20. Juni 2020 / 12:11 Uhr

Kampf gegen Rassismus und Trump-Kritik: Deutsche Basketball-Hoffnung Satou Sabally im Porträt

Kampf gegen Rassismus und Trump-Kritik: Deutsche Basketball-Hoffnung Satou Sabally im Porträt

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Basketballerin Satou Sabally engagiert sich auch neben dem Platz.
Basketballerin Satou Sabally engagiert sich auch neben dem Platz. © dpa/imago images/ZUMA Press (Montage)
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Satou Sabally ist die Hoffnungsträgerin im deutschen Basketball. Im jüngsten WNBA-Draft wurde die 22-Jährige an zweiter Stelle von den Dallas Wings gezogen. Und neben dem Platz nutzt sie ihre Ausnahmestellung für den Kampf gegen Rassismus. Der SPORTBUZZER stellt sie vor.

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In Krisen liegen auch Chancen, dessen ist sich die deutsche Basketballerin Satou Sabally sicher. Eigentlich hätte die 22-Jährige in diesen Tagen ihren ersten Monat in der WNBA, der besten Frauen-Basketball-Liga der Welt, als Spielerin der Dallas Wings hinter sich. Doch die Coronavirus-Pandemie verhinderte, dass die an Nummer zwei der diesjährigen Talenteziehung ausgewählte Sabally bereits aufs Parkett der nordamerikanischen Liga durfte. Stattdessen nutzte sie die Zeit, um ihr Studium der Rechtswissenschaften zu beenden – und zur Lautsprecherin gegen Rassismus und Polizeigewalt zu werden.

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Sabally spricht sich neben dem Platz gegen Trump und Rassismus aus

"Dadurch, dass ich im Draft an zweiter Position gewählt wurde, nach Dallas gekommen bin, wo auch Dirk Nowitzki gespielt hat, habe ich viel Aufmerksamkeit bekommen", sagt Sabally. Und diese Aufmerksamkeit nutzte sie, kritisierte US-Präsident Donald Trump als Diktator, beteiligte sich an den Rassismusprotesten in den USA und sprach über eigene Erfahrungen. Die 22-Jährige will mehr sein als nur Sportlerin. Das unterstrich sie auf Instagram: Am Tag des Drafts im April zeigte sie sich in einem Pullover mit dem Aufdruck "Mehr als eine Athletin". Seitdem ist sie Teil der Uninterrupted-Initiative von Basketballstar LeBron James, der selbst immer wieder abseits des Sports Stellung bezieht. So will auch Sabally wahrgenommen werden – und das gelingt ihr eindrucksvoll.

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Sabally: "Ich will sozialkritische Themen offen ansprechen"

"Ich will sozialkritische Themen offen ansprechen", sagt sie. "Ich werde Unicef-Partner und darf mit denen Dinge für Kinder planen. Ich werde versuchen, Kindern die Wichtigkeit von Wahlen beizubringen. Ich will mit Worten und Taten agieren. Mit Sport unterhalte ich die Menschen. Die Stimme, die ich durch den Sport habe, möchte ich nutzen, um Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen."

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Dass Sabally viel Aufmerksamkeit erhält, liegt weniger daran, dass sie seit drei Monaten in Dallas lebt, wo sich die deutsche Basketballlegende Nowitzki zu Hause fühlt. Es liegt vielmehr daran, dass sie als schwarze Sportlerin Missstände offen anspricht. Nach dem Tod von George Floyd rollt nicht nur in den USA eine Protestwelle. Wenn es nach Sabally geht, wird diese nicht so schnell versanden. "Ich möchte nicht, dass es eine Besonderheit ist, wenn sich Athleten zu wichtigen Themen äußern", sagt sie.

Auch in Deutschland machte Sabally Erfahrungen mit Rassismus

Für Sabally ist das Thema eine Herzensangelegenheit. "Es könnte meinen Vater oder meinen Bruder betreffen. Es ist persönlich. Es sitzt tief", sagt sie. Die 1,93 Meter große Flügelspielerin wurde in New York als Tochter einer Deutschen und eines Gambiers geboren. Mit drei Jahren zog sie ins Heimatland ihres Vaters, zur Einschulung ging die Familie nach Berlin. Dort kam sie mit Rassismus in Berührung. "Die Kinder haben immer gefragt, warum ich lockige Haare habe, und auch die Hautfarbe war Thema. In der Schule wollte ich Hautfarbe malen und habe nach brauner Farbe gefragt. Die Lehrerin hat mir einen pinken Stift gegeben", erinnert sie sich. Man habe sie als "Affen" beschimpft. In den USA habe sie gelernt, dass es auch systematischen Rassismus gebe.

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In Saballys Kindheit war der Sport ihr Ventil. "Ich hatte viele Geschwister und wir hatten eine kleine Wohnung. Da wollte ich rausgehen und spielen – frei sein", erzählt sie. Schnell wurde sie entdeckt, ging nach der Schule in den USA aufs College, wurde zu einer der besten Nachwuchsbasketballerinnen der Welt. Ende Juli soll sie mit den Dallas Wings, die sie zur Profisportlerin machten, in die Saison starten. Dann wird ihr Traum in Erfüllung gehen. "Ich liebe Basketball. Ich werde dafür bezahlt, dass ich meinem Hobby nachgehe", sagt Sabally. Doch viel wichtiger sei, dass "man sein Gesicht zeigt". Vor allem in diesen Tagen, in denen die Rassismusproteste auch von Weißen unterstützt werden. "Ich werde Menschen zur Wahlregistrierung aufrufen und selbst mithelfen. Man muss aktiv Dinge ändern", sagt sie. Sabally will eben mehr sein als eine Athletin.