13. Dezember 2018 / 07:31 Uhr

Sandro Schwarz vor dem Duell gegen RB Leipzig: „Uns erwartet eine brutale Qualität“

Sandro Schwarz vor dem Duell gegen RB Leipzig: „Uns erwartet eine brutale Qualität“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Sandro Schwarz, Trainer des FSV Mainz 05, hat großen Respekt vor der Aufgabe RB Leipzig. 
Sandro Schwarz, Trainer des FSV Mainz 05, hat großen Respekt vor der Aufgabe RB Leipzig.  © dpa
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Der Mainzer Erfolgstrainer Sandro Schwarz (40) wird am Sonntag eines nicht tun: Den Mannschaftsbus vorm Tor parken .

Leipzig. Er ist in Mainz geboren, hat für Mainz 05 unter Jürgen Klopp Fußball gespielt, trainierte die hauseigene U19 und U23 und ist seit Sommer 2016 Cheftrainer des allseits beliebten Bundesligisten. Sandro Schwarz und Mainz 05 - mehr Identifikation geht nicht. Der zweifache Familienvater Schwarz, 40, über das Sonntagsspiel seiner Nullfünfer bei RB Leipzig (15.30 Uhr), satte 19 Punkte, seinen Trauzeugen Marco Rose, der RB zur K.o-Phase der Europa League verhelfen könnte, eine Debüt-Saison als Stahlbad - und ein Erweckungserlebnis mit dem Fragesteller.

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Lieber Herr Schwarz ...

... sind wir neuerdings per Sie?

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... im Interview muss das so sein. Lieber Herr Schwarz, als Sie zarte 17 waren und erstmals mit den Zweitliga-Profis üben durften, versuchten Sie sich frech, fromm, fröhlich, frei an einem Beinschuss. Bei einem berüchtigten Raubein.

Lieber Herr Schäfer, ich erinnere mich sehr genau. Das war damals keine gute Idee und hat auch sehr weh getan. Danke nochmal. (lacht)

Wie frech werden Ihre Fußballer in Leipzig auftreten?

Wir haben großen Respekt vor RB, uns erwartet eine brutale Qualität. Auf dem Platz und auf der Trainerbank. Wir werden jedenfalls nicht den Mannschaftsbus im Tor parken und abwarten, was passiert. Wir wollen den Ball und aktiv sein. Das sind unsere Prinzipien. Die wollen wir auf den Platz kriegen. Egal wann, wo und gegen wen.

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FSV Mainz 05 - RB Leipzig (3:0) Zur Galerie
FSV Mainz 05 - RB Leipzig (3:0) ©

Sie haben in Freiburg 3:1 gewonnen, RB hat 0:3 verloren.

Das bedeutet gar nichts, ändert vor allem nichts an der Tatsache, dass RB eine Top-Mannschaft der Liga ist, defensiv und offensiv. Unser Spiel in Freiburg hätte jederzeit kippen können. Das ist ein schwieriges Pflaster.

Wie gewinnt man ein Laufduell gegen Timo Werner?

Wenn die Mittelfeldspieler ungestört Pässe in die Tiefe spielen können, wird es schwer, das gegen Timo Werner oder Yussuf Poulsen zu verteidigen. Wir brauchen Druck auf dem Ball. Man kann nicht jeden Pass verhindern. Wenn einer durchkommt, müssen wir rechtzeitig mit in die Tiefe gehen. Unsere Abwehrspieler sind auch ganz gut zu Fuß.

Sie haben 19 Punkte gesammelt, stehen besser da als gut. Zufrieden, froh und glücklich?

Losgelöst von Punkten und der Tabelle freut uns die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Wir hatten einen großen Umbruch, mit Abdou Diallo, Pablo de Blasis, Suat Serdar oder Yoshino Muto wichtige Stammspieler verloren. Momentan stehen sechs, sieben unserer neuen Jungs in der ersten Elf. Die Entwicklung ist sehr positiv. Wir könnten auch zwei, drei Punkte mehr haben.

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Die Handelsbilanz von Sportdirektor Rouven Schröder weist viele Millionen Euro Gewinn aus. Guter Mann?


Sehr guter Mann, Rouven Schröder macht einen top Job.

In Ihrer ersten Bundesliga-Saison mussten Sie durch ein Stahlbad, standen gefühlt mehrfach vor dem Rausschmiss. Wir hart war das für den gebürtigen Mainzer Sandro Schwarz?

Meine Gefühlslage hatte nichts mit meiner Herkunft zu tun. Wir wurden zurecht kritisiert. Phasenweise haben weder die Ergebnisse noch unser Fußball mit unseren eigenen Ansprüchen korrespondiert.

Rouven Schröder ließ keine Luft an die Personalie Cheftrainer.

Er hat alles hinterfragt. Das Training, das Verhältnis Mannschaft/Trainer, meine Ansprache, meine Strategie. Das ist in dieser Situation auch normal.

Und dann hat er Ihnen aus innerer Überzeugung den Rücken gestärkt.

Ja. Dafür bin ich ihm dankbar.

Und dann kam ein brustlösendes 3:0 daheim gegen RB.

Das war der Klassiker - es lief so viel anders als erwartet in dieser Saison, da passt es irgendwie, dass man mit einem Sieg gegen einen Favoriten die Wende einleitet. Dann sind wir nach Dortmund gefahren, haben 2:1 gewonnen und den Klassenerhalt gefeiert. Wir haben alle zusammen den Turnaround geschafft.

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Der Mainzer Kader ist jung, dynamisch und erfolgreich. Wie und wo scoutet Ihr?

Wir grasen im Nachwuchsbereich alles im Umkreis von 200 Kilometern ab. Wir sondieren natürlich auch den deutschen Markt nach Talenten. Und ab und an sind wir auch im Ausland erfolgreich - bei jungen Fußballern mit Top-Potenzial. Wichtig ist für uns, dass wir die Jungs aus dem eigenen Nachwuchs fördern und den Mut haben, sie reinzuwerfen in die Bundesliga.

Sie hatten auch Nordi Mukiele auf dem Zettel.

Nur kurz, wir haben schnell gemerkt, dass das nicht unsere Preisklasse ist.

Ihr Trauzeuge Marco Rose spielt mit Salzburg in Glasgow und könnte Leipzig behilflich sein.

Marco und seine Jungs werden alles raushauen, da bin ich mir sehr sicher. Aus eigenem Antrieb. Marco macht einen sensationellen Job.

RB muss drei Tage vorm Mainz-Spiel gegen Trondheim ran. Vorteil Mainz?

Nein. Das ist bei uns 0,0 Thema.

Wann dämmerte es Ihnen, dass Sie Trainer werden wollen?

Ich habe schon als Spieler vieles hinterfragt, mir Notizen über das Training und die Methodik meiner jeweiligen Trainer gemacht.

Trainer wie Wolfgang Frank und Jürgen Klopp.

Ja. Am Ende meiner Karriere hatte ich einen Keller voller Bücher und Aufzeichnungen.

Sind Sie ein Nerd, der die aufblasbare Taktiktafel mit ins Bett nimmt?

Ich bevorzuge meine Frau. (lacht) Aber wahr ist auch, dass man in diesem Beruf nie wirklich abschaltet und immer daran denkt, was man besser machen kann.

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