemie wirklich abflacht, das Gesundheitsrisiko auf ein Minimum reduziert ist – und dann bis zum Jahresende zu spielen. „Anschließend könne man die nächsten beiden Saisons im Jahresrhythmus spielen – und so auch die perfekten Voraussetzungen für die Winter-WM 2022 schaffen“, sagt Behling. Diese würde alle Ligen wohl ohnehin zu einer Unterbrechung ab November 2022 zwingen.

Dieser Vorschlag, der erst einmal kurios klingt und mit dem Profifußball aufgrund der Vermarktungsverpflichtungen wohl nur schwer vereinbar ist, würde allerdings die Verbände erheblich entlasten – auch wenn den Amateurvereinen dadurch vorerst wichtige Einnahmen fehlen – wie etwa Märkisch Hattingen. Der Klub muss einen Kredit für den in Eigenregie gebauten Kunstrasenplatz zurückzahlen und hatte dafür fest mit Einnahmen aus Ticket-, Bratwurst- und Bierverkäufen gerechnet. Dennoch wäre für Behling diese Art die fairste.

Mit diesen Übungen können Amateurfußballer sich zu Hause fit halten:

#GABFAF-Reporter René Wenzel zeigt Dir die Übungen Schritt für Schritt mit einer genauen Erklärung. Zur Galerie
#GABFAF-Reporter René Wenzel zeigt Dir die Übungen Schritt für Schritt mit einer genauen Erklärung. ©

"Erhebliche Haftungsrisiken"

Die Verbände vermeiden Spekulationen. „Denn abhängig von der jeweiligen Spielklasse haben zumindest einzelne Vereine erheblich investiert und finanzielle Mittel eingesetzt, um die selbstgesteckten sportlichen Ziele zu erreichen“, teilte der Badische Fußballverband mit. „Wir sind daher in der Pflicht, alle Möglichkeiten auszuloten und abzuwarten, ob sich noch ein Zeitfenster öffnet, das uns die Chance gibt, die Saison regulär zu beenden. Eine andere Entscheidung wäre mit erheblichen Haftungsrisiken verbunden.“

Klar ist: Egal welche Entscheidung für den Amateurfußball am Ende getroffen wird, sie wird – wie in so vielen anderen Bereichen in Zeiten von Corona – eine schwierige sein.