24. April 2020 / 19:51 Uhr

SC DHfK Leipzig steckt nach dem Saisonabbruch im "Überlebenskampf"

SC DHfK Leipzig steckt nach dem Saisonabbruch im "Überlebenskampf"

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Karsten Günther
DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther ist vom Zusammenhalt und der Hilfsbereitschaft der Fans sehr angetan. © PICTURE POINT
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Die Saison wurde abgebrochen, die Spieler des SC DHfK sind in Kurzarbeit und halten sich im individuellen Training fit. Geschäftsführer Karsten Günther hofft, dass im September die neue Spielzeit regulär startet.

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Leipzig. Die Handballer des SC DHfK Leipzig stehen vor einer mentalen Herausforderung. Seit Dienstag steht fest, dass die Bundesliga nicht fortgesetzt wird und die nächste Spielzeit frühestens am 1. September beginnen wird. Die Corona-Krise zwingt die Profisportler zu mehreren Monaten ohne Spielbetrieb und voraussichtlich auch ohne Mannschaftstraining. „Wir stecken in einem Überlebenskampf und brauchen jetzt sehr dringend Ankerpunkte, auf die wir hinarbeiten können“, sagt DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther.

Das Überleben zahlreicher Handball-Klubs hängt maßgeblich von den Entscheidungen der Politik in den kommenden Monaten ab. Auch der SC DHfK ist hier keine Ausnahme. „Es gibt enorm viele Variablen, die wir noch nicht kennen. Die größte Frage für uns ist aktuell: Wann können wir wieder mit Zuschauern spielen?“, so Günther. Für den Moment sei ein Saisonbeginn im September vor einer ausverkauften Arena Leipzig ein Ankerpunkt, auf den Spieler und Verantwortliche hoffen und hinarbeiten können. Vier lange Monate ohne Punktspiel.

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Günther hatte nach der Entscheidung der Handball-Bundesliga (HBL) mit dem Profi-Team über die nächsten Schritte bei den Grün-Weißen gesprochen. Fest steht nun: die Spieler bleiben in Kurzarbeit und sollen sich im individuellen Training fit halten. Joggen, Home-Workouts und Besuche im Fitnessstudio des Vereins stehen auf dem Programm. Unterstützung gibt es via Telefon und Videobotschaften vom Athletik-Trainer. „Das ist natürlich hart für die Jungs, aber sie waren darauf vorbereitet, dass die Saison nicht weitergeht. Ich habe daraus in den letzten Wochen kein Geheimnis gemacht“, so der 38-Jährige.

Einbußen von gut 500 000 Euro

Ob das der Leistung der Profisportler langfristig schaden könnte? Es gibt gute Möglichkeiten, die Motorik und Fitness der Jungs zu erhalten. Wer diese Phase am diszipliniertesten nutzt, hat gute Chancen nach dem Neustart weit oben zu stehen. Aber die besten Spieler werden auch nach der langen Pause nicht das Handballspielen verlernen – vielleicht brauchen sie aber ein paar Partien, um sich als Mannschaft wieder einzufinden“, so Günthers Prognose. Eine weitere Belastung für die Bundesligisten in der nächsten Spielzeit sind sicherlich die zwei zusätzlichen Mannschaften im Handball-Oberhaus.

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Vier weitere Spiele kommen auf die Profis zu, für Nationalspieler wie Philipp Weber steht außerdem Olympia 2021 an. „Es gab aber auch noch nie eine so lange Pause zur Regeneration und langfristigen Formaufbau. In den vergangenen Jahren haben die Spieler ihre Blessuren von Saison zu Saison mitgeschleppt“, argumentiert der DHfK-Manager. Ob die Belastung und die höhere Spiel-Dichte deshalb realisierbar sei, müsse im Dialog mit den Verantwortlichen geklärt werden. Aktuell macht sich Günther mehr Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Krise.

Er rechnet in dieser Saison mit Einbußen von gut 500 000 Euro. Die Rückanforderungsansprüche der Ticketbesitzer kommen nun oben drauf. „Da setzen wir auf viele Helden die ihre Tickets umwandeln, damit es nicht zu drastisch wird“, sagt der Geschäftsführer offen. „Es ist noch überhaupt nicht absehbar, was kommende Saison auf uns zukommt. Umso stabiler die Basis dafür wird, desto mehr halten wir aus.“ Zahlreiche Fans haben ihre Liebe und Treue zum Verein in den vergangenen drei Wochen bereits bewiesen. Zur Halbzeit der Aktion „Mein Helden-Ticket“ meldet der SC DHfK bereits über 10 .000 verkaufte oder umgewandelte Eintrittskarten und Halbzeit auf dem Weg zum neuen Saisonrekord. Ein weiterer Ankerpunkt für Günther: „Das ist die positive Seite dieser Krise. Wir spüren gerade einen wahnsinnigen Zusammenhalt. Die Hilfsbereitschaft unser Fans und Partner tut uns richtig gut.“