06. September 2021 / 20:16 Uhr

Sané in Topform unersetzlich, Hofmann ist Alternative: Die Erkenntnisse der DFB-Gala gegen Armenien

Sané in Topform unersetzlich, Hofmann ist Alternative: Die Erkenntnisse der DFB-Gala gegen Armenien

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Länderspiel gegen Armenien brachte einige Erkenntnisse. Unter anderem spielte Leroy Sané stark auf. Jonas Hofmann erwies sich als echte Alternative auf der rechten Seite. 
Das Länderspiel gegen Armenien brachte einige Erkenntnisse. Unter anderem spielte Leroy Sané stark auf. Jonas Hofmann erwies sich als echte Alternative auf der rechten Seite.  © IMAGO/Schüler/Jan Huebner/Montage
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Der 6:0-Heimerfolg des DFB-Teams war der erste Schritt Richtung Versöhnung zwischen Nationalelf und Fans. Die Gala-Vorstellung lieferte zudem Erkenntnisse für die Zukunft unter Bundestrainer Hansi Flick.

Hansi Flick hatte "Gänsehaut". Für Leon Goretzka war es "Balsam auf die Seele". Fast alle Nationalspieler saugten die tolle Stimmung nach dem 6:0 gegen Armenien in der WM-Quali förmlich auf, schrieben Autogramme, machten Selfies, genossen die zurückgekehrte Nähe zu den gut 18 000 Fans in Stuttgart sichtlich. Bei der Gala im zweiten Spiel des neuen Bundestrainers wirkte vieles wie zu besten DFB-Zeiten. Zumindest scheint die Chance auf Versöhnung zwischen den Deutschen und ihrem lange Zeit liebsten Kind deutlich gewachsen zu sein. "Das war der Maßstab", sagte Flick selbstbewusst und legte damit die Latte für die kommenden Aufgaben entsprechend hoch. Das Torfestival brachte ihm einige wichtige Erkenntnisse:

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Kehrer kann auch links: Nach dem Ausfall von Robin Gosens begann Thilo Kehrer erstmals auf der linken Seite der Viererkette und bestätigte seine starke Form: Zweikampfstark in der Defensive, viel Schwung für die Offensive – der Ex-Schalker aus dem Pariser Starensemble, der unter Joachim Löw zuletzt außen vor war, ist einer der großen Gewinner der ersten Flick-Spiele.

Reus gehört noch zu den Besten: Nach seinem freiwilligen EM-Verzicht kehrte Marco Reus erstmals nach knapp zwei Jahren in den Kader zurück, belebte die Offensive und traf zum 3:0. Für Flick ist der Dortmunder Kapitän "einer der besten Spieler im letzten Drittel überhaupt". Zumindest zeigte der 32-Jährige, dass er bei voller Leistungsfähigkeit unbedingt ins Nationalteam gehört.

So ist Sané unersetzlich: Nach seinem Treffer gegen Liechtenstein stand Leroy Sané erneut in der Startelf. Das Sorgenkind zeigte all das, was sich – nicht nur Flick – öfter von ihm wünschen würde: Mut, Risiko, Spielfreude, Leidenschaft. „Ich freue mich, wenn er so agil ist und mit dieser Leichtigkeit unterwegs – das ist schon beeindruckend“, lobte der Bundestrainer. In dieser Form ist der Wuschelkopf auf dem linken Flügel gesetzt und hat das Zeug zum Publikumsliebling.

Hofmann könnte eine Lücke füllen: Die rechte Abwehrseite ist noch immer eine der größten Baustellen im DFB-Kader. Gegen Armenien bekam Jonas Hofmann etwas überraschend den Vorzug vor Ridle Baku und nutzte seine Chance. Der eigentliche Mittelfeldspieler verlor kaum ein Duell in der Defensive, schaltete sich immer wieder ins Spiel nach vorne ein und wurde auch noch mit seinem ersten Länderspieltor belohnt.

Es gibt neue Alternativen: Neben Hofmann hat Flick frische, hungrige Talente im Kader, die zuvor noch keine – oder nur eine kleine – Rolle spielten. Jamal Musiala war gegen Liechtenstein bester Mann, dort feierte Florian Wirtz sein Länderspieldebüt. Gegen Armenien folgten David Raum und Karim Adeyemi, der gleich nach seiner Einwechslung und einem herrlichen Doppelpass mit Wirtz zum 6:0-Endstand traf. Der Bundestrainer begeistert: "Die jungen Spieler, die reinkamen, haben es alle gut gemacht. Es ist wichtig, dass wir gute Alternativen haben."


Deutschland kann auch Standards: Ruhende Bälle waren in der jüngeren Vergangenheit ein weiteres großes Problem beim DFB-Team. Auch gegen Liechtenstein gab es zwar alleine 15 Ecken, jedoch ohne jegliche Torgefahr. Am Sonntag klingelte es dagegen endlich mal wieder nach einer einstudierten Standardsituation: Die Ecke von Joshua Kimmich nagelte Hofmann per Direktabnahme aus 25 Metern zum 5:0 rein. Auch im sonstigen Spielverlauf wirkte es so, als zahle sich die intensive Arbeit mit dem neuen Spezialtrainer Mads Buddgereit langsam aus.

"Wir wollten einen Fußball spielen, der die Leute begeistert und Lust auf mehr macht", hatte Flick gefordert. "Das haben wir geschafft – nicht mehr, aber auch nicht weniger." In der Tat gilt es nun am Mittwoch in Island (20.45 Uhr, RTL) nachzulegen und Platz eins in der WM-Quali-Gruppe zu festigen. Dann kann der neue DFB-Coach in Ruhe mit seinen ersten Erkenntnissen weiterarbeiten.