17. September 2018 / 21:58 Uhr

Salzburgs Trainer Marco Rose: „Ich liebe meine Jungs“

Salzburgs Trainer Marco Rose: „Ich liebe meine Jungs“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Rückkehr in die Vergangenheit: Marco Rose kommt mit RB Salzburg zu seinen Wurzeln nach Leipzig zurück. 
Rückkehr in die Vergangenheit: Marco Rose kommt mit RB Salzburg zu seinen Wurzeln nach Leipzig zurück.  © dpa
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Trainer-Aufsteiger Marco Rose will mit seinen Salzburgern in Leipzig mutig ans sehr spezielle Europa-League-Werk gehen

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Salzburg/Mainz/Leipzig. Im Mai 2017 wurde der gebürtige Mainzer Sandro Schwarz Cheftrainer des FSV Mainz 05, rief den gebürtigen Leipziger Marco Rose an, lockte seinen Kumpel mit Co-Trainer-Job, Dreijahresvertrag, Meenzer Fleischwurst, Sicht auf den Dom. Rose, der langjährige Profi der Nullfünfer, sagte ja, nein, jein. Die Eheanbahnung scheiterte. Ein paar Tage später wurde der Langzeitgefährte von HCL-Ikone Nikola Pietzsch vom U19-Coach der österreichischen Roten Bullen zum Cheftrainer befördert. Heute weiß man: Alles richtig gemacht! Rose, 42, über erste Berührungen mit der Vierer-Abwehrkette unter Ralf Rangnick, das nicht immer prickelnde Verhältnis zu Jürgen Klopp, Anfänge als Lok-Trainer, das Aus in der Champions League gegen Roter Stern Belgrad, das „spezielle“ (Rose) Europa-League-Spiel am Donnerstag, 21 Uhr, bei RB Leipzig und einen fantastischen Start in der Ösi-Bundesliga.

3:1 in St. Pölten, siebter Sieg im siebten Spiel. Zufrieden, froh, glücklich?

Wir spielen guten und erfolgreichen Fußball, aber es ist immer Luft nach oben.

St. Pölten ist hierzulande vornehmlich als Urlaubsregion bekannt.

Bei ihnen vielleicht. St. Pölten hatte davor zwölf Spiele nicht verloren.

Das Los hat RB Salzburg und RB Leipzig zusammengebracht. Sagen Sie jetzt bitte nicht, dass Sie es nehmen, wie es kommt.

Wir nehmen es, wie es kommt. Es sind natürlich spezielle Spiele mit Aha-Effekt. Wir freuen uns darauf, uns mit einem sehr ambitionierten deutschen Bundesligisten messen zu können. Leipzig hat eine unglaubliche Wucht und Körperlichkeit, Tempo, Spielfreude und große individuelle Qualität.

Und Sie haben die beste Salzburger Mannschaft aller Zeiten unter Ihren Fittichen.

Es gab hier auch mal ein Team mit Sadio Mane, Jonatan Soriano, Kevin Kampl und Martin Hinteregger. Nur mal so zur Info. Wahr ist, dass wir uns richtig gut entwickelt, klasse Jungs und eine extrem gute Atmosphäre haben. Alle kommen jeden Tag gerne zum Training. Wichtig war, dass wir wenige Abgänge hatten.

Mai 2000: VfB-Trainer Achim Steffens klatscht Marco Rose, den Torschützen zum 2:0 gegen den Dresdner SC, ab. Das Spiel endet mit 4:0.
Mai 2000: VfB-Trainer Achim Steffens klatscht Marco Rose, den Torschützen zum 2:0 gegen den Dresdner SC, ab. Das Spiel endet mit 4:0. © Klaus-Dieter Gloger
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Leipzig geht als Favorit ins Rennen, oder?

Die Beurteilung dieser Rollenverteilung überlasse ich gerne anderen. Wir kennen unsere Qualitäten, wollen mutig und aktiv sein, werden uns nicht hinten reinstellen. Und dann werden wir sehen, was wir für unser Spiel bekommen.

RB Leipzig hat gegen Hannover mit 32 Prozent Ballbesitz 3:2 gewonnen. Wer kriegt den Ball, wenn ihn keiner will?

Dann haben Sie nicht viele Spiele von uns gesehen. Den Ball zu wollen, ist ein wichtiger Aspekt unseres Spiels. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig.

Sie haben Anfang 2000 unter Ralf Rangnick bei Hannover 96 gespielt. Ein Quell purer Freude?

Ich habe viel gelernt, beispielsweise erstmalig Kontakt zur Vierer-Abwehrkette bekommen. Ich schätze Ralf Rangnick als Trainer, er arbeitet sehr akribisch.

Engagiert an der Seitenlinie: Marco Rose als Trainer des 1. FC Lok Leipzig im Derby gegen RB Leipzig und Alexander Zorniger. 
Engagiert an der Seitenlinie: Marco Rose als Trainer des 1. FC Lok Leipzig im Derby gegen RB Leipzig und Alexander Zorniger.  © Christian Nitsche

Und er hat sich 2013 für Ihren Wechsel vom 1. FC Lok in die Salzburger Nachwuchsarbeit stark gemacht.

In Salzburg bestand Bedarf - und ein paar Leute waren der Ansicht, dass das mit mir und Salzburg passen könnte. Ralf kannte mich als Spieler und als Lok-Trainer. Und so bin ich dann hierher gekommen.

Sie haben dann vier Jahre lang höchst erfolgreich im Nachwuchs gearbeitet, wurden 2017 Trainer der Profi-Mannschaft. Alles richtig gemacht?

Mit dem Wissen von heute: ja. Es ist sinnvoll, im Nachwuchs zu lernen und sich auszuprobieren. Im Nachwuchs darf man auch mal Fehler machen, da gibt es noch keinen öffentlichen Fokus und Druck. Nach vier Jahren fühlte ich mich bereit, den FC Red Bull Salzburg zu übernehmen.

Als logischer Nachfolger von Oscar Garcia?

Logisch würde ich es nicht nennen. Aber es war und ist eine große Herausforderung und eine spannende Aufgabe, diese tollen Jungs zu trainieren. Und ich bin dem Club nach wie vor dankbar für die Chance.

Wann gedenken Sie die große weite Fußball-Welt zu erobern?

Ich bin hier sehr zufrieden, sitze nicht auf gepackten Koffern. Außerdem ist Red Bull Salzburg ein ambitionierter Verein, der im Europa-League-Halbfinale stand und dessen Spieler mittlerweile in ganz Europa begehrt sind. Ich arbeite also nicht bei einem kleinen Verein.

Nachdem Sie und die Ihren Borussia Dortmund aus dem Europapokal gekickt haben, standen Sie auf diversen Wunschlisten. Wer war alles dran an Ihnen?

Lassen Sie uns über das Spiel in Leipzig oder meinetwegen auch über unser Aus in der Champions League reden.

Fassungslosigkeit bei Salzburgs Trainer Marco Rose: Die Mozartstädter geben ein überlegen geführtes Spiel gegen den Roten Stern Belgrad noch aus der Hand und verpassen die Qualifikation für die Champions League. 
Fassungslosigkeit bei Salzburgs Trainer Marco Rose: Die Mozartstädter geben ein überlegen geführtes Spiel gegen den Roten Stern Belgrad noch aus der Hand und verpassen die Qualifikation für die Champions League.  © dpa

Sie standen gegen Belgrad mit eineinhalb Beinen in der Gruppenphase, zogen das halbe Beinchen aber nicht hinterher. Das Ausscheiden hat schon beim Zusehen am Fernseher wehgetan.

Was glauben sie, wie es uns gegangen ist? Das war ein richtig harter Schlag, das tat in der Kabine weh und Tage später immer noch. Und als Sky die Gruppenauslosung übertragen hat, war der Schmerz wieder da. Ich glaube aber, dass das nur menschlich ist. Wir wären sehr gerne dabei gewesen, haben alle im Club hart dafür gearbeitet, hätten es aufgrund unserer Leistung auch verdient gehabt. Aber auch das ist Fußball: Man bekommt nicht immer das, wovon man annimmt, dass man es sich verdient hat.

Sie selbst machten nach dem Belgrad-Spiels eine gute Figur, gratulierten fair.

Es kommt im Leben immer auch auf Haltung an. Und die haben wir bewahrt. Es gehört zu meinen Aufgaben, das Rad am Laufen zu halten. Wenn ich nicht mehr begeistert bin, können es meine Spieler auch nicht sein.

Könnte es sein, dass Sie das Mainzer Stahlbad mit mehreren verpassten Bundesliga-Aufstiegen abgehärtet hat?

Das ist absolut so. Wir haben 2003 4:1 in Braunschweig gewonnen und den Aufstieg um ein einziges Tor verpasst. Jürgen Klopp hat danach vor Tausenden Mainzer Fans gesagt, dass wir wieder aufstehen und uns eines Tages mit der Bundesliga belohnen.

Ein Jahr später war der Erstligaspieler Marco Rose geboren.

Ein großartiger Moment für ganz Mainz. Ich bin sicher, dass sich überragendes Engagement und die Fähigkeit, neue Ziele mit neuer Energie anzugehen, früher oder später auszahlen. Das habe ich meinen Jungs nach dem Belgrad-Spiel auch so gesagt.

Wie war es so mit dem Trainer Klopp und dem Spielführer Rose?

Da war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, unser Verhältnis war top, aber nicht immer prickelnd. Ich war kein einfacher Spieler, ein Gerechtigkeitsfanatiker.

Marco Rose als Spieler des 1. FSV Mainz 05. Unter Trainer Jürgen Klopp wurde er Kapitän der Hessen. 
Marco Rose als Spieler des 1. FSV Mainz 05. Unter Trainer Jürgen Klopp wurde er Kapitän der Hessen.  © dpa

Und Klopp war nie der kolportierte Lila-Laune-Bär.

Man hat nicht immer gute Laune, auch Kloppo nicht. Aber er ist als Mensch und Trainer sensationell, nie nachtragend, immer authentisch. Er ist ein Menschenfänger, für ihn gehen seine Spieler durchs Feuer.

Diesen Eindruck hat man von Ihren Fußballern auch.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich liebe mein Jungs.

Und Sie lieben Ihren Job.

Das ist viel mehr als ein Job, das ist ein Privileg. Ich arbeite mit Menschen, und das an der frischen Luft. Ja, es ist auch entbehrungsreich, man steht in der Öffentlichkeit und wird permanent beurteilt.

Letzte Frage: Verlässt Amadou Haidara Salzburg schon im Winter Richtung Leipzig? Ihr Sportdirektor Christoph Freund weiß angeblich von nichts.

Ich halte mich an meinen Sportdirektor.

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