09. Juni 2019 / 20:37 Uhr

Sämtliche Gefühlslagen in Grün-Weiß: SC DHfK Leipzig verabschiedet sich und die Saison

Sämtliche Gefühlslagen in Grün-Weiß: SC DHfK Leipzig verabschiedet sich und die Saison

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Verabschiedung und Trikotvorstellung beim Spiel SC DHfK Leipzig vs Rein-Neckar Löwen, Handball, 1.Liga, 09.06.2019
Beim letzten Spiel der Handball-Saison des SC DHfK Leipzig gab es ein Fanfest in der Arena. © Alexander Praustzsch
Anzeige

Nach dem Sieg kam das Fanfest. Die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig haben sich am Sonntag mit einem Fanfest in die Sommerpause verabschiedet. Es war auch der Moment, um mehreren Profis Adieu zu sagen.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Stolz, Wehmut, Erleichterung, Abschiedsschmerz, Freude: Beim Fanfest des SC DHfK Leipzig direkt im Anschluss an den starken Auftritt beim 28:26-Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen mischten sich sämtliche Gefühlslagen.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum letzten Saisonspiel des SC DHfK Leipzig

SC DHfK Leipzig - Rhein-Neckar Löwen Zur Galerie
SC DHfK Leipzig - Rhein-Neckar Löwen © Alexander Prautzsch
Anzeige

Stolz und Erleichterung

Der unerwartete Schlusserfolg setzte einen Punkt hinter eine schwierige grün-weiße Saison. Die positive sportliche Entwicklung der Vorjahre stockte. Die Messestädter taumelten in Richtung der Abstiegsränge. Coach Michael Biegler musste gehen. André Haber übernahm. „Unsere Mentalität war der größte Faktor“, sagt er. Denn nach dem Tal kamen Achtungserfolge - der Sieg gegen den neuen Meister SG Flensburg-Handewitt, ein Punkt in Mannheim, am Ende Platz elf. „Wir sind stärker geworden im Umgang mit Krisen“, ruft Geschäftsführer Karsten Günther den Anhängern am Sonntag zu und erntet Johlen und Klatschen.

Es bleibt nicht seine einzige frohe Botschaft. „Wir konnten den Zuschauerschnitt im Vergleich zur Vorsaison um 300 steigern, haben bei der Stimmung nochmal draufgesattelt.“ Dass daraus ein sportlicher Vorteil erwuchs, Haber hat daran keinen Zweifel. „In der Liga ist inzwischen bekannt, dass wir zu Hause stärker sind. Die Stimmung, die Fans, das ist unbezahlbar.“

Team des SC DHfK Leipzig verabschiedet sich in die Sommerpause

Wehmut und Abschiedsschmerz

Dass die Handballfamilie in Leipzig keine ganz so normale ist, weiß auch René Villadsen. Als Not-Ersatz für den mit Kreuzbandriss augefallenen Jens Vortmann wurde der Däne schnell heimisch an der Pleiße. „Das hier, der Zusammenhalt, das ist außergewöhnlich. Das findet man nicht in jedem Verein.“ Der 33-Jährige geht zurück in die Heimat nach Aarhus. „Aber ich komme zurück. Das steht zu 100 Prozent fest. Ich bringe meine Familie mit. Wir machen uns ein schönes Wochenende, schauen uns ein Spiel an.“ Seine Dankbarkeit für die Zeit beim SC DHfK, sie ist deutlich spürbar. Und auch der Club weiß, was er seinem Schlussmann zu verdanken hat. „René anzurufen, war eine goldrichtige Entscheidung“, so Karsten Günther. „Das würde ich wieder so machen.“ Er überreicht Villadsen eine verlängerte Bahncard. „Damit du zu uns zurückfindest.“

Emotional angefasst ist Timo Löser. Er wechselt nach Dessau, in das Team des Ex-DHfK-Trainers Uwe Jungandreas. „Allein die Stimmung hier zu erleben. Dafür bin ich so dankbar. Ich hoffe, ich kann das in der Zukunft noch einmal erleben.“

Mehr zum SC DHfK Leipzig

Andreas Rojewski gehört seit 2016 zur grün-weißen Familie. Als beim Fanfest sein Einspieler mit Erinnerungen an diese Zeit läuft, kippen ihm Philipp Weber, Lukas Binder und Franz Semper erstmal ein Bier über. „Roje“ lacht und soll sich nun an seinen besten Moment in Leipzig erinnern. „Das Final4. Jeder, der dabei war, weiß das. Das war unbeschreiblich, die grüne Wand dort in der Ecke zu sehen, dieses enge Spiel gegen den THW.“ Wohin er wechselt ist unklar. Die Antwort auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen bleibt er schuldig, sagt nur. „Wir machen erstmal Urlaub.“ Seine Stimme bricht leicht, als er nachschiebt. „Ein großer Teil meines Herzens wird in Leipzig bleiben. Meine Frau und ich haben hier geheiratet. Unser Sohn ist hier zur Welt gekommen.“

Lachen

Eine derartige Flut an Worten können die Fans von Aivis Jurdzs nicht erwarten. Der „Hammer aus Riga“ geht zurück in die Heimat. „Ich gehe studieren, will Chirurg oder Automechaniker werden. Ich habe mich noch nicht entschieden“, scherzt der Lette. Die DHfK-Anhänger lachen. Viel mehr bringt der Rückraum-Hüne denn auch nicht hervor. Nur ein „Danke“.

SC DHfK Leipzig verabschiedet Milos Putera

Dafür spricht Karsten Günther und erinnert sich an seine erste Begegnung mit Jurdzs. „Wir waren auf der Autobahnraststätte Hermsdorfer Kreuz verabredet, heimlich. Aivis spielte ja in Eisenach. Der Trainer war mit. Als wir da reinkamen, und dieser Aivis saß da in der dunklen Ecke, da haben wir Angst gekriegt.“ Zwei Wochen später habe man vor dem Arbeitsgericht in Suhl darüber gestritten, ob Jurdzs überhaupt nach Leipzig wechseln dürfe. Durfte er, aber nicht ablösefrei. „Ganz ehrlich, es war jeden Scheiß-Cent wert, den wir am Ende zahlen mussten. Er hat es zurückgezahlt.“ Der DHFK-Geschäftsführer muss lachen, der so Gelobte auch. Völlig aus dem Häuschen zeigt er sich, als ihm ein riesiger Hammer und eine Axt überreicht werden. „Damit du auf dem Land besser zurecht kommst“, so Günther.

Vorfreude

Nur so ein halber Abschied ist der von Milos Putera. Der Slowake, der mit seiner Leistung gegen die Rhein-Neckar Löwen noch einmal alle von den Sitzen riss, wechselt an die Seitenlinie. Er wird Co-Trainer von André Haber. Der bisherige Amtsinhaber Matthias Albrecht konzentriert sich künftig wieder auf seine angestammte Arbeit als grün-weißer Nachwuchskoordinator. „Ich bin unheimlich glücklich, dass Milos an meiner Seite bleibt. Das gibt mir Sicherheit“, so Haber.

„Und ich bin glücklich, dass ich als Familienmitglied hier bleiben darf“, ergänzt Putera. „Milos, Milos“, skandieren die Fans und johlen als der 37-Jährige sein Geschenk bekommt: Klemmbrett, Pfeife, gelbe und rote Karte. „Ich glaube, ich habe jetzt 100 Mal gehört, dass der Matthias in seiner Zeit hier nie einen Wechselfehler zugelassen hat. Das wäre doch auch ein gutes Ziel für mich. Erst einmal bin ich froh, dass ich im Sommer nicht mehr so viel laufen muss wie bisher.“

ANZEIGE: Dein Trainingsset für die Saisonvorbereitung! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt