16. Februar 2021 / 10:53 Uhr

"Der Buffon der Kreisliga": Mit 43 Jahren hält Sascha Förster Kleinburgwedels Kasten sauber

"Der Buffon der Kreisliga": Mit 43 Jahren hält Sascha Förster Kleinburgwedels Kasten sauber

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Oldie but Goldie - and Goalie: Kleinburgwedels Sascha Förster steht auch mit 43 Jahren noch zwischen den Pfosten des TSV.
Oldie but Goldie - and Goalie: Kleinburgwedels Sascha Förster steht auch mit 43 Jahren noch zwischen den Pfosten des TSV. © Thomas Bork
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Eigentlich wollte er mit 36 Jahre seine Karriere beenden und die Torhüter des TSV trainieren - doch seither steht Sascha Förster weiter in Kleinburgwedel zwischen den Pfosten. Auch mit 43 Jahren. "Da ist er ja wieder, der Buffon der Kreisliga", hört das Urgestein des Kreisligisten schon mal vom Spielfeldrand.

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Einst hat Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon im Scherz gesagt, er könne noch spielen, bis er 65 Jahre alt ist. Wenn die Mannschaft des TSV Kleinburgwedel zu ihren Spielen aufläuft, flachsen die gegnerischen Akteure und Zuschauer häufig: „Da ist er ja wieder, der Buffon der Kreisliga.“

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Gemeint ist damit Kleinburgwedels Torhüter Sascha Förster, und es schwingt in den Sprüchen von der Seitenlinie eine gehörige Portion Respekt, Anerkennung und Wertschätzung mit. Seit einer gefühlten Ewigkeit steht der Keeper schon im Kasten des TSV und ist auf den Plätzen der Region wohlbekannt. Anfang Juni wird Förster 44 Jahre alt, dann soll endgültig Schluss sein mit der aktiven Karriere. Komme, was wolle.

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Förster ist durch und durch ein (Klein) Burgwedeler Junge. Und er stammt aus einer waschechten Fußballfamilie. Schon Opa Dieter „Opi“ Knaak und Vater Dietmar jagten mit Passion dem Leder nach. Wen wundert’s, dass Klein Sascha auch unbedingt Fußball spielen wollte.

"Der Klassiker, die Dicken müssen immer ins Tor"

Schon in jungen Jahren wurde er beim örtlichen FC Burgwedel angemeldet. „Bis zur D-Jugend habe ich Stürmer gespielt. Dann ereilte mich der Klassiker, die Dicken müssen immer ins Tor. Und als ich erst mal drinstand, bin ich nicht wieder rausgekommen. Ich hab mich ja auch nicht schlecht angestellt und immer mal einen Ball gehalten“, erzählt Förster lachend.

Im Alter von 17 Jahren wechselte er in die erste Männermannschaft des TSV Kleinburgwedel, kam aber nicht so zum Zuge wie erhofft. Deshalb zog es ihn wieder zum FC Burgwedel zurück – in die 2. Kreisklasse. Bei seinem zweiten Anlauf im Dress des TSV schaffte Förster dann auf Anhieb den Sprung zum Stammkeeper des Bezirksklassenteams.

„Zwischenzeitlich war ich mal kurz beim Mellendorfer TV. Aber dort bin ich nicht glücklich geworden, ich bin halt ein Dorfkind und wollte zurück aufs Land.“ Also stand er wieder beim TSV Kleinburgwedel seinen Mann. Weitere Angebote, etwa das von Trainer Hilger Wirtz von Elmendorff, der den Pfundskerl zwischen den Pfosten zum SV Ramlingen/Ehlershausen lotsen wollte, schlug er aus.

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Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. Zur Galerie
Hozan Partawie (SG Letter 05): Im Auswärtsspiel beim SV Türkay Spor Garbsen hat der 35-jährige Torhüter drei Elfmeter binnen drei Minuten pariert. Dafür wurde er mit 29,4 Prozent der Stimmen der Held der Woche. ©

Es ist ohnehin bemerkenswert, dass Förster es geschafft hat, seinen speziellen Beruf und seine große Leidenschaft Fußball zu vereinbaren – und das auf Bezirksniveau. Denn gearbeitet hat er damals auf einer Bohrinsel und war nur alle zwei Wochen zu Hause. „Aber wenn ich da war, habe ich auch gespielt – bei jedem Trainer. Obwohl ich nicht regelmäßig trainieren konnte, war ich immer gesetzt.“ Zumindest bis zu seinem 32. Lebensjahr, „da wollten sie mich beim TSV Kleinburgwedel entsorgen“, formuliert er augenzwinkernd. Doch Försters Karriere startete noch mal richtig durch.

Mit 33 Jahren in die Bezirksliga

Der TSV Engensen sicherte sich zur Saison 2009/2010 seine Dienste als Torwarttrainer. So war es zumindest anfangs geplant. Das Ende vom Lied: Er spielte – und wie. Das Ziel Kreisliga-Klassenerhalt übertraf die Mannschaft von Trainer Michael „Mucky“ Hoffmeister um Längen, es reichte locker zum Aufstieg. „Mit 33 Jahren in die Bezirksliga aufzusteigen, das war einfach großartig“, sagt Förster.

Unvergessen ist ein Sonntag im April 2010: Die etatmäßige Nummer eins Förster ließ an jenem Tag im Spiel gegen den TSV Friesen Hänigsen seinem jungen Torwartkollegen den Vortritt und setzte sich auf die Bank. „Kurz vor Schluss hat es mich doch gejuckt, und ich habe zu unserem Trainer gesagt: ‚Komm, bring mich als Stürmer rein, ich schieße auch noch ein Tor.‘“ Gesagt, getan. „Ich stand im Strafraum rum, und mir fiel tatsächlich die Kugel vor die Füße. Da habe ich das Ding reingeschossen. Beim TSV Engensen habe ich vier wunderbare Jahre verbracht“, sagt der Torhüter.

Das Karriereende mit inzwischen 36 Jahren schien nun beschlossene Sache. „Mittlerweile hatten wir in Kleinburgwedel ein Haus gekauft. Und ich dachte mir, dass ich ja als schöne Beschäftigung die jungen Torleute beim TSV trainieren könnte. Plötzlich stand ich dann doch wieder im Tor der ersten Herren.“ Und dieses Team um „Titan“ Förster im Kasten legte in den letzten Jahren einen furiosen Durchmarsch von der 4. Kreisklasse bis in die Kreisliga hin.

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Seit rund anderthalb Jahren lenkt nun Coach Aleksandar Budisa die sportlichen Geschicke beim TSV Kleinburgwedel, dem Team gelang nach dem Abstieg in der Serie 2018/2019 der direkte Wiederaufstieg in die Kreisliga.

Zu Saisonbeginn musste Budisa einen Umbruch bewältigen, mehrere Leistungsträger hatten den Verein verlassen, zehn Neue stießen dazu. Mit sieben Zählern aus sechs Begegnungen steht der TSV aktuell als Tabellensiebter ganz gut da und dürfte mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen.

Riesenlob von Trainer Budisa

„Sascha Förster ist nicht nur ein hervorragender Torhüter, sondern überdies ein echtes Original, ein klasse Typ. Ich hätte ihn gern schon früher kennengelernt“, sagt Budisa. „Er geht im Training immer voran, seine Einstellung und seine Präsenz auf dem Platz sind vorbildlich. Dass er mit 43 Jahren immer noch so voller Leidenschaft und Herzblut bei der Sache ist, nötigt mir größten Respekt ab“, sagt der Kleinburgwedeler Coach. „Er bringt seine geballte Erfahrung ein, ist bärenstark auf der Linie und dirigiert die Abwehr. Wenn es nötig ist, faltet er seine Vorderleute auch mal ordentlich zusammen.“

Mit dem Spitznamen „Buffon der Kreisliga“ kann Förster gut leben, es freut ihn, mit „Grande Gigi“, dem italienischen Ausnahmetorwart, der im Januar seinen Geburtstag feierte und damit für ein paar Monate genau wie Förster 43 Jahre alt ist, verglichen zu werden.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

„Natürlich bin ich nicht so stark, das ist klar.“ Aber Buffon war es auch, der stets gepredigt hat, dass auf dem Platz jeder seine Leistung bringen muss, der bei jedem Training und jedem Spiel voll bei der Sache war und als Vorbild vorangegangen ist. Und genau das lebt Förster auch als Ü40-Torwart in der Kreisliga vor.

Leon wandelt auf den Spuren des Vaters

Mit Maskottchen oder besonderen Ritualen hält er es nicht, „ich küsse meine linke und meine rechte Hand, dann ist gut“. Ob er diese Saison noch zu einem aktiven Auftritt kommen wird, bleibt abzuwarten. Dem TSV Kleinburgwedel und seinem Team bleibt der 43-Jährige aber auf alle Fälle als Co-Trainer an der Seite von Budisa erhalten, so viel steht fest.

Und der nächste Förster aus der Fußballfamilie rückt bereits nach: Sohn Leon hütet den Kasten der A-Junioren des FC Burgwedel. Wohin sein Weg in der kommenden Saison führt, ist derzeit offen. Vielleicht tritt er ja beim TSV Kleinburgwedel in die Fußstapfen seines schon jetzt legendären Vaters.