15. April 2021 / 14:32 Uhr

Saisonabbruch in Nordsachsen: "Schritt logisch, konsequent und erleichtert die Planung"

Saisonabbruch in Nordsachsen: "Schritt logisch, konsequent und erleichtert die Planung"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Wermsdorf
Auf dem Platz von Blau-Weiss Wermsdorf rollte schon lange kein Ball mehr. © André Kamm
Anzeige

Der Nordsächsische Fußballverband bricht die Saison 2020/21 ab, hofft aber noch auf die Austragung des Kreispokals. Am Samstag soll das Vorhaben vom SFV besiegelt werden. Die Vereine reagieren wenig überrascht auf diese Entscheidung.

Anzeige

Nordsachsen. Was lange währt, wird endlich beschlossen. Am Sonnabend soll er kommen, der Abbruch der Saison des Sächsischen Fußballverbandes (SFV) – und mit ihm die dazu passende Empfehlung für die Kreisverbände. Jener Empfehlung wird der Nordsächsische Fußballverband NFV folgen. Den Strohhalm Kreispokal (TZ-Bärenpokal) dagegen wollen die Verantwortlichen noch nicht knicken.

Anzeige

Die einflussreiche Drei-Buchstaben-Kombination rückt in den Fokus. „Wir hängen nicht am Tropf des SFV, haben uns aber im Vorstand des NFV verständigt, dem Vorschlag zu folgen“, sagt Volkmar Beier, der sowohl im Spielausschuss des SFV als auch des NFV sitzt und liefert die Begründung gleich nach. „Wir wollen klare und rechtssichere Übergänge schaffen. Das schließt auch klare Rahmenbedingungen für die Vereine mit ein, wenn man von klar in Pandemiezeiten überhaupt sprechen kann.“

Mehr zum Fußball

Die Entscheidung indes hatte sich längst abgezeichnet und kann niemanden mehr überraschen. „Man sieht momentan eigentlich überhaupt kein Ende in Sachen Corona, von daher ist dieser Schritt jetzt logisch, konsequent und erleichtert uns die Planung“, sagt Christian Mörschke, Übungsleiter von Nordsachsenligist SG Zschortau. Sein Naundorfer Trainer-Kollege Helfried Krause sieht die Sache ähnlich. „Ich habe mir keine großen Illusionen mehr gemacht. Das ist zwar schade für uns, aber dann haben wir eben Pech.“ Seine Mannschaft war mit vier Siegen in die Liga gestartet, ehe das große Sport-Stoppschild aufgestellt wurde.

"Fürchterlicher Zustand"

Auch Krauses Augenmerk liegt nun bereits auf der neuen Spielzeit. Wobei natürlich „die spannende Frage bleibt: Was passiert jetzt mit dieser Saison und wie und wann geht es weiter“, so Krause. Was die Serie 2020/21 betrifft, hat Beier die Antwort: Es bleibt beim Status quo, ohne Auf- und Absteiger. Die Ergebnisse bleiben allenfalls eine Randnotiz der Fußball-Geschichtsbücher. Zum möglichen Starttermin 21/22 lehnt sich noch niemand aus dem Fenster, wobei auf Landesebene am 7./8. August die erste Pokalrunde vorgesehen ist – ein guter Orientierungspunkt für die Kreise.

Und dann wird selbst der sonst so nüchterne Beier emotional. Fast ein halbes Jahr Pause zehrt Nerven und Kräfte auf. Im Hintergrund muss(te) der Spielplaner immer neu planen, vermitteln, verhandeln. „Ich habe in der letzten Zeit viel geschwitzt und viel Energie investiert.“ Zuletzt vor allen Dingen im Minenfeld Landespokal.

Die Hoffnung, bald wieder auf dem Platz durchstarten zu können, wurde wieder und wieder torpediert. Die aktuelle Situation sei ein „ganz fürchterlicher Zustand“. Seit November darf im Männerbereich nicht trainiert werden. Selbst die aktuellen Lockerungen für den Nachwuchs dürften nächste Woche wieder Geschichte sein.

"Brauchen das nötige Proviant der Politik"

Und doch glimmt ein Hoffnungsschimmer am Firmament. „Die Entscheidung zum Pokal wollen wir uns noch eine Weile offenlassen und mit den verbliebenen Mannschaften absprechen. Die Chance ist auf jeden Fall da, dass wir den Wettbewerb zu Ende bringen“, so Beier. Eventuell sei auch eine Verlängerung über das ursprüngliche Saisonende am 30. Juni hinaus möglich. Dafür müsse allerdings zunächst Rechtssicherheit geschaffen werden.

Viele Spiele fehlen jedenfalls nicht mehr. Sieben Viertelfinalisten stehen bereits fest. In der nachzuholenden Achtelfinal-Partie zwischen den Nordsachsenliga-Leuchttürmen SV Naundorf und Blau-Weiß Wermsdorf wird Nummer acht gesucht. „Es wäre natürlich ein Ding, wenn wir den Pokal spielen dürften. Dann würden wir alles daran setzen und uns voll darauf fokussieren“, sagt Helfried Krause und hat sogar schon die nächste Runde im Hinterkopf. Dort würde das Derby gegen Doberschütz-Mockrehna warten. „Ich darf gar nicht dran denken“, beschreibt der 69-Jährige seine kindliche Vorfreude.

Die wird momentan freilich von einem sehr erwachsenen Thema eingebremst. „Der Wille in Sachen Pokal ist da, der Weg auch. Nun brauchen wir noch das nötige Proviant von der Politik“, erklärt Volkmar Beier. Will heißen: Erst braucht es die Trainings- und Spielfreigabe. Und danach sieht es gerade nicht unbedingt aus. Eher im Gegenteil.