29. Oktober 2020 / 15:07 Uhr

SC DHfK Handball: So könnte es nach dem Lockdown in der Arena weitergehen

SC DHfK Handball: So könnte es nach dem Lockdown in der Arena weitergehen

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Ein Schema verdeutlicht die Belüftungssituation in der Arena Leipzig während der Präsentation der Ergebnisse einer Studie zur Erforschung der Sicherheit vor Corona-Ansteckungen bei Großveranstaltungen. Im August haben in einem Groß-Experiment insgesamt 1400 Zuschauer ein simuliertes Konzert in der Arena Leipzig besucht. Dabei trugen sie Sensoren, die ihre im Sekundenabstand ihre Kontakte aufzeichneten. Ziel war es, die Ausbreitung von Aerosolen, die Kontakte und Berührungspunkte der Gäste zu messen. In einer zweiten Stufe wurde die Belüftungssituation der Halle geändert.
Ein Schema verdeutlicht die Belüftungssituation in der Arena Leipzig während der Präsentation der Ergebnisse einer Studie zur Erforschung der Sicherheit vor Corona-Ansteckungen bei Großveranstaltungen. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Anzeige

Im gesamten November wird der SC DHfK auf seine Zuschauer verzichten müssen. Im Anschluss sollen die Fans so schnell wie möglich zurückkehren. Wie die kommende Nutzung der Arena aussehen könnte, stellten am Donnerstag Geschäftsführer Karsten Günther und die Experten der Universitätsmedizin Halle vor, welche die Studie „Restart-19“ ausgewertet haben.

Leipzig. Egal ob Fußball, Handball oder Hockey, ob in geschlossenen Hallen oder offenen Stadien: Der gesamte Profisport muss im November auf seine Fans verzichten. Lediglich ein paar Journalisten, Techniker und Moderatoren können in den kommenden Wochen noch die Heimspiele des SC DHfK in der Arena Leipzig verfolgen. Doch die Ergebnisse der Studie „Restart-19“, die am Donnerstagvormittag in Halle verkündet wurden, machen Hoffnung. Bereits im Dezember könnten die Zuschauer in die Sporthallen zurückkehren – mit geringerem Risiko als bisher gedacht.

Anzeige

Tausende Zuschauer könnten bereits im Dezember erneut die Arena Leipzig besuchen. Handballspiele, Konzerte und weitere Veranstaltungen könnten unter strengen Hygieneauflagen bald mit größeren Zuschauerzahlen stattfinden. Bis zu 2.100 Fans sind bei den Bundesligapartien erneut vorstellbar. Dr. Stefan Moritz, Chef der Infektiologie der Universitätsmedizin Halle, machte mit seinen Handlungsempfehlungen Hoffnung. Die Experten erarbeiteten mehrere Szenarien anhand der Daten, welche die Wissenschaftler bei dem großen Corona-Experiment „Restart-19“ Ende August in der Arena gesammelt hatten. Demnach könnten bei geringen Infektionszahlen rund 50 Prozent der Hallenkapazität genutzt werden. Wichtig sei bei allen Nutzungsstrategien aber, dass Zuschauer permanent eine Maske tragen, Abstand ermöglicht wird und auf die Hygiene geachtet wird.

Mehr zum SC DHfK

Bleibt die 7-Tage-Inzidenz unter 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern könne die Arena mit sehr geringem Ansteckungsrisiko zu 50 Prozent ihrer maximalen Auslastung genutzt werden, so der Experte. Ein Lichtblick für DHfK-Handball-Chef Karsten Günther, der sowohl der Universitätsmedizin als auch der Politik für die gute Zusammenarbeit dankte. „Es war eigentlich ein Akt purer Verzweiflung, als ich vor sechs Monaten die Nummer von Herrn Moritz gewählt habe. Er sollte uns als Infektiologe helfen, möglichst schnell unsere Zuschauer zurückzubekommen – den Anruf habe ich damals schnell bereut“ so Günther. Weiter: „Es gab keine Perspektive für Veranstaltung mit großer Zuschauerzahl. Wir wussten schlicht zu wenig.“ Nun könne man anhand der erhobenen Daten passende Hygienekonzepte erarbeiten und im Dezember sehr wahrscheinlich erneut vor Zuschauern spielen.

Anzahl der Eingänge sollte erhöht werden

„Die Ergebnisse der Studie liefern der gesamten Branche sowohl eine kurzfristige Perspektive, während der Pandemie mit einer minimalen Auslastung bis zu 25 Prozent stattfinden zu können, ohne von der Bildfläche zu verschwinden, als auch eine mittelfristige, die uns ermöglicht mit Auslastungen bis zu 50 Prozent wirtschaftlich solide zu arbeiten“, hofft der Handball-Manager und setzt auf eine gute Zusammenarbeit mit der Landes- und Bundespolitik. Er fügt hinzu: „Jetzt heißt es, aus diesem Wissen Nutzen für unsere Gesellschaft zu machen, nicht nur in Sachsen und Sachsen-Anhalt, sondern in ganz Deutschland und weltweit.“ Die 25-Prozent-Varriante entspricht beim DHfK rund 1.000 Zuschauern. Von diesem System versprechen sich die Wissenschaftler besonderen Erfolg, da eine Ansteckungsgefahr auf den direkten Sitznachbarn reduziert wird – bestenfalls ein Mitglied des eigenen Haushalts.

Infektiologe Moritz ging weiter ins Detail und gab konkrete Empfehlungen für die Arena ab, die in Zukunft bei Handballspielen umgesetzt werden sollten: „Es ist wichtig, die Anzahl der Eingänge zu erhöhen. Von rund 500 Personen pro Eingang pro Stunde sollte auf 250 reduziert werden, um die Kontakte möglichst gering zu halten.“ Auch eine gute Lüftung der Hallen sollte garantiert werden. Der Infektiologe schlägt ein präzises Bewertungssystem für die Belüftungsanlagen vor, dass mit Unterstützung von Ingenieuren in den kommenden Wochen erarbeitet werden müsse. Sorgen, mit denen sich die Betreiber der Arena allerdings nicht weiter beschäftigen müssen. Die Leipziger Event-Halle verfügt bereits über ein sehr gutes System.

Durch geringere Auslastung sind große Abstände möglich

Bei Infektionszahlen unter 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern empfehlen die Experten ein Schachbrettmuster für die Sitzordnung der Zuschauer. So könne jeder zweite Sitzplatz frei bleiben und Abstand gewahrt werden. Essen und Trinken sollte ausschließlich am Platz erfolgen, „Hygienestewards“ könnten zur Kontrolle der Maßnahmen angestellt werden.


Steigen die Zahlen über diese Grenze sollten die Zuschauerzahlen und die Nutzung der Arena weiter reduziert werden, so Moritz. Es sei von mehr infizierten Zuschauern auszugehen, weshalb Abstände vergrößert und Kontakte verringert werden müssten. „Bei über 50 Fällen empfehlen wir eine Auslastung von maximal 25 Prozent.“ Außerdem sollen die Zuschauer dann in Paaren zusammensitzen, die größeren Abstand zur nächsten Zweiergruppe haben. Ansteckungsketten wären minimiert, Nachvollziehbarkeit maximiert und durch die geringere Auslastung große Abstände möglich. Gekle stellte klar: „Keine Kunst und kein Sport sind keine Lösung.“