06. Mai 2020 / 18:04 Uhr

Saisonabbruch in Sachsen: Gegenwind und Zuspruch für Verhalten des Verbandes

Saisonabbruch in Sachsen: Gegenwind und Zuspruch für Verhalten des Verbandes

Antje Henselin-Rudolph / Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
im Bild:      Foto: Alexander Bley
Ligenspiele wird es in Sachsen in den kommenden Monaten nicht geben. (Archivbild) © Alexander Bley
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Obwohl für Sachsens Fußballvereine nun Klarheit herrscht, sorgt die Abbruch-Entscheidung des Landesverbandes für Diskussionen. Während die Einen zufrieden sind, sorgt das Zustandekommen des Beschlusses bei Anderen für Zorn. Sie wären schlicht und ergreifend gern gefragt worden.

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Leipzig. Sachsens Ligenspielbetrieb ruht bis zum Beginn der nächsten Saison (wann auch immer das sein mag). So beschloss es der Sächsische Fußball-Verband (SFV) am Dienstag. Eine einsame Entscheidung? Im Gegensatz zu anderen Landesverbänden verzichteten die Verantwortlichen im Freistaat auf eine Befragung ihrer Mitglieder. "Wir haben fast 1000 Vereine, von denen wir ja gewählt sind. Deshalb übernehmen wir auch die Verantwortung für solch schwierige Entscheidungen", begründete SFV-Präsident Hermann Winkler dieses Vorgehen auf SPORTBUZZER-Anfrage.

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"Man entscheidet einfach über unsere Köpfe hinweg"

Das sehen offenbar nicht alle so. "Wir finden die Entscheidung in Ordnung, wären grundsätzlich aber gern auch gefragt worden", erklärt Guido Quakatz, Fußball-Abteilungsleiter und Spieler der SpVgg Leipzig 1899. "Dass dies vom SFV oder FVSL nicht gemacht wurde, ist jedoch auch nicht schlimm, wir wissen damit umzugehen." Für mächtig Unmut sorgen Entscheidung und Entscheidungsfindung beim FC Blau-Weiß Leipzig. „Die Art und Weise ist schlicht nicht hinnehmbar“, sagt deren 2. Vorsitzender Philipp Bludovsky deutlich. Am Kantatenweg sind die Mitglieder stark in Vereinsentscheidungen eingebunden. Entsprechend wenig Verständnis herrscht nun über den Umgang von SFV und FVSL mit den Clubs.„Wir als Vereine sind die Mitglieder der Verbände. Wir sind die Basis. Wir finanzieren die Verbände über die diversen Gebühren. Aber man entscheidet einfach über unsere Köpfe hinweg.“ Die in Sachsen ohnehin immer häufiger kritisierte Legitimation der Verbände werde so ganz sicher nicht gefördert.

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Auch der Saisonabbruch an sich verursacht wenig Freude bei Blau-Weiß, deren erste Mannschaft in der Sachsenliga antritt, dort ohne Quotientenregelung Platz elf belegt. „Es ist doch völlig unklar, wie und wann wieder gespielt werden kann. Kommt eine zweite Infektionswelle, von der viele anerkannte Experten ausgehen, gibt es den nächsten Lockdown. Dann müsste auch die kommende Saison unterbrochen werden“, erklärt Bludovsky die Verärgerung seines Vereins. „Im Ergebnis könnte die zweite Spielzeit hintereinander nicht geordnet ablaufen. Sportlich Erreichtes würde ein zweites Mal seinen Wert verlieren. Welches Kind oder welchen Erwachsenen soll man da noch zum Spielen motivieren?“

Blau-Weiß hatte deshalb dem SFV im Vorfeld verschiedene alternative Lösungsmodelle vorgeschlagen. Eines davon veröffentlichte der Club am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite. Es sieht eine Verlängerung der aktuellen Saison bis zum 30. Juni 2021 und den Wegfall der Saison 2020/21 vor. „So könnte man die Entwicklung in Ruhe abwarten, im späten Herbst oder im Winter wieder beginnen und die Liga ordentlich zu Ende bringen. Daran könnten die Pokalwettbewerbe, in modifizierter Form, anschließen. Und man hätte reichlich Puffer für Rückschläge durch die Pandemie.“

Verschiedene Meinungen

Anderer Ort, andere Gemütslage. "Wir sind mit der Entscheidung des SFV sehr zufrieden. Sie ist das einzig Praktikable. Ich kann nicht verstehen, dass in anderen Amateursportverbänden anders entschieden wird", so Achim Teichmann, Präsident der SG Taucha 99. Auch Marcus Jeckel, Trainer des Sachsenliga-Teams der SGT, sieht das ähnlich. "Ich finde das richtig, wie das er SFV gemacht hat. Es ist in dieser besonderen Situation das Beste für alle. Bei Fortsetzung der Saison würden nur viele neue Fragen aufgeworfen. So ist aber alles okay."

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Statt dessen heißt es nun: Auslaufen, was einem Abbruch gleichkommt. „Wir wollen nicht falsch verstanden werden. Hätte der Verband die Vereine befragt und der Abbruch wäre das Ergebnis gewesen, wäre das für uns in Ordnung. Aber dann wäre es eine Mehrheitsentscheidung gewesen“, so Philipp Bludovsky und kündigt an: „Der FC Blau-Weiß prüft den Vorgang. Wir werden gucken, was möglich ist.“

Bei Roter Stern Leipzig sieht man das entspannt. "Es gebietet die Vernunft, so zu entscheiden. Amateurfußball ist derzeit nachrangig", sagt Geschäftsführer Adam Bednarsky. Für den SV Tapfer ist der Saisonabbruch laut Coach Marcus Wittmann die sinnvollste aller Alternativen und die "insgesamt beste Entscheidung, wenngleich vielleicht Playoffs auch noch möglich gewesen wären. Ich bin gespannt, wann die neue Saison tatsächlich beginnen kann."