27. August 2018 / 16:37 Uhr

Satte Gehaltserhöhung für Weydandt bei Hannover 96 - "Einem, dem man es gönnt"

Satte Gehaltserhöhung für Weydandt bei Hannover 96 - "Einem, dem man es gönnt"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hendrik Weydandt jubelt über sein Bremen-Tor.
Hendrik Weydandt jubelt über sein Bremen-Tor. © imago/Sven Simon
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Eigentlich wollte Hendrik Weydandt ja Steuerberater werden. Nun bekommt der Angreifer bei Hannover 96 wahrscheinlich rund 300.000 Euro im Jahr - deutlich mehr als ein normaler Steuerberater. 

Zwei Dinge hat der neue 96-Joker mit dem Joker aus den Batman-Comics gemeinsam. Das breite Lachen. Außerdem ist er „eiskalt“, sagen sein 96-Trainer, der Manager und die Spielerkollegen. Vor seinem Treffer in Bremen war Hendrik Weydandt (23) aber ein bisschen nervös gewesen. Horst Heldt erzählte nach dem 1:1 die schöne Randgeschichte des Weydandt-Märchens.

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​„Er hat zuerst vergessen, die Schienbeinschoner anzuziehen. Er wollte ohne Schienbeinschoner rein, aber hat es noch selbst gemerkt“, erklärte Heldt. In der 75. Minute kam Weydandt. Er brauchte 75 Sekunden, um sein erstes Bundesligator zu erzielen. Erst der Abschlag von Torwart Michael Esser, Niclas Füllkrug verlängerte per Kopf, Ihlas Bebou lupfte auf den Stürmer. Weydandt ließ den Ball kurz abtropfen und schoss dem verdutzten Bremen-Torwart Jiri Pavlenka den Ball durch die Beine.

Das meinten 96-Fans zum Bundesliga-Traumeinstand von Hendrik Weydandt

96-Fanmeinung zu Hendrik Weydandt. Zur Galerie
96-Fanmeinung zu Hendrik Weydandt. ©

„Ich dachte, er lupft den, durch die Beine, kann man machen“, sagte Heldt. Der Manager machte auch den Profivertrag mit Weydandts Papa Heinrich perfekt. Heinrich Weydandt ist Wirtschaftsprüfer, auch Sohnemann Hendrik studiert Wirtschaft. Der Vertrag liegt beim 96-Chef Martin Kind. „Der Präsident muss ihn nur noch abnicken.“ Hat Kind schon gemacht. Der Chef bestätigte am Montag: „Der Vertrag ist ausgehandelt.“

​Metzelder: "Einfach gigantisch"

Fans und die ganze Liga schwärmen von „Henne“ Weydandt. Reiner Calmund zog bei Sky einen prominenten Vergleich: „Sein großes Vorbild könnte Miroslav Klose sein. Der spielte vorher auch in keinem Nachwuchsleistungszentrum und wurde später gefeierter WM-Torschütze.“ Experte Christoph Metzelder fügte hinzu: „Das ist eine unglaubliche Geschichte. Einfach gigantisch.“

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Der Super-Joker spielte vor vier Jahren in Groß-Munzel in der Kreisliga bei Trainer Gustav Kuhn. Der hätte „seine Haustür verwettet“, dass Weydandt durchstartet. Nachbar Egestorf/Langreder holte ihn in die Oberliga. Trainer Jan Zimmermann bildete ihn weiter aus, schulte seinen linken Fuß, mit dem Weydandt im Pokal in Karlsruhe doppelt traf. In Bremen nahm er den rechten Fuß. Sein Ex-Trainer Zimmermann sah das Bremen-Spiel live, Weydandt hatte ihm Tickets besorgt.

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Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

96-Akademie-Chef Michael Tarnat überredete Weydandt zum Wechsel. Bei 96, so Tarnat, könne er es zum Profi schaffen. Nun geht alles schneller als gedacht. Im Vertrag stehen flexible Bedingungen, er verdient nicht mehr 30 000 Euro, sondern etwa 300 000 Euro im Jahr – abhängig von Einsatzzeiten. Die Kollegen schwärmen von „Henne“. „Ein Supertyp, einer, dem man es gönnt“, sagte Kevin Wimmer. Stürmerkollege Füllkrug fand auch gut, „dass wir so jemanden haben“. Aber natürlich, so Füllkrug, profitiere Weydandt auch von der Arbeit, die seine Kollegen vorher auf dem Platz gemacht haben.

​"Das hat er sich erarbeitet"

96-Trainer André Breitenreiter lobte aber auch Weydandts persönlichen Einsatz in der Vorbereitung.: „Das hat er sich erarbeitet.“ Über sein Märchen möchte Weydandt selbst noch nicht reden. „Ich finde das auch gut, seine Tore sprechen ja für sich“, sagte Breitenreiter. Das finden auch seine früheren Kollegen aus Egestorf/Langreder. Der Club sendete am Sonnabend bei Twitter noch eine Glückwunschnachricht und fragte bei der Gelegenheit, ob 96 nachträglich über die Ablöse neu verhandeln könne. Ein kleiner Scherz über das großen Fußballmärchen.

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