25. November 2020 / 16:31 Uhr

Sandhausen fast so schnell wie Holstein Kiel

Sandhausen fast so schnell wie Holstein Kiel

Andreas Geidel
Holstein-Experte Andreas Opa Geidel zum Rauswurf von Uwe Koschinat.
Holstein-Experte Andreas "Opa" Geidel zum Rauswurf von Uwe Koschinat. © Andrè Haase
Anzeige

Fußball-Zweitligist SV Sandhausen hat überraschend am Dienstag seinen Cheftrainer Uwe Koschinat (49) gefeuert. Nach nur acht Spieltagen. Nach lediglich zwei Punkten aus den vergangenen fünf Partien und dem Abrutschen auf Platz 15. Bei einem Abstand von „mächtigen“ sechs Zählern auf Relegationsrang drei (SC Paderborn). Muss jetzt auch Holsteins Kiels seit vier Spielen sieglose Coach Ole Werner um seinen Job fürchten?

Anzeige

Natürlich nicht! Diese Frage ist als Ironie zu verstehen. Auch wenn hier im hohen Norden Ex-Störche-Trainer Andre Schubert im vergangenen Spieljahr noch zeitiger der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde. Der Unterschied: Nach einer dürftigen Saisonvorbereitung und sechs Spieltagen war für jedermann ersichtlich, dass die Beziehung Schubert/Kiel in nahezu allen Alltagspunkten ein Missverständnis war. Ebenso wichtig: Koschinat stand seit Oktober 2018 auf der Kommandobrücke der Sandhäuser Idylle am Rande Heidelbergs, Schubert war an der Förde ein Last-Minute-Neuzugang.

Anzeige

Aus rein sportlicher Sicht lässt sich Koschinats Rauswurf kaum erklären. Die offizielle Begründung von SVS-Präsident Jürgen Machmeier deutet eher auf Torschlusspanik ohne reale Not hin – ein Phänomen, das leider zu häufig im Profifußball vorkommt: „Leider war diese Entscheidung aufgrund der derzeitigen sportlichen Entwicklung alternativlos. Nach ausführlicher und detaillierter Analyse der letzten Monate konnten wir keine Überzeugung mehr gewinnen, dass Uwe zusammen mit der Mannschaft das Ruder nochmals herumreißen kann und das Team zu alter Stärke zurückführt.“

Holstein Kiel: Die Saison 2020/21 in Bildern

01. Spieltag: Holstein Kiel schlägt den SC Paderborn zum Auftakt in die Saison 2020/21 im Holstein-Stadion mit 1:0. Zur Galerie
01. Spieltag: Holstein Kiel schlägt den SC Paderborn zum Auftakt in die Saison 2020/21 im Holstein-Stadion mit 1:0. ©

Welche Tendenz mag Herr Machmeier erkennen? Zur Erinnerung: Nach der Corona-Zwangspause holte Sandhausen mit Koschinat in neun Spielen bis zum Ende der vergangenen Saison immerhin 14 Zähler. Mit dem Höhepunkt des 5:1-Triumphes am 28. Juni im Hamburger Volkspark …

Zu Beginn dieses Spieljahres gab es zwei Siege am heimischen Hardtwald. Im letzten Heimspiel unter Koschinats Regie kassierte der SVS nach 2:0-Führung gegen Braunschweig in der 92. Minute den Ausgleich. Ein Sch … gefühl, das in Kiel seit vergangenen Sonnabend nur allzu bekannt ist. Das 0:1 der Schwarz-Weißen am vergangenen Wochenende in Düsseldorf, es war Koschinats 70. Partie in Diensten des SVS, resultierte aus einem Elfmeter.

Von mangelnder Wettbewerbsfähigkeit kann folglich kaum die Rede sein. Auch wenn Sandhausen bislang auswärts ohne Punkt dasteht. Ein Schicksal, das der Klub unter anderem mit Hannover 96 teilt. Vermeintlich Zweitliga-Schwergewichte wie Heidenheim und Düsseldorf haben übrigens auch erst einen Auswärtszähler auf ihrem Konto.

Erst die von Chefflüsterer Felix Magath befeuerte Trainer-Posse in Würzburg (schon drei Trainer in dieser Serie!!!), jetzt Sandhausen. Setzen die Corona-Rahmenbedingungen den Nerven der Verantwortlichen derart zu, dass sie nicht mehr Herr ihrer Sinne sind? Oder hat sich Uwe Koschinat im übertragenen Sinne am Tafelsilber des SVS vergriffen?

Fakt ist, dass derartige Vorgehensweisen das Vertrauen in die Machenschaften des Profifußballs grundsätzlich erschüttern. Schließlich geht es auch um viel Geld, sprich das noch zu zahlende Gehalt bzw. die Abfindung des entlassenen Trainers. Am 22. Dezember 2019 hatte der SV Sandhausen die Vertragsverlängerung mit Koschinat bis zum 30. Juni 2022 verkündet. Via Stadionlautsprecher vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel …

Die Störche gastieren am Sonntag (13.30 Uhr) in Hannover. Landen die Kieler beim besten Heimteam der Liga ihren zweiten Dreier in der Fremde, muss 96-Cheftrainer Kenan Kocak (Vertrag bis 2023) ebenfalls ernsthaft um seinen Job fürchten. An der Leine lässt der mächtige Boss Martin Kind bekanntlich schnell die Ohren klingeln, wenn seine Erwartungshaltung auf dem Rasen nicht erhört und mit entsprechenden Ergebnissen befeuert wird. Wussten Sie eigentlich, dass Kocak der Vorgänger von Koschinat in Sandhausen war?

Weitere News und Infos zu Holstein Kiel lesen Sie hier.