31. Oktober 2018 / 19:06 Uhr

SC DHfK Leipzigs Philipp Weber: „Ich bin mit Leipzig sehr verbunden“

SC DHfK Leipzigs Philipp Weber: „Ich bin mit Leipzig sehr verbunden“

LVZ
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Philipp Weber beim Torwurf im Spiel gegen Bietigheim. 
Leipzigs Philipp Weber beim Torwurf im Spiel gegen Bietigheim.  © Christian Modla
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Rückraumspieler Philipp Weber erklärt im Sportbuzzer-Interview, warum er bis 2021 beim SC DHfK bleibt und wie er die Heim-WM noch schaffen will. 

Leipzig. Für die DHfK-Handballer gehen 14 spielfreie Tage zu Ende. Am Sonntag (16 Uhr, Arena) wird es in der Bundesliga gegen Göppingen wieder ernst. Philipp Weber hätte die vergangene Woche gern bei der Nationalmannschaft verbracht, aber das Handballer-Leben ist für den 26-Jährigen derzeit kein Wunschkonzert. Aber er bewies zuletzt beim 20:21 gegen Flensburg ansteigende Form und verlängerte seinen Vertrag in Leipzig bis 2021.

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Wie oft mussten Sie an den Fehlwurf in der letzten Sekunde gegen Flensburg denken?

Nicht oft. Es war die beste Wurfmöglichkeit für uns. Dann triffst du eben und bist der Held oder du verlierst mit einem Tor.

Ist es symptomatisch für diese Saison, dass der Ball nicht reingeht?

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Das trifft es ganz gut. Gegen Kiel war es so ähnlich. Auch bei die Löwen, wo wir spät den Ausgleich kassiert haben. Wenn du oben stehst, gewinnst du solch ein Spiel. Da, wo wir stehen, scheint dir dann, wie man so schön sagt, nicht die Sonne aus dem Arsch. Da müssen wir mit viel Arbeit und Fleiß wieder rauskommen. Jetzt haben wir mit drei Heimspielen die Möglichkeit, endlich in Fahrt zu kommen.

Alen Milosevic und Philipp Weber vor dem Spiel gegen den SC Magdeburg. 
Alen Milosevic und Philipp Weber vor dem Spiel gegen den SC Magdeburg.  © Christian Modla

Was erwarten Sie vom Göppingen-Spiel?

Die haben eine gute Mannschaft, es wird schwer, die Punkte hier zu behalten. Aber wir wissen, was wir zu Hause erreichen können und jetzt steht uns zum Glück mal nicht Kiel oder Flensburg gegenüber. Deswegen müssen wir jetzt abliefern.

Haben Sie die Länderspielpause für besondere Trainingseinheiten genutzt?

Wir waren im Training nicht so viele und haben etwas an den Grundlagen gearbeitet, dazu viel im Ausdauerbereich. Wir hatten auch zwei kranke Spieler, die sich so auskurieren konnten.

Dazu gehörten auch Sie.

Ja, ich war drei Tage in der Heimat und habe mich von Mama pflegen lassen. Wir haben weniger im athletischen Bereich trainiert und mehr die Spaßfaktoren eingebunden.

Philipp Weber beim Jubel nach einem gehaltenen Ball beim Spiel des SC DHfK Leipzig gegen den THW Kiel. Die Leipziger verloren die Partie denkbar unglücklich in letzter Sekunde. 
Philipp Weber beim Jubel nach einem gehaltenen Ball beim Spiel des SC DHfK Leipzig gegen den THW Kiel. Die Leipziger verloren die Partie denkbar unglücklich in letzter Sekunde.  © Christian Modla

Gegen Flensburg gelangen Ihnen neun Treffer. Zufrieden?

Zufrieden ist man nie. Aber es war nach langer Zeit mal wieder eine Leistung, zu der ich sagen konnte: Es war alles in allem in Ordnung. Natürlich hätte ich lieber am Ende ein Tor gemacht und wir gewinnen.

Insgesamt haben Sie 48 Tore in dieser Saison erzielt. Ist das zufriedenstellend?


Gar nicht. Es ist kein Geheimnis, dass die Erwartungshaltung an mich eine ganz andere ist. Auch meine eigenen Erwartungen sind andere. Das Schwierige: Man kommt nicht in den Flow rein, ist dann mit sich selbst unzufrieden, macht sich zu viele Gedanken und wirft nicht so viele Tore wie die letzten Jahre.

Also ziehen die Mannschaft und Sie sich derzeit gegenseitig runter?

Ja, wenn der eine nicht in Form ist, läuft’s für die ganze Mannschaft schlechter und umgedreht. Das ist sicher keine einfache Situation, aber wenn alles nur schön wäre, wäre es auch langweilig. Das ist eine Erfahrung, die der Verein auch mal brauchte, um die nächsten Steps zu machen. Wir müssen jetzt nur einfach die richtigen Schlüsse aus der Situation ziehen.

Und die wären?

Dass wir in vielen Phasen die Winner setzen müssen: Wenn wir mit zwei Toren führen, müssen wir auf das dritte Tor gehen. Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken verlassen und nicht alles Mögliche versuchen.

Phlipp Weber wie ihn das Leipziger Publikum kennt: Impulsiv und mit Leidenschaft dabei. 
Phlipp Weber wie ihn das Leipziger Publikum kennt: Impulsiv und mit Leidenschaft dabei.  © dpa

War die Verpflichtung von Trainer Michael Biegler ein gegenseitiges Missverständnis?

Das steht mir nicht zu. Ich war ein absoluter Verfechter von ihm und habe die Art, wie er mit uns gearbeitet hat, und auch den Kontakt zu ihm sehr gemocht. Von den Ergebnissen lief es zwar nicht optimal, aber er hat uns als Trainer schon weitergebracht.

Warum haben Sie Ihren Vertrag verlängert?

Da gibt es viele Gründe. Ich bin mit Leipzig mittlerweile sehr verbunden. Meine Heimatstadt Magdeburg ist nicht weit weg, ich habe auch hier viele Leute kennengelernt, die mir sehr wichtig sind. Sicherlich hatte ich auch sehr gute Angebote anderer Vereine, mit denen ich international hätte spielen können, aber ich bin der Meinung, dass wir hier noch nicht fertig sind. Ich möchte dazu beitragen, dass der Klub auch irgendwann international spielt. Ich sehe meine Mission hier noch nicht beendet.

Sie glauben hier an das „Projekt Europa“?

Absolut. Die letzten beiden Jahre haben uns dazu vielleicht sechs, sieben Punkte gefehlt und wenn wir uns stetig verbessern, sehe ich das als realistisches Ziel an. Der Verein wird immer professioneller und wird auch für Spieler von internationalem Kaliber irgendwann interessant.

Finanziell hinkt der SC DHfK hinterher...

Ach, wir sind mit unserem Fünf-Millionen-Etat bestimmt unter den Top Ten der Liga. Was man mit wenig Geld leisten kann, habe ich in Wetzlar erlebt. Da hatten wir noch weniger Geld, haben aber eine Saison aus dem Bilderbuch gespielt und waren am Ende Sechster.

Philipp Weber wurde zuletzt von Trainer Christian Prokop nicht für das Nationalteam berücksichtigt. Doch aufgegeben hat er seinem Traum von der WM im eigenen Land noch nicht. 
Philipp Weber wurde zuletzt von Trainer Christian Prokop nicht für das Nationalteam berücksichtigt. Doch aufgegeben hat er seinem Traum von der WM im eigenen Land noch nicht.  © imago/Camera 4

Franz Semper feierte sein Debüt im DHB-Team, Sie hatten frei. Ihre Erklärung?

48 Tore sprechen eine klare Sprache. Da war es auch nicht berechtigt, dass ich nominiert werde. Wenn ich meine Form wieder bringe, werde ich auch wieder Teil der Nationalmannschaft sein.

Ist der WM-Zug für Sie abgefahren?

Ich versuche weiter alles, denn es ist mein Kindheitstraum. Man hat vielleicht einmal im Leben die Chance, bei einer Heim-WM zu spielen. Die will ich ergreifen.

Christian Dittmar

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