21. April 2021 / 11:56 Uhr

Saisonrekord ohne Effekt: RB Leipzig verfällt in Köln in ungute alte Muster

Saisonrekord ohne Effekt: RB Leipzig verfällt in Köln in ungute alte Muster

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
COLOGNE, GERMANY - APRIL 20: Tyler Adams of RB Leipzig  looks dejected after they concede their second goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and RB Leipzig at RheinEnergieStadion on April 20, 2021 in Cologne, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Sascha Steinbach - Pool/Getty Images)
RB Leipzigs Enttäuschung über die Niederlage war deutlich sichtbar. © Getty Images
Anzeige

Chancen, Chancen, Chancen, aber keine Tore. RB Leipzig scheiterte beim vermeintlichen Underdog in Köln trotz Top-Statistik mal wieder an sich selbst. Zudem hatten einige Profis ihre Emotionen gegen Ende nicht mehr im Griff. Rudelbildungen, Rangeleien und Wortgefechte bis in den Kabinengang waren die Folge.

Anzeige

Köln/Leipzig. Auch mit einem Stürmer in der Startelf will es bei RB Leipzig nicht mit dem Tore schießen klappen. Trotz Alexander Sørloth verloren die Roten Bullen die Partie in Köln mit 1:2 (0:0): Und das lag vor allem an den nicht genutzten Torchancen. In der Statistik standen 23 Torschüsse für die Leipziger, fünf für den Effzeh. Der Endstand: entsprechend unverhältnismäßig, aber eben auch nicht unverdient. „Das Tragische ist, dass wir die Chancen zwar haben, aber zu selten aufs Tor schießen und oft daneben“, bedauerte RB-Trainer Julian Nagelsmann.

Anzeige

Chancen "einfach machen"

Dabei starteten seine Jungs sehr gut in die Partie, machten sofort Druck, bestimmten das Spiel. Die Roten Bullen hatten gute Laufwege, über 70 Prozent Ballbesitz, ein gutes Passspiel, eine herausragende Passquote von rund 90 Prozent in der ersten Halbzeit. Und eine extrem hohe Anzahl an Abschlüssen. Die erste versemmelte Amadou Haidara bereits in der dritten Minute. Mit 13 Torschüssen in der ersten Hälfte stellte RB sogar einen neuen eigenen Saisonrekord auf. „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, was das Herausspielen von Chancen angeht. Viel mehr Chancen haben wir in den vergangenen Spielen nicht gebraucht. Wir müssen sie einfach machen“, so Nagelsmann. Beim SV Werder Bremen (4:1-Sieg) war das noch anders gewesen. Da agierten die Sachsen derart effizient, dass sich so mancher verwundert die Augen rieb. Von vier Schüssen auf's Tor waren vier drin.

DURCHKLICKEN: Die RB-Elf in der Einzelkritik

(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit einmal gefragt, bei Hectors Kopfball dran, aber nicht gänzlich chancenlos. Beim 1:2 ohne Schuld. Note 3. Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: In der ersten Halbzeit einmal gefragt, bei Hectors Kopfball dran, aber nicht gänzlich chancenlos. Beim 1:2 ohne Schuld. Note 3. ©

Die Mission Sieg scheiterte schließlich an der – wie schon so oft – mangelnden Effizienz, die der Coach in der Kabine auch ansprach. „Wir hätten in den ersten zehn Minuten in Führung gehen müssen, was bei der Anzahl an Möglichkeiten, die wir hatten, eigentlich Pflicht ist. Dann wären bei Köln sicherlich Erinnerungen an das Leverkusen-Spiel [Anm. d. Red.: Köln verlor mit 0:3] wieder hochgekommen und an die Situation, in der sich Köln befindet.“ Der 33-Jährige spekulierte, dass die Geißböcke bei einem frühen Rückstand, die Motivation nicht mehr gefunden hätten.

Statt der Hausherren schienen es aber die Leipziger zu sein, denen irgendwann die Motivation abhanden gekommen war. Fehlte den Roten Bullen im Spiel gegen die Geißböcke die Einstellung, weil sie bereits wussten, dass es mit der Meisterschaft nichts mehr wird? Nein, sagte Verteidiger Marcel Halstenberg nach Abpfiff. „Wir haben noch wichtige Spiele und ein DFB-Pokal-Halbfinale vor uns. Deswegen gehen wir in der Liga jedes Spiel einzeln an, wollen gewinnen und den zweiten Tabellenplatz verteidigen. Das heute hatte nichts mit der Einstellung zu tun.“ Auch sein Trainer verneinte einen Zusammenhang zwischen verpasster Titelchance und dem 1:2. „Ich ärgere mich mehr darüber, dass wir nicht gewonnen haben, als darüber, dass wir nicht Meister werden", so Nagelsmann. "Die Wahrscheinlichkeit war schon vor dem Spieltag nicht mehr sehr groß.“

Aufregung zum Schluss

Trotz der Beteuerungen: So ganz vorbei schienen Ergebnis und Konsequenzen nicht an allen RB-Profis zu gehen. Im Verlauf der zweiten Hälfte musste Schiedsrichter Frank Willenborg bei Rudelbildungen mehrfach schlichten. Auch kurz nach Abpfiff war die Aufregung groß, kam es zu einigen Rangeleien auf dem Platz, die sich dann im Kabinengang fortsetzten. Besorgt zeigte sich Nagelsmann deshalb allerdings nicht wirklich: „Meinen Jungs ist es auch nicht egal, dass wir verloren haben. Das ist ein gutes Zeichen.“

Anlass zur hitzigen Situation war ein Foulspiel von Jannes Horn an Justin Kluivert im Kölner Sechzehner. Einige RB-Kicker forderten einen Elfmeter. Der Bullen-Coach sah das nüchterner: „Es ist schon ein rüdes Foul. Aber der Kontakt kam nach Kluiverts Abschluss. Trotzdem hätte es eine persönliche Strafe gegen Horn geben müssen.“ Nach Abpfiff ging Leipzigs Trainer noch einmal zielstrebig auf den Kölner Ondrej Duda zu. „Ich wollte ihm einfach nur sagen, dass er locker bleiben soll, mehr nicht. Ich habe ihm noch einen Klaps auf die Brust gegeben. Das war’s. Er war, glaube ich, sehr aufgebracht, wie auch einige meiner Spieler.“

Mehr zu RB Leipzig

Dass solche Aktionen zu erwarten waren, sagte auch Kölns Keeper Timo Horn nach dem Spiel: „Leipzig hat die letzte Chance gehabt, die Bayern zu kitzeln. Für uns geht es in diesen letzten Spielen darum, in der Liga zu bleiben. Da kann es schon mal hektisch werden, das ist völlig normal und es gehört zum Fußball dazu.“ Dafür hatte auch der Bullen-Coach Verständnis: „Sie spielen gegen den Abstieg und müssen keinen brasilianischen Zauberfußball spielen, sondern Punkte holen. Dazu gehört, dass sie mit allen Mitteln spielen und das haben sie gut gemacht, waren clever und haben Zeit von der Uhr genommen.“