15. November 2019 / 11:17 Uhr

SC DHfK Leipzig trauert um Punkte und mischt trotzdem die Liga auf

SC DHfK Leipzig trauert um Punkte und mischt trotzdem die Liga auf

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Philipp Weber legte in jüngster Vergangenheit deutlich verbesserte Auftritte hin.
Philipp Weber legte in jüngster Vergangenheit deutlich verbesserte Auftritte hin. © imago images / Hartmut Bösener
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Bei den letzten beiden Heimspielen entglitt den Leipziger Bundesligahandballern jeweils kurz vor Schluss etwas Zählbares. Dennoch sind die Grün-Weißen so stark unterwegs wie lange nicht. Die Gründe sind vielfältig.

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Leipzig. Zweimal drohte das Hallendach der Arena in diesem November schon abzuheben, zweimal verließen die Handballer des SC DHfK Leipzig allerdings als Verlierer das Parkett. So richtig geknickt ging dennoch keiner der Fans nach Hause. Sie hatten Spektakel mit Spannung, Kampf und Einsatz bis zur Schlusssekunde gesehen. Das war gegen den SC Magdeburg so und das war am Donnerstag gegen die Rhein-Neckar Löwen genauso. Jeweils mit einem Tor Unterschied mussten sich die Grün-Weißen geschlagen geben.

In beiden Spielen wäre mehr drin gewesen und einige optimistische Fans rechnen jetzt sogar nach: Bei zwei Unentschieden in diesen Spitzenspielen und zwei weiteren, zuvor allerdings verschenkten Erfolgen gegen die Kellerkinder Nordhorn und die Eulen Ludwigshafen, würde der SC DHfK sogar die Liga gemeinsam mit Hannover von der Spitze anführen. Stattdessen liegen die Leipziger auf Rang acht, aber weiter mit Schlagdistanz zu den vorderen Plätzen.

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Bitter! Der SC DHfK verliert das Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in letzter Sekunde mit 28:29. Zur Galerie
Bitter! Der SC DHfK verliert das Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen in letzter Sekunde mit 28:29. © Dirk Knofe
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Auch wenn die Erfolgswelle sich nicht in Punkten ausdrückt, die beiden jüngsten Heimspiele sahen mehr als 12.000 begeisterte Zuschauer. Oliver Roggisch, Sportlicher Leiter der Rhein-Neckar Löwen, weiß warum. „André hat einen großen Anteil daran, wie die Mannschaft fightet, da können wir uns in manchen Teilen etwas abgucken“, sagte der ehemalige Profi vom SC Magdeburg.

Mehrere Schlüssel zum Erfolg

Coach André Haber hat der Mannschaft nach der kurzen Ära Biegler inzwischen komplett seine Handschrift verpasst. Ein Beispiel: Nach der knappen Niederlage gegen den SCM baute er seine Truppe im Handumdrehen wieder auf und trumpfte schon wenige Tage später beim Auswärtserfolg in Melsungen wieder auf. Er nutzt dafür seinen breiten Kader, wechselt mit Verstand und gibt so jedem Spieler das Gefühl gebraucht zu werden. Spielzüge und Taktik sind variabler geworden.

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zur 28:29-Heimniederlage des SC DHfK Leipzig

André Haber (Trainer SC DHfK): Heute ist es eher bitter als traurig. In der ersten Viertelstunde haben wir ganz ganz viel richtig gemacht. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben, da haben wir die Halle abgeholt. Mir war das eine Tor zur Halbzeit zu wenig. Zwischen der 36. und 46 Minute schmeißen wir es dann weg, haben einen 0:6-Lauf. Es war beeindruckend, wie gnadenlos die Löwen da agiert haben. Aber das ist passiert, weil wir es zugelassen haben. Ich habe da keine Leistungsexplosion der Löwen gesehen. Und das, was dann die letzten Minuten abläuft, ist einfach nur begeisternd. Das gibt mir das Gefühl, das wir hier zu Hause alles schaffen können. Zur Galerie
André Haber (Trainer SC DHfK): "Heute ist es eher bitter als traurig. In der ersten Viertelstunde haben wir ganz ganz viel richtig gemacht. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben, da haben wir die Halle abgeholt. Mir war das eine Tor zur Halbzeit zu wenig. Zwischen der 36. und 46 Minute schmeißen wir es dann weg, haben einen 0:6-Lauf. Es war beeindruckend, wie gnadenlos die Löwen da agiert haben. Aber das ist passiert, weil wir es zugelassen haben. Ich habe da keine Leistungsexplosion der Löwen gesehen. Und das, was dann die letzten Minuten abläuft, ist einfach nur begeisternd. Das gibt mir das Gefühl, das wir hier zu Hause alles schaffen können." ©

Ein Schlüssel dafür ist die zurückgewonnene Stärke von Nationalspieler Philipp Weber. Er marschiert vornweg, übernimmt Verantwortung und hat auch das nötige Spielglück. Das war in den vergangenen Monaten nicht immer so und fand im Januar in der WM ohne Weber seinen Tiefpunkt. Inzwischen hat sich der 27-Jährige aus diesem Tal gezogen und greift wieder an. Er agiert abgeklärt auf dem Parkett und nimmt seine Führungsrolle an. Zwei Situationen am Rand des Spiels gegen die Rhein-Neckar Löwen zeigen, wie besonnen und selbstbewusst Weber seine Position ausfüllt.

Nach einem Zweikampf mit Alexander Petersson blieb Weber kurz auf dem Boden liegen. Statt zu protestieren und eine Showeinlage anzubieten, signalisiert er den Schiedsrichtern: „Hört mal auf, es war kein Foul oder keine Zwei-Minuten-Strafe. Das war alles okay.“ Nach einem weiteren Duell mit Torhüter Andreas Palicka lässt Weber im Kreis liegend vom Löwen-Keeper auf sich einreden. „Er kommt raus und trifft mich im Gesicht. Das ist normal. Alles okay. Es ist sein Raum, den muss er beschützen“, berichtet der Leipziger später. Weber behält in hitzigen Situationen kühlen Kopf und hilft so der Mannschaft. Ganz ohne Provokationen geht es aber dann doch nicht. Nationalspieler Uwe Gensheimer bedachte er vor einem Freiwurf mit Sticheleien. "Ich wollte ihn aus dem Konzept bringen", so Weber. Gensheimer reagierte sichtlich genervt.

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Weber denkt in solchen Situationen zuerst an den Verein, im Hinterkopf spielt aber auch die Nationalmannschaft weiter eine Rolle. Auswahlcoach Christian Prokop ist bei Leipziger Spielen ein häufiger Gast. Weber will sich für die Europameisterschaft im Januar anbieten. „Wenn ich weiter auf dem Niveau spiele, ist der Zug für mich auch noch nicht abgefahren“, glaubt er.

Zunächst geht es aber weiter um Bundesligapunkte. Die nächste Aufgabe wird nicht einfacherer als die beiden zurückliegenden Spektakel in der Arena. Der SC DHfK muss nächste Woche Sonntag auswärts beim THW Kiel antreten. Linksaußen Lukas Binder zeigte sich schon Minuten nach der knappen Heimniederlage am Donnerstag angriffslustig: „Nach dem Spiel gegen Magdeburg haben wir in Melsungen gewonnen.“ Mit anderen Worten: Nach der knappen Pleite gegen die Löwen spielt der SC DHfK auch beim Rekordmeister auf Sieg.

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