01. Juni 2020 / 11:48 Uhr

Sancho, McKennie, Hakimi: Bundesliga-Profis droht Ärger vom DFB wegen Protestaktionen

Sancho, McKennie, Hakimi: Bundesliga-Profis droht Ärger vom DFB wegen Protestaktionen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bundesliga-Profis Achraf Hakimi, Weston McKennie und Jadon Sancho (v. l.) haben am Wochenende protestiert.
Die Bundesliga-Profis Achraf Hakimi, Weston McKennie und Jadon Sancho (v. l.) haben am Wochenende protestiert. © Ralf Ibing/ firosportphoto/POOL
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Gleich vier Bundesliga-Profis haben den 29. Spieltag genutzt, um gegen den gewaltsamen Tod des US-Bürgers George Floyd in Minneapolis zu protestieren. Das könnte noch Konsequenzen haben. Jadon Sancho wurde im Spiel bereits mit der Gelben Karte verwarnt. 

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Schalkes Weston McKennie trug eine Armbinde mit der Aufschrift "Justice for George“ (Gerechtigkeit für George), Mönchengladbachs Marcus Thuram fiel demonstrativ auf die Knie und die Dortmunder Profis Jadon Sancho und Achraf Hakimi brachten auf einem T-Shirt ihren Unmut zum Ausdruck. Gleich vier Bundesliga-Profis haben den 29. Spieltag genutzt, um gegen den gewaltsamen Tod des US-Bürgers George Floyd in Minneapolis zu protestieren.

"Wir müssen für das einstehen, woran wir glauben, und ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir gehört werden!“, schrieb McKennie bei Twitter. In Erinnerung an den bei einem Polizei-Einsatz getöteten Afroamerikaner hatte der 21-Jährige während der zweiten Halbzeit der Partie gegen Bremen eine Armbinde mit der eindeutigen Botschaft getragen. Ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt, das aber den Deutschen Fußball-Bund (DFB) beschäftigen wird.

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„Der Kontrollausschuss des DFB wird sich im Laufe der nächsten Tage dieser Angelegenheit annehmen und den Sachverhalt prüfen“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Anton Nachreiner, am Pfingstsonntag auf dpa-Anfrage. Grundsätzlich erlauben die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der DFB keine politische Botschaften auf der Spielkleidung oder während der Partien. In der Vergangenheit wurde allerdings auch schon ein Auge zugedrückt - zumal die Verbände zahlreiche Kampagnen gegen Rassismus unterstützen.

Der FC Schalke stellte sich demonstrativ hinter seinen Spieler. "Wir als Schalke 04 unterstützen die Haltung unseres Spielers zu einhundert Prozent. Der gewaltsame Tod des US-Bürgers George Floyd hat die Menschen weltweit schockiert. Unser Spieler Weston McKennie hat gestern ein klares Zeichen gegen diese unfassbare Tat und gegen Rassismus gesetzt“, sagte Sportchef Jochen Schneider am Sonntag der Bild.

Rassismus-Protest: "Alle tragen das mit"

Auch die Gladbacher begrüßten die Aktion von Thuram am Sonntag beim 4:1-Sieg über Union Berlin. Der Profi hatte seinen ersten Treffer zum 2:0 für die Borussia am Sonntag mit einem Kniefall bejubelt. "Er hat es auf den Punkt gebracht, er hat ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt, was wir natürlich alle komplett unterstützen“, sagte Trainer Marco Rose über die Szene während der Partie und fügte an: „Ich glaube, dass alle das komplett mittragen, dass alle den gleichen Gedanken tragen wie er.“

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Auch Sancho und Hakimi beteiligten sich am Sonntag beim Sieg des BVB in Paderborn an dem Protest. Nach Sanchos Treffer zum 2:0 in der 57. Minute zog der 20 Jahre alte Engländer sein Trikot über den Kopf und zeigte ein Shirt mit der Aufschrift "Justice for George Floyd“. Danach sah er die Gelbe Karte. Hakimi wurde nicht verwarnt.

In der „DFL-Richtlinie zu Spielkleidung und Ausrüstung“ heißt es: "Politische und/oder andere Mitteilungen auf den Ausrüstungsgegenständen sind keinesfalls erlaubt.“ Im DFB-Regelwerk gibt es ähnliche Passagen. Der Schiedsrichter einer Partie verfügt allerdings nicht über Sanktionsmöglichkeiten. Das wäre die Aufgabe des DFB-Sportgerichts nach Anklageerhebung durch den Kontrollausschuss. Während McKennie, Sancho und Hakimi ein Nachspiel zu befürchten haben, ist die Lage bei Thuram anders: er wählte einen eher stillen Protest.

DFB ermahnte Ujah für T-Shirt-Protest

Vergleichbare Fälle gibt es. Anthony Ujah von Union Berlin zeigte 2014 noch als Spieler des 1. FC Köln ein T-Shirt mit der Aufschrift „I can't breathe“ (Ich kann nicht atmen). Seinerzeit wurde Eric Garner auf ähnliche Weise getötet wie Floyd. „I can't breathe“ wurde zum Motto der Protestbewegung, die zurzeit in den USA wieder aufflammt. Der DFB beließ es vor sechs Jahren im Fall Ujah bei einer Ermahnung und Erinnerung an das Verbot von politischen Statements.