22. Februar 2021 / 11:00 Uhr

Saisonabbruch in Sachsen: Noch ein verlorenes Handballjahr

Saisonabbruch in Sachsen: Noch ein verlorenes Handballjahr

Johannes David und Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Für Teresa Franke und die Oschatzer Frauen ist die Saison beendet.
Für Teresa Franke und die Oschatzer Frauen ist die Saison beendet. © Gerhard Schlechte
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In Nordsachsen warnt manch Verein vor den Folgen des Saisonabbruchs und fürchtet vor allem um den Nachwuchs.

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Nordsachsen. Keine Punktspiele mehr in dieser Saison – der Handball-Verband Sachsen hat wie berichtet die Spielzeit 2020/21 ohne Wertung abgebrochen, es wird weder Auf- noch Absteiger geben. „Das ist das Vernünftigste, was man machen konnte. Alles andere wäre in unseren Sphären verantwortungslos gewesen“, sagt Christian Hornig vom NHV Concordia Delitzsch. Und er glaubt auch nicht, dass den Verein der Abbruch und die so weiter verlängerte Zwangspause in Sachen Ligaspiele personell beutelt. „Bis jetzt hat sich nur ein Mitglied bei uns abgemeldet. Und ich denke, jetzt erwachen bei allen die Handball-Frühlingsgefühle. Wir werden auch in Zukunft alle unsere Mannschaften vollkriegen. Der ein oder andere Ältere will zwar aufhören, aber ich glaube noch nicht daran. So will man doch seine Karriere nicht beenden“, erzählt Hornig. Erst im vergangenen Sommer hatte der Verein eine dritte Mannschaft gegründet und war mit der Reserve in die Verbandsliga aufgestiegen.

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Andernorts sieht man die Abbruch-Sache so: „Das gefällt uns nicht, aber wir müssen das hinnehmen“, sagt Petra Zimmermann vom SHV Oschatz, „wir hätten uns generell mehr Freiraum für den Amateursport gewünscht.“ Die Nachwuchs-Chefin und Frauen-Trainerin spricht von einem zweiten verlorenen Jahr. „Bei den Erwachsenen können wir das vielleicht kompensieren, im Nachwuchsbereich sehe ich große Probleme“, meint Petra Zimmermann, „es gibt Jugendteams, die in dieser Saison noch gar kein Spiel absolviert haben. Es wird schwierig sein, alle wieder zu aktivieren, und ich befürchte, dass einige nicht den Weg zurück zum Verein finden.“ Auch bei der Frauenmannschaft leide die Motivation. „Einige Spielerinnen sind im Abi-Stress, andere haben selbst Familie und in dieser schwierigen Zeit viel um die Ohren. Ihnen fällt es schwer, sich fit zu halten.“

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Um die Talente an den Verein zu binden – die Oschatzer stellen Mädchenteams von der B- bis zur E-Jugend –, verschicken die Nachwuchstrainer wöchentlich Videos mit Koordinations- und Geschicklichkeitsübungen, die vom jeweiligen Nachwuchstrainer gemeinsam mit einer Spielerin gedreht werden. „Die Mädchen können so zu Hause vor der Kamera üben und schicken ihre Videos dann wieder an uns zurück. So haben wir eine Übersicht, wer was gemacht hat“, erklärt Petra Zimmermann.



Handball-spezifisches Training könne so aber nicht ersetzt werden. „Wir brauchen wieder Hallenzeiten für eine vernünftige Vorbereitung, sonst wird die Verletzungsgefahr groß sein.“ Freundschaftsspiele und kleinere Turniere könnten dann helfen, wieder in Gang zu kommen. Für seine Frauen habe der SHV bereits einen Wettkampf im Juni in Taucha vereinbart, im Nachwuchsbereich sei das schwieriger. „Da brauchen wir die Unterstützung der Eltern und versuchen deshalb, engen Kontakt zu halten. Aber Voraussetzung für alles wird sein, dass wir vorher in die Hallen dürfen“, so Petra Zimmermann.