04. Oktober 2021 / 15:46 Uhr

Leihgabe in der Krise: SC DHfK Leipzigs Meyer-Siebert springt bei Flensburg ein

Leihgabe in der Krise: SC DHfK Leipzigs Meyer-Siebert springt bei Flensburg ein

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Julius Meyer-Siebert wird den SC DHfK Leipzig für das Jahr verlassen und bei der SG Flensburg-Handewitt für Entlastung sorgen.
Julius Meyer-Siebert wird den SC DHfK Leipzig für das Jahr verlassen und bei der SG Flensburg-Handewitt für Entlastung sorgen. © Christian Modla
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Die Bundesliga-Handballer des SC DHfK Leipzig springen der SG Flensburg-Handewitt in der Not zur Seite und verleihen Youngster Julius Meyer-Siebert an den Vize-Meister. Für mehrere Monate soll der 21-Jährige hier Erfahrungen sammeln und gestärkt in die Messestadt zurückkehren.

Leipzig. Für Atempausen haben Florian Eib und Rüdiger Forchmann fast keine Zeit. Von der Pressetribüne in der Arena Leipzig aus betrachten sie aufmerksam jede noch so kleine Bewegung der Bundesliga-Handballer unter ihnen. Jeder Spieler des SC DHfK Leipzig, der den Ball berührt, wird erwähnt, jeder Spielzug beschrieben, jedes Detail in das Mikrofon vor ihnen diktiert.

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„Mussten uns das mehr oder weniger selber beibringen“

Verzichten müssen die beiden Reporter vorerst allerdings auf eine Beschreibung der stetig steigenden Leistungen des Rückraum-Riesens Julius Meyer-Siebert. Der 21-Jährige wird mit sofortiger Wirkung zur SG Flensburg-Handewitt ausgeliehen und soll hier bis zum Ende des Jahres neben Ex-Leipziger Franz Semper auflaufen. „Es ist eine absolute Win-Win-Situation. Sowohl für Julius, der in Flensburg ganz neuen Input bei einem europäischen Top-Verein erhält und dort auch gute Chancen auf Einsatzzeiten hat, und natürlich auch für uns, denn wir bekommen im Januar einen Neuzugang aus Flensburg, der im Optimalfall mit viel Erfahrung und gestärktem Selbstvertrauen zu uns zurückkehrt“, beschreibt DHfK-Manager Karsten Günther den kurzfristigen Deal. Hintergrund der Leihe sind zahlreiche verletzte Spieler im Rückraum des Vize-Meisters. „Ich bin sehr froh, dass wir so kurzfristig ein spannendes Talent nachverpflichten konnten“, lobt SG-Coach Maik Machulla seinen Neuzugang.

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Der 2,06 Meter große Leipziger will die einmalige Chance nutzen. „Ich bin allen Beteiligten dankbar für diese Chance und kann es kaum abwarten, jetzt die Flensburger Mannschaft und den Staff kennenzulernen. Ich möchte in den kommenden drei Monaten so viel wie möglich aufsaugen und vor allem der SG helfen, wo immer ich kann“, so Meyer-Siebert, der seit 2019 einen Profivertrag bei den Grün-Weißen hat.

Schon vier Jahre vor der Berufung des Nachwuchstalents in die erste Mannschaft startete die Audiodeskription bei den Handballer durch und wurde seither stetig verbessert. „Wir mussten uns das mehr oder weniger selber beibringen, da es vorher keine vergleichbaren Angebote im Handball gab“, erzählt Eib, der zuvor bereits bei RB Leipzig das Blindenradio angeboten hat. DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther sei sofort von der Idee begeistert gewesen und setzte alle Hebel in Bewegung.

„Kennen eigentlich alle unsere Zuhörer persönlich“

Die beiden Kommentatoren begleiten nun regelmäßig die Heimspiele der Grün-Weißen und bieten für sehbeeinträchtigte Menschen eine Audiodeskription der Partien an. So auch heute, wenn die Rhein-Neckar Löwen um 19 Uhr in der zweiten Runde des DHB-Pokals auf die Mannschaft von Coach André Haber treffen. Doch neben dem etablierten Service für (fast oder ganz) blinde Fans der Leipziger, werden beim heutigen Pokal-Duell noch deutlich mehr Dienstleistungen für Menschen mit Handicaps angeboten. So sollen auf dem Videowürfel an der Hallendecke sämtliche Gespräche und Interviews vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeit durch einen Gebärdendolmetscher übersetzt werden. Zahlreiche Aktions- und Infostände im Arena-Foyer werden zusätzlich über Inklusionsprojekte berichten.

Bei der sportaffinen Blinden-Community in Leipzig kommt das Angebot super an. Immer mehr Menschen begeistern sich für das Radio, vor allem seit die Audiodeskription in der Corona-Saison auch im Internet gestreamt wurde. Über eine Sprachnachricht WhatsApp-Gruppe organisieren sich die Fans, melden sich für die Spiele an und erhalten Unterstützung bei der Sitzplatzsuche. Für Forchmann eine ganz besondere Aufgabe: „Wir kennen eigentlich alle unsere Zuhörer persönlich. Das macht es auch so schön.“