09. Februar 2020 / 17:55 Uhr

SC DHfK Leipzig scheitert an sich selbst - und an Stuttgarts Johannes Bitter

SC DHfK Leipzig scheitert an sich selbst - und an Stuttgarts Johannes Bitter

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
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Stuttgarts Torhüter Johannes Bitter war der große Rückhalt der Stuttgarter beim 25:25-Unentschieden gegen den SC DHfK Leipzig. © Rainer Justen
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Das Team von Trainer André Haber verschenkte beim 25:25 in Stuttgart im ersten Durchgang eine komfortable Führung und agierte im weiteren Spielverlauf gegen kämpferisch starke Schwaben zu kopflos. 

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Stuttgart. Sturm Sabine ließ die Bundesliga-Partie zwischen dem SC DHfK Leipzig und den Hausherren des TVB Stuttgart am Sonntag in Frieden. Dafür tobte ein echtes Unwetter auf der Platte. In einer umkämpften Partie teilten die Mannschaften in der Porsche Arena am Ende die Punkte. Mit dem 25:25 (14:12) sicherten sich die Leipziger den dritten Punkt in der Rückrunde.

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DURCHKLICKEN: Das Remis des SC DHfK in Stuttgart im Februar 2020

Der SC DHfK Leipzig hat beim 25:25-Unentschieden in Stuttgart leichtfertig einen Punkt verschenkt. Zur Galerie
Der SC DHfK Leipzig hat beim 25:25-Unentschieden in Stuttgart leichtfertig einen Punkt verschenkt. ©

Stuttgart wartete seit vier Spieltagen auf Zählbares. Der TVB musste sich am Sonntag dringend zusammenreißen, lief fast das gesamte Spiel einer Leipziger Führung hinterher. Im zweifarbigen Faschings-Trikot sahen die Hausherren zwar super aus, spielten aber erst in der zweiten Hälfte so. Dem grün-weißen Sturm aus Sachsen hielt Torhüter Johannes Bitter dafür bestens stand, hielt einen Siebenmeter und ging mit über 44 Prozent gehaltenen Würfen als bester Mann von der Platte.

Leipzig beginnt konzentriert

Luca Witzke, der sich gegen HC Erlangen leicht an der Wade verletzt hatte, spielte in Stuttgart wieder von Beginn an in der Rückraum Mitte. Erzielte nach einem Stürmerfoul der Hausherren in der 3. Minute die 2:1-Führung, die Leipzig lange nicht mehr abgeben wollte. Mit konsequenten Tempogegenschlägen, variierenden Würfen aus dem Rückraum und kämpferischen Aktionen von Kreisläufer Alen Milosevic brachte sich der Gast in der 9. Minute bereits 6:3 in Front – konnte nur von Nationaltorhüter Bitter immer wieder gestoppt werden und Stuttgart so immer wieder herankommen.

Erst nach knapp 15 Minuten hatte sich die Nummer eins im Leipziger Tor langsam warm gespielt. Der 32-Jähirge hielt einen Siebenmeter von Patrick Zieker und fort an sah Jens Vortmann etwas besser aus. Dafür ließen seine Feldspieler kurz vor der Halbzeit gute Chancen liegen und Stuttgart auf 14:12 herankommen.

Randnotiz zum umkämpften Spiel: Die Schiedsrichter Suresh und Ramesh ließen am Sonntag kaum ein Vergehen laufen, verteilten zahlreiche Zeitstrafen, befanden die Partie wohl für zu hart. Protest an einer solchen Entscheidung brachte auch Bitter zwei Minuten Pause auf der Bank ein. Mehr Fairness, weniger Spielfluss. Für die Zuschauer keine schönen Momente.

Leipzigs Coach Haber hadert mit seinem Team

Schöner Einstieg in die zweiten 30 Minuten: Jogi Bitter hält erneut sicher und trifft im Anschluss das leere Tor der Gäste. Zweiter Saisontreffer, klares Statement. Seine Mannschaft hatte die Nachricht verstanden und umgesetzt. Es wurde nochmal richtig knapp in der Porsche Arena. Bei 17:16 nahm Coach André Haber eine Auszeit, forderte „wieder Tempo. Wir geben gar kein Tempo mehr. Jetzt aber!“ Das versuchten die DHfK-Männer im Anschluss häufiger, konnten sich aber bis zur Schlussphase nicht mehr von den Hausherren absetzen. Haber erinnert in der 47. Minute sein Team erneut lautstark: „Mein Gott, wir sind klar die besser Mannschaft und dann so eine Scheiße! Jetzt mit Tempo, mit Volldampf!“ Aber im Weg der Sachsen stand immer wieder der Nationaltorhüter.

Spielentscheidende Szene in der 56. Minute: Marko Mamic greift David Schmidt in den Arm, verletzt diesen an der Hand, kassiert die verdiente Zeitstrafe und den Siebenmeter. Vortmann ist im wohl wichtigsten Moment der Partie voll da und hält. Spannung pur. Noch eine Minute Spielzeit. 24:24 der Zwischenstand. Die DHfK-Männer am Ball. Gregor Remke trifft nur den Pfosten, Phillip Weber im Anschluss durch alle Reihen hindurch das Tor. Nur fünf Sekunden vor Schluss gleicht Dominik Weiß aus. Die Schlussphase ein Krimi, das Spiel ein Sturm. Leipzig am Anfang klar besser, am Ende die Punkteteilung dennoch fair.

Die Stimmen zum Spiel

Jürgen Schweikardt (TVB Stuttgart): Wir freuen uns über jeden Punkt. Wir sind nicht in der Lage, uns nicht darüber zu freuen. Trotzdem wäre heute mehr drin gewesen. Älter werde ich durch so ein Spiel nicht. Aber es wird einem nichts geschenkt in der Liga. Es ist eine schwierige Saison, aber wir gehen weiter. Es ist verdammt eng da unten und es wird so eng bleiben. Wir müssen jedes Spiel das Maximale mitnehmen, nicht auf die anderen gucken. Ich glaube, dass eine Verunsicherung bei uns über 60 Minuten da war. Aber die Jungs haben gekämpft. Wir haben gesagt, das Ergebnis muss sich hinten anstellen, es geht um unseren Spirit und den Kampf.

Philipp Weber (SC DHfK Leipzig): "Es wäre absolut mehr drin gewesen. Vom Gefühl her haben wir uns zu doof angestellt. Wir waren die bessere Mannschaft und kriegen es nicht hin, uns abzusetzen. Das nervt. Für uns ist das ein verlorener Punkt. Wir sind die klar bessere Mannschaft, das tut dann am Ende weh."

Johannes Bitter (TVB Stuttgart): "Wir haben nicht aufgehört zu kämpfen. Leider haben wir es als Mannschaft nicht gut gemacht, sondern von Einzelaktionen gelebt. Es war kein schönes Spiel, aber ein super Fight. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, dass Weber öfter trifft und wir gewinnen. Es war überlebenswichtig, dass wir heute einen Punkt geholt haben. Wir müssen im Februar sehen, dass wir wegkommen da unten. Ich war in Ordnung, aber ich ärger mich, dass ich diesen einen Ball weggeschmissen habe."