07. September 2018 / 19:55 Uhr

SC Bananas aufgelöst: Spieler Mahiyan spricht nach Alferde-Abbruch von Übertreibung

SC Bananas aufgelöst: Spieler Mahiyan spricht nach Alferde-Abbruch von Übertreibung

Marvin Behrens
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ali Mahiyan war Spieler des kürzlich aufgelösten SC Bananas (SV Borussia Hannover III).
Ali Mahiyan war Spieler des kürzlich aufgelösten SC Bananas (SV Borussia Hannover III). © Collage/privat
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Der Verein zieht die Reißleine: Borussia Hannover hat die dritte Mannschaft abgemeldet. Nach den Schilderungen von SCA-Vorstand Sascha Fünfstück spielten sich dramatische Szenen ab, diesen Eindruck möchte Ex-Bananas-Spieler Ali Mahiyan aber nicht bestätigen. Er sieht die Schuld durchaus bei seinen Mitspielern, findet die Sache aber überzogen. Vom Verein fühlen sich die Kicker, die sich bereits reihenweise abgemeldet haben, aber im Stich gelassen. 

Dieses Spiel hallte nach im hannoverschen Fußball. Die abgebrochene Partie zwischen Borussia Hannover III und SC Alferde hat zudem noch ein Nachspiel: Die Vereinsverantwortlichen haben die Mannschaft abgemeldet. Und das, obwohl sie mit dem Team zuvor nach Lösungen gesucht haben und nicht den Eindruck machten, das "Projekt SC Bananas" canceln zu wollen. So erklärt es der ehemalige Borussia-Hannover-Spieler Ali Mahiyan.

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Zwischen Drama und Übertreibung?

Kurz umrissen: SC-Alferde-Vorstand Sascha Fünfstück berichtete dem SPORTBUZZER, wie es beim Stand von 2:1 für Borussia Hannover III zum Spielabbruch kam. Morddrohungen, Handgreiflichkeiten, übelste Beleidigung durch Spieler und Zuschauer und Jagdszenen seitens der dritten Mannschaft von Borussia hätten sich zugetragen. Im Facebook-Post des SC Alferde (siehe unten) wird diese Schilderung bestätigt und der Boykott des Rückspiels angekündigt. "Das ist so peinlich", äußerte Dirk Hasselmann (Spartenleiter Borussia) sein Entsetzen. Fünfstücks Eindruck von den Vorfällen machte unmissverständlich eine Extremsituation deutlich: "So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht mitgemacht - und so etwas möchte ich auch nie wieder mitmachen."

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Kürzlich bestätigte Hasselmann die Auflösung: "Die Mannschaft ist abgemeldet. Ich habe mit Herrn Fünfstück gesprochen, der hat mir nochmal gewisse Dinge geschildert." Der Borussia-Spartenleiter hat sich für das Verhalten entschuldigt und wollte nicht darüber reden, wie die Auflösung an die Mannschaft herangetragen wurde.

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"Die Aussagen waren mega übertrieben"

Jetzt äußert sich Mannschaftsspecher Ali Mahiyan zu den Vorfällen. Er präsentierte die Bananas in der Öffentlichkeit. "Die Aussagen waren mega übertrieben", betont er, räumt aber auch ein, "was da passiert ist, war unschön - wir sind da nicht stolz drauf". In erster Linie habe der Schiedsrichter seinen Anteil dazu beigetragen. Mahiyan schilderte seine Sicht: "Der Schiedsrichter hat Alferde einen Einwurf zugesprochen. Wir haben protestiert. Der Alferde-Kapitän (Sascha Voges, Anm. d. Red.) sagte dem Schiri, dass wir Recht haben. Ein Spieler von uns sagte dann: 'Sehen Sie, selbst der gegnerische Kapitän sagt das.' Daraufhin zeigte der Schiri ihm die Rote Karte." Danach verwies der Spielleiter zügig auch die Spieler zwei und drei des Feldes. Das befeuerte die angespannte Stimmung.

facebook/SCA
Das Facebook-Statement des SC Alferde zum Skandal-Spiel gegen Borussia Hannover III.  ©

"Keiner musste um sein Leben fürchten"

Wie das Gerangel zu Stande kam, stellte aber auch er in Frage. Ein Spieler von Alferde hätte hämisch gelacht, das wertete ein Bananas-Spieler als Provokation. "Wenn man das so nennen darf", wirft Mayhan ein, "aber unsere Spieler sind halt darauf eingegangen". Der Vorfall habe sich dann "ganz schön hochgeschaukelt". Der Mannschaftssprecher bestätigt Rudelbildung, Geschreie und Beleidigungen. "Morddrohungen und Jagdszenen? Die gab es nicht. Keiner musste um sein Leben fürchten." Gleichzeitig will der Verteidiger auch dem SCA nicht von Schuld freisprechen: "Sie haben viel gehetzt und zusätzlich Öl ins Feuer gegossen."

Currywurst statt Stress

Danach haben einige Borussia-Spieler die Situation geschlichtet, dennoch kann er den Spielabbruch nachvollziehen. Als die Wogen geglättet waren, habe man sich beieinander entschuldigt. "Manche Spieler von uns haben mit den anderen noch eine Currywurst gegessen oder unter der Dusche gestanden", verbildlicht Mahiyan die abgekühlte Situation. Die Lage war entschärft, doch als er die Kabine verließ, kamen ihm zwei Polizistinnen entgegen. Am Ende waren es acht Gesetzeshüter, die den Sportplatz aufgesucht hatten.

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Der erste Platz liegt nordöstlich von Hannover und beheimatet ein Team, das im vergangenen Jahr beinahe den Aufstieg geschafft hätte. Südlich der Anlage befindet sich eine Burg. ©

Hoffnung bei den Spielern verpufft schnell

Drei Tage nach dem Spiel (23. August) begann die Aufarbeitung mit dem Vorstand. Ein Mitglied hätte Mahiyan und Co. versprochen: "Wenn ihr mir das so erzählt, bin ich der Letzte, der das nicht glaubt." Laut Mahiyans Aussage sei letztlich einstimmig entschieden worden, dass es den "Verein im Verein" nicht mehr geben wird. "Also hat auch derjenige nicht sein Wort gehalten." Er vermutet, der Vorstand konnte dem Druck von außen nicht standhalten.

Viel schlimmer für die SC-Kicker ist jedoch, dass sie automatisch eine Sperre erhalten, wenn sie keine Freigabe erhalten. "Der Verein hat uns versichert, dass man sich beim NFV darüber informiert hat und wir spielberechtigt sind. Der NFV hat uns aber mitgeteilt, dass es nicht stimmt." Die Spieler könnten ja in den darüber liegenden Teams der Borussia spielen.

Rückblickend weiß er: "Es wäre zum Abbruch nicht gekommen, wenn keiner von uns ausgetickt wäre." Mahiyan hadert offen mit den Vorkommnissen und bedauert die Auflösung kurz nach Beginn der dritten Bananas-Saison. Er will Behauptungen gerade rücken, weiß aber auch, dass die Vorwürfe nicht von ungefähr kommen. Doch was ihn noch viel mehr ärgert: "Es gab Wenige, die das mitgekriegt haben, aber viele, die sich dazu geäußert haben."