20. Juli 2022 / 06:51 Uhr

Mit Heimkehrer Ginter und neuer Offensivpower: Wie der SC Freiburg dem Europa-Stress trotzen will

Mit Heimkehrer Ginter und neuer Offensivpower: Wie der SC Freiburg dem Europa-Stress trotzen will

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Matthias Ginter (links) ist einer der Hoffnungsträger des SC Freiburg für die anstehende Saison.
Matthias Ginter (links) ist einer der Hoffnungsträger des SC Freiburg für die anstehende Saison. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur (Montage)
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Der SC Freiburg steht nach der Qualifikation für die Europa League vor einer strapaziösen Saison. Der Klub reagierte und vergrößerte den Kader mit punktuellen Verstärkungen. Neuer Abwehrchef ist Heimkehrer Matthias Ginter. In der Offensive gibt es frische Power.

Platz sechs in der Bundesliga-Tabelle, Finale im DFB-Pokal: Wer dem SC Freiburg vor ziemlich genau einem Jahr vorausgesagt hätte, wie sich die folgenden Monate entwickeln, hätte wohl selbst von den Verantwortlichen des Klubs allenfalls ein Stirnrunzeln geerntet. Klar, die Breisgauer gehören mittlerweile schon zum Inventar der deutschen Eliteklasse. Aber auch klar: Irgendwie sind die Freiburger in der öffentlichen Wahrnehmung immer ein wenig unter dem Radar unterwegs. Das mag angesichts der glänzenden Arbeit und der Ergebnisse der letzten Saison nicht ganz fair sein. Doch es dürfte Trainer Christian Streich und seiner Truppe insgesamt auch gelegen kommen. Gern sieht man sich als das, zu dem man vielerorts immer noch gemacht wird. Als Underdog.

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Es wird solide gewirtschaftet, kontinuierlich gearbeitet und das eigene Personal weiterentwickelt. In schwierigen Phasen neigen Streich, Sportvorstand Jochen Saier und die übrige Klubführung nicht zur Panik. In Momenten großer Erfolge hält man Überbordende Euphorie für fehl am Platz. Wer nach der zurückliegenden Spielzeit also auf Kampfansagen und Champions-League-Ambitionen wartet - kann in Freiburg lange warten. Das Motto: Die Ergebnisse werden schon zeigen, wie gut man seinen Job macht und wie klug die Entscheidungen auf dem Transfermarkt waren. Der Blick auf den derzeitigen Kader offenbart schon jetzt, dass die Freiburger sich nicht verschlechtert haben dürften.

Nico Schlotterbeck, dessen Job-Beschreibung in Streichs Defensive "Abwehrchef", "Fels in der Brandung" und "Anführer" beinhaltete, verteidigt zwar künftig für Borussia Dortmund. Als Ersatz zog man aber einen alten Bekannten an Land, der mindestens ebenso gut nach Freiburg passt, wie dessen für 20 Millionen Euro zum BVB abgewanderter Nationalmannschaftskollege: Matthias Ginter. Der 28-Jährige kehrte nach Stationen in Dortmund und bei Borussia Mönchengladbach in seine Geburtsstadt zurück. Dorthin also, wo er im Januar 2012 seine ersten Bundesliga-Minuten absolvierte und eine gute Viertelstunde nach seiner Einwechslung den Siegtreffer gegen den FC Augsburg köpfte. Der Mann mit dem glücklichen Joker-Händchen hieß schon damals Streich.

"Ich habe sogar vergessen, ihn in der Kabine zu begrüßen", sagte der Trainer beim Auftakt der Vorbereitung über seinen neuen Defensivboss: "Er war ja eine Zeit lang weg, aber eben auch eine lange Zeit da." Ginter, der nach seinem Vertragsende in Gladbach wohl auch namhaftere Optionen als seinen Jugendverein gehabt hätte, bezeichnete die ersten Arbeitstage derweil als ein "Heimkommen". Ein Wort, das nicht nur seinen persönlichen Wohlfühlfaktor bei den Schwarzwäldern perfekt beschreibt.

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Neben Ginter sollen davon auch die drei weiteren bislang feststehenden Neuen profitieren. Stürmer Michael Gregoritsch kam im Tausch für Ermedin Demirovic vom FC Augsburg und bringt reichlich Bundesliga-Erfahrung mit. Rechtsaußen Ritsu Doan, mit einer Ablöse in Höhe von 8,5 Millionen Euro der bislang teuerste Freiburger Einkauf des Sommers, kommt von der PSV Eindhoven und lief in der höchsten deutschen Spielklasse einst bereits für Arminia Bielefeld auf. Der offensive Mittelfeldspieler Daniel-Kofi Kyereh gehörte beim FC St. Pauli in der vergangenen Saison zu den herausragenden Spielern der 2. Liga (zwölf Tore, zehn Vorlagen) und kostete rund 4,5 Millionen Euro.

Routinier Nils Petersen erwartet angesichts der drei gestandenen Zugänge für die Offensive "ein Hauen und Stechen" um Einsatzzeiten. Streich wird der intensive Konkurrenzkampf freuen - zumal der Coach mit seinem Team durch die Teilnahme an der Europa League vor einer Saison mit Dreifach-Belastung steht. "Der Kader wird größer, denn wir haben sechs Spiele mehr", sagte der 57-Jährige: "Wir haben keine Angst vor der Situation."

Prognose des Autors: Tatsächlich wird viel davon abhängen, wie die Freiburger die zusätzlichen Strapazen durch den Europapokal wegstecken. Gelingt dies, dürfte mindestens ein Platz in der oberen Tabellenhälfte herausspringen.

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