13. August 2020 / 15:57 Uhr

SC DHfK Leipzig kämpft ums Überleben – Experiment soll helfen

SC DHfK Leipzig kämpft ums Überleben – Experiment soll helfen

Nils Bastek
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jubel auf der Leipziger Bank über einen Treffer beim Spiel SC DHfK Leipzig vs Eulen Ludwigshafen, Handball, 1.Liga 25.04.19
Auch der SC DHfK Leipzig hofft darauf, seine Heimspiele bald wieder vor vollen Rängen austragen zu dürfen. © Christian Modla
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Die am 22. August startende Re-Start-Studie in der Arena Leipzig soll Aufschlüsse darüber bringen, inwieweit es möglich ist, wieder Zuschauer bei Großveranstaltungen in Hallen zuzulassen. Die deutsche Handballszene hofft dabei auf positive Signale, denn ohne Zuschauereinnahmen ist die Existenz der gesamten Sportart gefährdet.

Leipzig. Es geht um das Überleben einer ganzen Sportart. Wenn der SC DHfK Leipzig am 22. August gemeinsam mit Forschern der Universität Halle in der Arena ihre Re-Start-Studie starten, wird die gesamte Sport- und Veranstaltungsszene gespannt nach Sachsen blicken. Bei einem Konzert des Popsängers Tim Bendzko wollen die Forscher in drei Szenarien mehr über Großveranstaltungen in Hallen zu Corona-Zeiten herausfinden.

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„Wir sind ohne Zuschauer in der Halle nicht überlebensfähig. Deshalb ist die Re-Start-Studie bei uns in der Arena am 22. August so immens wichtig“, sagt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther. 4000 Menschen dürfen an der Studie teilnehmen, mehr als 2000 Personen haben sich inzwischen dafür angemeldet. Profihandball ohne Zuschauer? Das ginge vielleicht für ein paar Spiele gut, dann würden auch die ersten Bundesligisten massive wirtschaftliche Probleme bekommen. „Sollten bis Jahresende keine Zuschauer erlaubt sein, könnte die Existenz unserer Sportart gefährdet sein“, warnt auch Geschäftsführerin Jennifer Kettemann von den Rhein-Neckar Löwen.

HBL hofft auf Start mit Zuschauern

Es ist ein Szenario, das die Clubs zumindest im Hinterkopf haben - an das sie im Moment aber nicht glauben. Am 1. Oktober wird die neue HBL-Saison starten, und anders als in der Fußball-Bundesliga sollen dann Fans in den Hallen sein. „Ich gehe mal davon aus, dass wir vorsichtig mit Zuschauern starten können“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Bis zu 50 Prozent des Etats der Vereine kommen über Zuschauereinnahmen, bei den meisten Bundesligisten sind es ungefähr 30 bis 40 Prozent. Die zweite große Einnahmesäule besteht aus Sponsorengeldern, die sich bei Geisterspielen ebenfalls nicht mehr in gewohnter Form generieren ließen, weil den Unternehmen die gewünschte Plattform fehlen würde. TV-Gelder machen im Handball dagegen nur einen geringen Anteil aus, in der Regel rund fünf Prozent des Vereinsetats.

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Die Handballer brauchen die Zuschauer. Dass die Gesundheitsminister der Länder sich darauf verständigt hatten, dass dies in den Stadien der Fußball-Bundesliga wegen der aktuellen Corona-Situation bis zum 31. Oktober nicht zu befürworten sei, hat die HBL registriert. Er bedauere das, sagt Bohmann. Aber die Hoffnung geben die Clubs noch lange nicht auf. „Noch mache ich mir keine Sorgen. Ich bin überzeugt, dass wir wieder mit Zuschauern spielen können“, sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning.

Klubs sind auf Zustimmung der lokalen Behörden angewiesen

Auch andere Hallensportarten planen unabhängig von der Politik-Absage an den Fußball ihren Saisonbeginn mit einigen Zuschauern. Die Basketball-Bundesliga (BBL) will am 6. November starten, die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) möchte am 13. November loslegen. Wie in der HBL müssen die Clubs in Gespräche mit den lokalen Behörden gehen, die letztlich darüber entscheiden, ob beziehungsweise wie viele Zuschauer zugelassen werden können. Bohmann nennt für den Handball einen Grund, warum dies anders als im Fußball möglich sein sollte.

„Wir haben andere Probleme, aber nicht das, was von den Ministern mit Blick auf den Fußball beklagt wurde - nämliche die An- und Abreise von Zuschauern in großen Mengen.“ Das dürfte auch für BBL und DEL gelten. Die Handballer wollen bereits das Supercup-Duell zwischen Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt am 26. September in Düsseldorf möglichst vor etwa 6000 Zuschauern austragen. Ein entsprechendes Hygienekonzept hat die HBL bereits erstellt. Es wäre dann alles vorbereitet für den Spielbetrieb. Ob er schließlich auch vor Zuschauern stattfinden kann, bleibt bei allem Optimismus unklar. „Disziplinen wie Handball sind nun typischerweise in den Hallen. Da wird es umso schwieriger, Infektionsserien auszuschließen“, sagt Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.