21. Dezember 2020 / 11:36 Uhr

Sascha Scheer hält mit krummem Finger den PAZ-Cup fest

Sascha Scheer hält mit krummem Finger den PAZ-Cup fest

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Sascha Scheers lädierter Finger
Sascha Scheers lädierter Finger © Ralf Büchler
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Der SV Bosporus machte ein Klasse-Spiel im Finale des 21. PAZ-Cups. Nur: Der Ball wollte nicht ins Tor, immer wieder verhinderte SVL-Keeper Sascha Scheer einen Treffer. Die Lengede trafen 65 Sekunden vor dem Abpfiff und holten sich den Pott – zum achten Mal in Folge.

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Alles drehte sich um einen Finger im Finale des 21. PAZ-Cups. Was der SV Bosporus auch anstellte, Lengedes Torhüter Sascha Scheer brachte immer wieder seine Hände zwischen den Ball und einen Torerfolg der Peiner. Ein Jahr vorher hatte er sich – natürlich beim PAZ-Cup – die Strecksehne des linken Mittelfingers gerissen. Nun parierte er mit dem krumm gebliebenen Finger seine Mannschaft zum Turniersieg. 1:0 gewann der SVL. Die Überschrift in der PAZ zum entsprechenden Foto lautete damals: „Dieser Finger hielt den PAZ-Cup fest“.

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Zweimal war Scheer in der Handchirurgie in Hildesheim operiert worden, dennoch blieb der Mittelfinger krumm. Scheer nimmt es mit Humor: „Besser ein krummer Finger als eine krumme Nase“, stellte er fest und sah damals schon weitere Vorteile: „Als Umzugshelfer werde ich nicht mehr so oft angefragt.“

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Gut auch, dass es nicht der Ringfinger der rechten Hand ist, denn jetzt am Freitag heiratete er seine Jennifer, und den Ring hätte er nur schwer auf den auch heute noch lädierten Finger schieben können. „Aber der Mittelfinger schmerzt nicht. Der Schaden ist eher kosmetischer Natur.“

Im Endspiel im Januar 2018 war der Lengeder Keeper reichlich getapt, der krumme Mittelfinger blieb allerdings frei. Beide Sprunggelenke und Füße, die Schulter – Scheer kam reichlich lädiert daher, ließ sich die Endrunde aber nicht entgehen. Gründe für die Beschwerden: „Nach der Weihnachtsfeier ist mir Stefan Kleinschmidt aus Versehen mit dem Auto über den linken Fuß gefahren, der rechte Fuß war noch geprellt und blau nach einem Zweikampf aus dem PAZ-Cup-Vorrunden-Spiel gegen Adenstedt. Und mit der Schulter hatte ich Probleme, weil ich in der Vorrunde komisch darauf gefallen bin“, berichtete der SVL-Keeper.


Gut für den SVL, dass es Scheer vor dem Endspiel-Anpfiff unfallfrei aufs Parkett schaffte. Denn Landesligist Lengede war nicht unbedingt das bessere Team. Der zwei Klassen tiefer spielende SV Bosporus erwies sich als gleichwertig, und der SVL-Torwart wurde mehrmals geprüft. So gut er spielte, so schwer tat sich sein Team. Selbst als die Peiner eine Zeitstrafe erhielten und für zwei Minuten in Unterzahl agieren mussten, hielten sie die Null – mehr als ein Pfostentreffer für die Lengeder sprang nicht heraus.

Aber: Dem SV Bosporus gelang es nicht, den Keeper zu überwinden, immer wieder scheiterten sie am überragend parierenden Sascha Scheer. Auch zwölf Sekunden vor Schluss, als die Bosporus-Fans den Torschrei schon auf den Lippen hatten, tauchte Scheer blitzschnell nach unten und begrub den Ball unter sich.

Der Sieger des 21. PAZ-Cups: SV Lengede. Zum Team gehören (in Trikots, von links): Tobias Buchner, Christian Lemke, Marcel Burkutean, Justin Folchmann, Lukas Fenske, DanielJacob. Vorn: Daniel Kudlek, Onur Bacaksiz und Stefan Kleinschmidt. Hinten, Zweiter von rechts im schwarzen Shirt: Keeper Sascha Scheer.
Sieger des 21. PAZ-Cups: SV Lengede ©

„Mit einem Sieg hätten wir das i-Tüpfelchen auf ein grandioses Turnier setzen können, aber leider hatte Sascha etwas dagegen, dass wir gewinnen“, resümierte Bosporus-Trainer Hüseyin-Nuh Elma.

Für den heute 38-Jährigen Scheer war es der emotionalste PAZ-Cup-Sieg seiner Fußball-Laufbahn. „Das liegt zum einen an den Umständen, zum anderen daran, dass es so knapp war. Ich musste bis einschließlich zur letzten Sekunde hochkonzentriert sein. Aber das hat ja zum Glück geklappt.“ Inzwischen hat er sich das Video vom Endspiel und vor allem die letzten Sekunden mit der Glanzparade „gefühlt 500 Mal“ angeguckt. „Das war schon schön“, stellt er fest.

Das Siegtor für die Lengeder fiel damals 65 Sekunden vor Schluss. Daniel Kudlek hatte sich rechts durchgedribbelt, war schon am Keeper vorbei, passte er den Ball nach innen – und dort schob Tobias Buchner den Ball ins leere Tor. Damit machte er den achten Titelgewinn in Folge perfekt.

SVL-Trainer Dennis Kleinschmidt lobte aber nicht Buchner oder Kudlek zuerst, sondern seinen Keeper: „„Sascha war der Matchwinner. Schon in der Gruppenphase gegen Hohenhameln und Oberg hat er uns zu den Siegen verholfen.“

Für Kleinschmidt war es der erste Gewinn des PAZ-Cups. Er hatte ein halbes Jahr zuvor das Traineramt beim SV Lengede übernommen und stand insofern unter Druck, dass die Siegesserie mit ihm nicht reißen sollte. Auch das hat geklappt.

Stark spielt stark, bei Oberg ist die Luft raus

Im Halbfinale zwischen dem SV Lengede und Teutonia Groß Lafferde glänzte der Torwart. Diesmal aber nicht Lengedes Keeper Sascha Scheer – er bekam nicht viel zu tun – sondern Teutonias Felix Stark. Der machte seinem Nachnamen alle Ehre und hielt seine Mannschaft mit mehreren Glanzparaden im Spiel.

Allerdings: Das Blitztor von Lengedes Daniel Jacob nach zwölf Sekunden hatte Stark nicht verhindern können. Seine Mannschaft kämpfte, konnte sich aber keine Groß-Chance erarbeiten. Das Team hatte das Pech, dass Dribbel-Ass Kevin Harms im Endspurt nicht mehr dabei war. Er war auf den Hallenboden aufgeschlagen, blutete und musste raus. So reichte der Lengeder Blitz-Treffer zum Sieg.

Im zweiten Halbfinale bezwang der SV Bosporus die Fortuna aus Oberg mit 4:2. Die hatte in dem Spiel das Pech an den Füßen. Erst war Peines Emre Sarac ein Billard-Tor gelungen, als er einen Klärungsversuch der Oberger so blockte, dass der Ball unhaltbar flach unten zum 2:2 einschlug, und dann unterlief Obergs Dogay Kilic nach einer scharfen Hereingabe auch noch ein echtes Eigentor zum 2:3. „Wir haben gut gespielt, aber quasi durch zwei Eigentore verloren. Doch das hätte jedem passieren können“, sage Obergs Trainer Hubert Meyer.

Obergs Eigentor-Unglücksrabe Kilic konnte bei der Siegerehrung übrigens schon wieder lachen. Er wurde mit einem 150 Euro-Waren-Gutschein getröstet.

Im Spiel um Platz drei verloren die Oberger mit 1:3 gegen Groß Lafferde. „„Die Jungs waren von den Eigentoren gegen Bosporus noch frustriert, sodass es schwer war, sie wieder aufzubauen“, erklärte Meyer.

Von Matthias Press