24. März 2021 / 17:52 Uhr

Saisonabbruch im Fußball steht fest – nur noch nicht das Wie

Saisonabbruch im Fußball steht fest – nur noch nicht das Wie

Matthias Press und Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Fußball-Punktspiele? Die fallen erstmal ins Wasser.
Fußball-Punktspiele? Die fallen erstmal ins Wasser. © Kim Neumann
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Aufgrund der Lockdown-Verlängerung wird die Fußballsaison nicht mehr fortgesetzt. Kommende Woche soll entschieden werden, wie der Abbruch erfolgt – mit einer Wertung und Auf- beziehungsweise Absteigern, oder durch Annullierung der Spielzeit.

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Die jüngste Lockdown-Verlängerung zerstört die Pläne des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), die derzeit unterbrochene Saison noch irgendwie zu Ende zu bringen. Der Verbandsvorstand will in der kommenden Woche eine finale Entscheidung zum Umgang mit der Saison treffen. „Die bevorzugte Variante ist der Abbruch in Form der Annullierung“, teilt der NFV mit. Beim Übergang zwischen dem Landesverband und übergeordneten Verbänden (Auf- und Abstieg, Pokalwettbewerbe) soll es „Schnittstellenlösungen“ geben.

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Vorausgegangen war eine „nicht turnusmäßige Zusammenkunft“ der Mitglieder des NFV-Vorstandes, zu dem auch die Vorsitzenden der 33 Fußballkreise gehören. Endgültig entschieden ist allerdings noch nichts. „Wir werden alle Fußballvereine aus dem Kreis Peine zu einer Online-Zusammenkunft einladen. Sie ist für Montagabend geplant. Darin informieren wir über die Situation, und nach der Sitzung wollen wir die Meinung ermitteln. Alle haben dann die Möglichkeit, uns zu schreiben“, sagt Hans Hermann Buhmann, Vorsitzender des Fußball-Kreisverbandes.

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Mit diesem Meinungsbild wird der Kreisvorstand dann in die Sitzung des Landesverbandes gehen, die am Mittwoch, 31. März, stattfinden soll. Dabei ist bereits klar, dass die Saison nicht fortgesetzt wird. „Mangels Eintritts der nach dem Stufenplan erforderlichen Inzidenzwerte und Öffnungsschritte“ könne das Mannschaftstraining und der Pflichtspielbetrieb nicht rechtzeitig wieder aufgenommen werden, um an der sportlichen Fortsetzung und Beendigung der Saison bis maximal 21. Juli festzuhalten, heißt es in der NFV-Mitteilung. Denn aufgrund der Lockdown-Verlängerung wäre frühestens am ersten Mai-Wochenende die Fortsetzung der Punktspiele möglich – zumindest auf Bezirksebene für die Peiner Mannschaften zu spät, um die ausstehenden Begegnungen noch absolvieren zu können, trotz der Saisonverlängerung bis zum 21. Juli. Ein Weiterspielen über diesen Termin hinaus hatte der Landesverband als nicht machbar angesehen.

Bleibt die Entscheidung zu fällen, ob es eine Wertung der absolvierten Spiele geben soll oder nicht. Und ob es Auf- und Absteiger geben wird. Die Tendenz bei der Vorstandssitzung lautete „Annullierung“, also ein Umgang mit der Saison, als hätte sie nicht stattgefunden. Bei der Sitzung am Mittwoch kann sich aber noch ein anderes Bild ergeben.

Stimmen zur Abbruch-Ankündigung

Sollte es zu einer Annullierung der aktuellen Saison kommen, wären die Vereine mit Aufstiegsambitionen die Gelackmeierten. Die PAZ-Sportredaktion sammelte Stellungnahmen von solchen Mannschaften ein.

Hubert Meyer, Trainer des Spitzenreiters der Kreisliga-Staffel A, Fortuna Oberg: „Eine Annullierung wäre nicht gut. Meine Spieler haben eine gute Leistung gebracht und müssen dafür belohnt werden. Mein Vorschlag wäre, die Saison zu Ende zu spielen, egal wie lange es dauert. Wir wissen ja noch gar nicht, wann wir die kommende Saison beginnen können. Aber wenn es einen Abbruch gibt, dann sollte er mit Quotientenregelung erfolgen. Warum sollte das diese Saison nicht gehen, wenn es vergangene Saison funktionierte. An dieser Situation das Schlimmste ist aber, dass wir im Fußball unsere Spieler verlieren, weil wir nicht mehr auf den Platz dürfen. Gerade im Jugendbereich! Die Gefahr ist, dass sie keine Lust mehr auf Fußball haben. Die Ansteckungsgefahr beim Fußball an frischer Luft ist gering, und notfalls können alle vorher einen Selbsttest machen. Wo ist da das Problem?“

Andy Bresch, Trainer des ungeschlagenen TSV Sonnenberg in der Kreisliga-Staffel B: „Für uns wäre die Annullierung natürlich ziemlich unglücklich, weil wir nach unseren Spielen sehr gut dagestanden haben. Wir haben ja auch gegen Rot-Weiß Schwicheldt gewonnen... Es ist wirklich mega ärgerlich. Ich finde allerdings auch, dass man schauen muss, inwieweit man fünf oder sechs absolvierte Spiele schon werten kann. Es ist ja nicht viel passiert und deshalb könnte ich diese Entscheidung auf eine gewisse Art und Weise nachvollziehen.“

Christian Menzel, Vorsitzender des TSV Marathon Peine, Spitzenreiter der 1. Kreisklasse A: „Die Bemühungen des NFV, die Saison sportlich zu beenden, habe ich positiv gesehen. Wir hätten gern die Chance gehabt, um den Aufstieg zu kämpfen. Aber wir definieren uns nicht über die Liga-Zugehörigkeit und tragen die Entscheidung mit. Ich frage mich allerdings, warum der Landesverband immer noch in Fristen, Anträgen und Terminen denkt. Warum muss abgebrochen werden, und warum können wir nicht einfach weiterspielen? Planungssicherheit gibt es deshalb immer noch nicht.

Philipp Wulfes, Trainer der Adler Handorf, Spitzenreiter der 1. Kreisklasse B: „Bei einer Pandemie rückt für mich das Sportliche in den Hintergrund. Deshalb fände ich eine Fortsetzung nicht gerade sinnvoll. Ich denke nicht, dass wir ein Verlierer der Annullierung wären, nur weil wir gerade Erster sind. Wir haben nur sechs Spiele gemacht, und weil es ohnehin keine Rückrunde gegeben hätte, wäre eine Wertung gegenüber dem Zweiten aus Plockhorst unfair gewesen. Diese Situation ist einfach für alle doof.“

Von Matthias Press und Lukas Everling