16. Juli 2019 / 07:00 Uhr

SC DHfK Leipzigs Manager Karsten Günther: „Es war nötig, jeden Stein umzudrehen“

SC DHfK Leipzigs Manager Karsten Günther: „Es war nötig, jeden Stein umzudrehen“

LVZ
Leipziger Volkszeitung
Manager Kasten Günther hat klare Vorstellungen für die Handballer des SC DHfK Leipzig. Die Mission und Vision für die kommenden Jahre lautet: Einzug in einen Europapokal-Wettbewerb.
Manager Kasten Günther hat klare Vorstellungen für die Handballer des SC DHfK Leipzig. Die Mission und Vision für die kommenden Jahre lautet: Einzug in einen Europapokal-Wettbewerb. © Christian Modla
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SC DHfK Leipzig-Manager Karsten Günther spricht im SPORTBUZZER über die vergangene Saison, den Königstransfer von Marko Mamic und europäische Zukunftsvisionen des Vereins.

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Leipzig. DHfK-Handball-Manager Karsten Günther (37) erklärt im SPORTBUZZER-Sommerinterview, welche Lehren der Bundesligist aus der sportlich schwierigen vergangenen Saison gezogen hat und wie er einen Star wie den Kroaten Marko Mamic überzeugt hat, nach Leipzig zu wechseln. Zudem brauche die Mannschaft wieder eine Mission und Vision für die kommenden Jahre: Diese lautet Einzug in einen der Europapokal-Wettbewerbe.

Herr Günther, gestatten Sie einen Blick in den Rückspiegel. Sie sprachen zuletzt von einer in vielerlei Hinsicht lehrreichen Saison. Was hat der Verein gelernt?

Da gibt es mehrere Aspekte. Zum einen wurde deutlich: Es gibt einen sehr, sehr großen Zusammenhalt in der DHfK-Familie. Den wünscht man sich natürlich immer. Man spürt ihn aber erst so richtig, wenn ein raues Lüftchen weht wie bei uns im vergangenen Herbst und Winter. Dieser Rückhalt hat uns extrem geholfen, eine tolle Rückrunde zu spielen.

Was haben Sie noch aus der schwierigen Phase mitgenommen?

Dass wir neben vielen kurzfristigen Zielen wieder ein langfristiges, eine Vision vor Augen brauchen. Diese hieß jahrelang erste Bundesliga und diente als Orientierung für alle Beteiligten. Seitdem sie geschafft ist, haben wir viel von Jahr zu Jahr gedacht, jetzt wollen wir uns wieder langfristig orientieren. Dabei soll unser Traum von Europa in den Vordergrund rücken – ohne zeitlichen Druck. Denn eine Europacup-Qualifikation hängt von sehr vielen Dingen ab. Fakt ist aber: Wir können es nur schaffen, wenn wir ihn klar formulieren, wenn alle mitziehen und ihn selbstbewusst vertreten, ohne dabei Luftschlösser zu bauen.

Welche Erkenntnisse für die internen Abläufe gab es?

Wir haben gespürt, dass die direkte und unverzügliche Kommunikation wichtig ist. Wir haben einige Dinge zu lange laufen lassen, sind nicht schonungslos genug miteinander umgegangen. Seit dem Jahreswechsel haben wir die Sachen, die nicht in den richtigen Bahnen liefen, viel schneller auf den Tisch gebracht und bereinigt. Aber am wichtigsten war: Wir sind ruhig geblieben, haben alles intern geklärt und sind dafür belohnt worden.

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1. Juli 2007 bis 30. Oktober 2008: Karsten Günther Zur Galerie
1. Juli 2007 bis 30. Oktober 2008: Karsten Günther ©
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Welche Dinge mussten abgestellt werden?

Dass jeder auf sich schaut anstatt auf den Teamerfolg. Dazu war es wichtig, wieder an uns zu glauben und dem sportlichen Erfolg alles unterzuordnen. Denn neben viel Pech bei knappen Niederlagen gab es auch disziplinarische Sachen, die uns gebremst haben und extrem weh taten. Zum Beispiel die Suspendierung von Bindi und Franz (Lukas Binder und Franz Semper) vor dem Spiel in Kiel. Da treibt’s dir Tränen in die Augen, denn das sind zwei Jungs von hier, die maßgeblich für unseren Aufschwung stehen und wissen wie steinig der Weg bis hierhin war. Doch es war nötig, konsequent zu sein. Und es war extrem wichtig, wieder mal jeden Stein umzudrehen, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen, um wieder in die Erfolgsspur zu finden.

Wie ist Trainer André Haber mit der sportlichen Krise umgegangen?

Ich bin beeindruckt, wie souverän André mit der Sache umgegangen ist und gemeinsam mit dem Team die richtigen Mittel gefunden hat, um uns voranzubringen! André und ich sind beide sehr emotional mit der Sache verbunden. Das führt dazu, dass man es manchmal auch persönlich nimmt, wenn es nicht läuft. Da haben wir uns gegenseitig gut unterstützt und da nehme ich auch explizit Kretzsche, Gesellschafter Maik Gottas sowie Co-Trainer Matthias Albrecht mit rein.

Warum gab es trotz fehlender Siege keinen erkennbaren Besucher-Einbruch?

Da war zum einen der WM-Effekt, aber auch die Tatsache, dass es um etwas geht – nämlich um die Existenz. Unser Team im Office hat einen ganz starken Job gemacht beim Marketing, u.a. mit dem Schulprojekt und der Einbindung von Kitas. Wir sind auf die Leute zugegangen, waren bei fast allen Veranstaltungen in der Stadt präsent. Zudem haben unsere Sponsoren und Partner ihre Werbemöglichkeiten für uns eingesetzt, sodass wir in und um Leipzig sehr sichtbar waren. Immer mit der klare Aussage: Wir brauchen die Fans jetzt erst recht, nicht nur im Erfolgsfall. Das hat auch manch einen Gegner fasziniert, wenn ich an Mindens Coach Frank Carstens denke, der auf der Pressekonferenz gesagt hat: Bei minus sieben in der 47. Minute gehen woanders die Leute aus der Halle raus. Hier stehen sie auf und geben so richtig Gas. Da bekomme ich noch immer Gänsehaut.

Wird mit Begriffen wie März-Beben oder Mega-Knaller-Spiel manchmal übertrieben? Reicht es nicht, sich auf ein schönes Handballspiel zu freuen?

Den Begriff Mega-Knaller benutzen wir eher nicht. Aber wenn wir drei extrem wichtige Heimspiele im März haben, dann nehmen wir unser Glück natürlich in die eigene Hand und versuchen mit allen Mitteln, Feuer unters Hallendach zu bekommen. Es ist eine Wunschvorstellung, dass alle nur nach dem nächsten Spieltermin lechzen – und die Bude ist voll. So weit sind wir noch nicht.

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Warum gibt es kein zeitliches Ziel für eine EC-Teilnahme?

Weil das außer zeitlichem Druck nix bringt, wir wollen uns diesen Traum Schritt für Schritt wahr machen und werden dafür Geduld und ganz viel Kraft brauchen. Das haben wir beim Ziel erste Liga auch so getan. Es ist wie beim Bergsteigen: Die letzten Meter sind besonders schwer. Wenn es um die Top 6 der Liga geht, werden sich die Etablierten wehren. Und andere im Mittelfeld haben das gleiche Ziel wie wir. Dann entscheidet: Wer wirft das Quäntchen mehr an Feuer, Leidenschaft, Detailbesessenheit und Disziplin in die Waagschale? Zudem tut uns eine gewisse Demut vor der Liga gut. Wir wissen: Jeder kann jeden schlagen. Wenn es gut läuft, werden gewisse Sachen selbstverständlich, bis es mal nicht mehr funktioniert. Wir wollen ein stabiler Bundesligist sein mit einer klaren Vision und uns den Europacup-Plätzen schrittweise nähern. Wichtig ist, sich jetzt auf den Weg machen.

Besteht noch der Zusammenhalt früherer Jahre im Team?

Die Jungs haben immer einen guten Umgang miteinander. Aber die Mannschaft hat sich verändert. Zum Beispiel durch internationale Aufgaben, wodurch wir nicht mehr wie früher in jedem Training komplett waren. Mehrere Trainerwechsel spielten auch eine Rolle oder eine veränderte persönliche Situation jedes Einzelnen. Auch die Rolle des Underdogs hatten wir plötzlich nicht mehr. Doch wir sind wieder auf dem Weg, eine verschworenen Einheit zu werden. Das ist eine zentrale Aufgabe für diese Saison, wo sich jeder mit einbringen kann und muss!

Jetzt kommen gestandene Spieler wie Marko Mamic und Philipp Müller hinzu. Wird die Integration funktionieren?

Wir haben einen guten Mix in der Altersstruktur gefunden. Viggo Kristjansson bringt ganz viel Spielwitz mit, Luca Witzke ist unbekümmert und geht dorthin wo es weh tut. Marko Mamic, der vermeintliche Star, ist ein super Typ. Er brennt für die Aufgabe. Und Philipp Müller ist ein mit allen Wassern gewaschener Haudegen, der es allen zeigen will. Die zwei bringen eine gewisse Führung mit rein und auf der Torhüter-Position haben wir jetzt einen spannenden Mix aus Erfahrung und Jugend. Es ist auf allen Positionen nichts in Stein gemeiselt, es ist wieder wie vor vier Jahren: Jeder fightet um seinen Platz, aber jeder will die Mannschaft voranbringen.

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Gepostet von SC DHfK Handball am Sonntag, 14. Juli 2019

Wie überzeugt man einen Marko Mamic, nach Leipzig zu kommen?

Wir haben vor Monaten den Hinweis bekommen, dass er mit seiner Rolle in Kielce unzufrieden ist. Im Dezember bin ich dann nach Kielce gefahren. Das fand er krass, dass da einer nicht nur E-Mails schreibt sondern 1600 Kilometer für ihn abreist. Er hat selbst gesehen, dass bei uns oft nur ein Tor gefehlt hat und wir großes Potential haben, kannte auch einige in unserer Truppe. Und er wollte wieder im Angriff spielen, dadurch ein kompletter Handballer sein. Doch im Winter scheiterte der Wechsel noch an der Ablöse…

Und dann waren Ihre Kader-Planungen abgeschlossen...

Ja. Aber als wir über eine Zusammenarbeit ab 2020 reden wollten bat er uns inständig, schon 2019 kommen zu dürfen und hat sich persönlich dafür mit eingebracht. Wir haben über diese Chance mit unseren Sponsoren gesprochen. Marko gibt uns zusätzliche Qualität und die Chance, weniger zwischen Abwehr und Angriff zu wechseln. Innerhalb von einer Woche hatte ich die Zusagen von 50 Sponsoren, sein Gehalt zusätzlich zum Etat zu finanzieren. 25 waren im Wirtschaftsrat dabei, 25 haben am Telefon zugesagt. Das ist der Beweis: Teamwork ist eine unserer größten Stärken!

Sie gehen mit 21 Spielern in die Saison – dem größten Kader aller Zeiten. Eine bewusste Entscheidung?

Ja, denn wir wollen immer eine hohe Trainingsqualität haben und den Jüngeren die Chance geben, sich zu integrieren.

Highlight der Vorbereitung ist das Testspiel am 7. August gegen Wisla Plock. Wie kam es dazu?

Ich haben guten Kontakt zu deren Trainer, einem Spanier. Es wird für uns ein spannender Gradmesser, gegen einen Champions-League-Vertreter zu spielen. Neu hinzu kommt noch ein Test am 2. August in Spergau gegen Stettin.

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Die Handballer des SC DHfK Leipzig sind am 11. Juli in die Vorbereitung für die kommende Saison gestartet. Zur Galerie
Die Handballer des SC DHfK Leipzig sind am 11. Juli in die Vorbereitung für die kommende Saison gestartet. © Dirk Knofe

Was wird sich für die Fans in der neuen Saison ändern?

Wir planen jetzt ständig mit einer Stehtribüne hinterm Tor, die wir gegen die Rhein-Neckar Löwen getestet haben. Dadurch wollen wir die Stimmung noch ein Stück weit anheizen. Das ist eine gute Sache für all die Fans, die Bock haben, im Stehen zu schauen, zu springen und zu singen. Außerdem spielen wir künftig mit einem Chip im Trikot, du kannst online und im Fernsehen alle Sprunghöhen, Laufwege, Antritte, Wurf-Geschwindigkeiten et cetera nachvollziehen. Handball wird nun noch transparenter. Wir arbeiten daran, das auch in der Halle sichtbar zu machen.

Wie groß ist der Verlust von Stefan Kretzschmar?

Ich bin traurig, dass er uns verlässt und sehr dankbar für die zehn gemeinsamen Jahre, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen konnten und viel erreicht haben.

Ein Wort zum Nachwuchs.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die U23 die Bundesliga-Mannschaft füttert und trotzdem in Liga drei die Klasse hält. Es ist klasse, dass wir das bundesweite Nachwuchsranking anführen, weil wir in den letzten fünf Jahren die meisten Talente in die 1. und 2. Liga gebracht haben, dass die A- und B-Jugend so weit gekommen ist, dass vier Nachwuchsspieler im Sommer international für den DHB im Einsatz sein werden. Es war richtig, dass wir 2009 die Kräfte in Leipzig gebündelt und die Akademie gegründet haben. Und es ist folgerichtig, dass die zweite Mannschaft jetzt unter unserem Namen spielt.

Wenige Tage vor dem Bundesliga-Start steht für Sie ein ganz persönliches Highlight an …

Ja, das stimmt. Ich heirate meine Freundin Josephine. Da freuen wir uns sehr drauf!

Interview: Frank Schober, Matthias Roth

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