05. August 2021 / 07:31 Uhr

Sandhausen-Coach Kleppinger vor Pokal-Duell gegen RB Leipzig: "Haben einen kleinen Vorteil"

Sandhausen-Coach Kleppinger vor Pokal-Duell gegen RB Leipzig: "Haben einen kleinen Vorteil"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
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Sandhausen-Coach Gerhard Kleppinger wird die Roten Bullen nicht schonen. © Daniel Karmann/dpa
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Klein, aber oho: Der SV Sandhausen will den Roten Bullen mit dem Trainerduo Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits ans edle Horn. Warum der Angstgegner RB Leipzigs gegen eine Spitzenmannschaft nicht aufsteckt und welchen Vorteil der Underdog in der DFB-Pokal-Partie wittert, verrät der SVS-Coach im SPORTBUZZER-Interview.

Sandhausen. Der 1916 gegründete SV Sandhausen spielt seit 2012 in der 2. Liga, ist mit 15.000 Einwohnern klein, aber auch dank des omnipotenten Präsidenten Jürgen Machmeier (60/SVS-Macher, Sponsor, Bauunternehmer) oho. Dieser wehrhafte SVS freut sich auf einen Höhepunkt der jüngeren Club-Historie, die Roten Bullen kreuzen am Sonnabend von 15.30 Uhr an im mit 6.000 bis 7.000 Fans gefüllten Hardtwald-Stadion auf. Trainiert werden die Gastgeber um den Ex-Auer Stürmer Pascal Testroet (30), von Gerhard Kleppinger (63) und Stefan Kulovits (38). Kleppinger, einst knorriger Defensivmann mit über 500 Profi-Einsätzen in der ersten und zweiten Bundesliga, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die DFB-Pokal-Erst-Runden-Partie, zwei Start-Niederlagen in der 2. Liga, Julian Nagelsmann und Fußball früher/heute.

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SPORTBUZZER: Herr Kleppinger, blicken wir den Tatsachen ins Auge: Sie und Ihre Männer sind chancenlos.

Gerhard Kleppinger: Dann wissen Sie mehr als wir. Über die Qualität von RB müssen wir nicht reden, die sind auf jeder Position klasse besetzt, Vize-Meister, seit Jahren international dabei. Aber das heißt nicht, dass wir die weiße Flagge hissen werden. Wir werden uns gegenseitig nicht schonen.

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Spielt Ihnen der Umstand, dass Sie nichts zu verlieren haben, in die Karten?

Wir haben ein Pokalspiel zu verlieren. Ist das nichts? Das ist auch kein Bonus-Spiel, das nichts mit der Saison zutun hat. Nach dem Pokalspiel kommt der KSC zum Derby. Und auf dem Weg in dieses Spiel kann ein Pokalspiel gute und weniger gute Dienste leisten. Dass unsere Chance gegen RB klein ist, ist klar. Dass alles passen muss, um weiterzukommen, ebenfalls. Wir sind Fußballer. Und Fußballer gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen. Und wir haben gegen diese Super-Mannschaft einen kleinen Vorteil, haben schon zwei Punktspiele gespielt.

Und gegen Düsseldorf und in Regensburg verloren. Wie eingespielt kann ein um 15 Spieler veränderter Kader sein?


Die Club-Führung, Stefan Kulovits und ich waren uns einig, dass ein Neuanfang und frischer Wind her muss. Wir arbeiten hart, brauchen Geduld. Umso bitterer war, dass in dieser Phase mit Pascal Testroet ein erfahrener Mann angeschlagen ausgefallen ist (Achillessehnen-Reizung; Anm. d. Red.) Vielleicht ist er gegen Leipzig wieder dabei, wir gehen aber kein Risiko ein.

Sie haben noch einen gefühlten Vorteil: Sandhausen ist der Angstgegner von RB. Erinnert sei ans 4:0 und 1:0 in Leipzig 2015 und 2016. Das 4:0 sicherte dem SVS und RB den Zweitliga-Erhalt. Der französische Fußball-Held Thierry Henry saß auf der VIP-Tribüne und fragte sich, ob die Trikots vertauscht worden sind.

Ein unglaublicher Abend, Aziz Bouhaddouz hat drei Tore gemacht. Ist lange her.

Der SVS spielt mittlerweile seit zehn Jahren in der zweiten Liga. Ist diese Konstanz die eigentliche Leistung des Clubs?

Ja, das ist herausragend. Schauen Sie sich mal an, welche bekannten Clubs seit Jahren versuchen, in die zweite Liga aufzusteigen. Oder wer nach ein, zwei Jahren wieder runter muss. Wir leben in einer überschaubaren Stadt, sind ein vergleichsweise kleiner Verein, machen uns aber nicht kleiner als wir sind.

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Hat es Sie überrascht, dass Julian Nagelsmann nach zwei Jahren zu den Bayern gegangen ist?

Nein, wenn diese Tür für ihn schon vorher offen gestanden hätte, hätte er den Umweg über Leipzig wahrscheinlich nicht gemacht. Wechsel gehören zum Profifußball dazu, die muss man wegstecken und weitermachen.

Sie waren Profi, als es weder Laptops noch aufblasbare Taktiktafeln gab. Wussten Sie und die Ihren immer, wohin zu laufen haben und welches System gerade gespielt wurde?

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Ja, wussten wir. Wir haben nach Ballverlust auch schon Gegen-Pressing gespielt, das hieß damals nachsetzen. Fußball ist ein einfaches Spiel. Wenn du deine Zweikämpfe gewinnst, gewinnst du die Mehrzahl deiner Spiele. Wenn du sie verlierst, hilft dir keine Kette, keine Raute, kein abkippender Sechser. Taktik ist wichtig, aber nicht alles.

Sie haben gegen Stars wie Klaus Allofs, Dieter Müller und Co. verteidigt. Wer hat ihnen besonders zugesetzt?

Schorsch Volkert. Ich suche heute noch den Ball.