03. Dezember 2019 / 17:04 Uhr

SC Hainberg setzt auf Videoanalyse und Bewegungsprofile

SC Hainberg setzt auf Videoanalyse und Bewegungsprofile

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Lukas Zekas (links) und Lars Willmann arbeiten am Touchscreen-Monitor im Vereinsheim des SC Hainberg ein Spiel auf.
Lukas Zekas (links) und Lars Willmann arbeiten am Touchscreen-Monitor im Vereinsheim des SC Hainberg ein Spiel auf. © Warda
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Die Technik spielt im Fußball eine immer größere Rolle – und das nicht nur auf dem Platz: Der SC Hainberg gehört zu den ersten Landesligisten, die in Training und Spiel auf Videoanalyse in Verbindung mit GPS-Tracking, also Bewegungsanalyse der Spieler, setzen.

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Die GPS-Tracker, deren Signale per Satellit verarbeitet werden, gehören zum Analyse-Zubehör des Unternehmens Tracktics, auf das der SC Hainberg seit Saisonbeginn zurückgreift. Den Spielern ist ein Signalgeber zugeordnet, der vor dem Einsatz per Riemen um den Bauch geschnallt wird. Wenn die App den Platz per Google Maps kartographiert hat, was nur wenige Sekunden dauert, werden das Bewegungsprofil aufgezeichnet und weitere Daten gespeichert.

Unter anderem werden Distanz und Sprints gemessen

In der Analyse ergibt sich dann beispielsweise für das Hainberger Landesligaspiel gegen den SC Reislingen-Neuhaus, dass die Spieler zusammengenommen eine Distanz von 104,1 Kilometern zurückgelegt und 176 Sprints absolviert haben, wobei im Landesliga-Modus der App Sprints ab einer Geschwindigkeit von 21,4 km/h als solche gewertet werden. Schnellster Hainberger Spieler ist übrigens Freddy Goddon, die meisten Kilometer spulte zumindest im Reislingen-Spiel Joschka Bettermann ab.

Lukas Zekas: Chefscout der litauischen Nationalmannschaft

Der 27-jährige Lukas Zekas hat in seiner Jugend für Hannover 96 gespielt und später beim I. SC 05. Sein 41-jähriger Co-Trainer Lars Willmann verfügt über die C-Lizenz, Zekas ist noch B-Lizenzinhaber und kann bald die A-Lizenz vorweisen. Aktuell arbeitet er an der Sporthochschule Köln an seiner Bachelor-Arbeit und hat dort eine Zeit lang mit anderen Studenten, dem sogenannten „Team Köln“, Analysen für die Deutsche Nationalmannschaft erstellt. Zekas, dessen Vater Arunas in Göttingen ein bekannter Fußballer war, ist als Chefscout für die litauische Nationalmannschaft tätig – und hat vor geraumer Zeit seine Fußballschuhe ganz bewusst an den Nagel gehängt: Spielanalysen und Trainer-Job, das ist seine Welt.

Parallel dazu kommt bei Spielen ein Kamerasystem zum Einsatz, über das die Partie komplett aufgezeichnet wird. An der Kamera stehen dann Co-Trainer Arunas Zekas oder Torwarttrainer Piotr Podolczak. Auch die zwei SCH-Betreuer bringen sich ein. Ligakonkurrent SVG zeichnet ebenfalls seit einiger Zeit die Spiele vollständig auf.

SCH-Spieler Alex Kern legt vor dem Training den Tracktics-Gurt um.
SCH-Spieler Alex Kern legt vor dem Training den Tracktics-Gurt um. © Andreas Ambs
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Nach der Partie werden die Tracking-Daten per WLAN an das Tablet von SC-Trainer Lukas Zekas übertragen, von wo aus sie mit den Basisdaten der Tracktics-App zusammengebracht werden. Nun erst wird es spannend – und hilfreich: Weil Co-Trainer Lars Willmann während des Spiels minutengenau Ereignisse wie Tore, Chancen oder Fouls erfasst hat, muss bei der Analyse die entsprechende Szene nicht lange gesucht. Lukas Zekas investiert in die Nachbereitung der Spiele ein bis zwei Tage.

Ziel des ganzen Aufwands ist, das Spiel der Mannschaft, aber auch das Leistungsvermögen jedes einzelnen Akteurs zu optimieren. „Wo hat sich der Spieler während der Partie am meisten aufgehalten?“ Die Antworten auf diese und andere Fragen geben Aufschluss über den Trainingsbedarf. „Das Spiel wird taktisch runtergebrochen“, sagt Zekas.

Datenerhebung trägt auch zur Motivation bei

Bisher habe nur ein Spieler einmal darum gebeten, den Gurt ablegen zu dürfen – und das nicht aus Gründen des Datenschutzes, sondern weil er gekratzt habe. Grundsätzlich trage die Datenerhebung laut Willmann zur Motivation bei: „Die Spieler sagen sich: Das nächste Mal mache ich ein paar Meter mehr. Ich möchte derjenige sein, der Vollgas gibt, und mich steigern.“ Ganz wichtig sei aber: „Wir zwingen keinen.“

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Zekas und Willmann nutzen für die Analyse die technische Ausstattung des SC Hainberg, unter anderem einen riesigen Touchscreen-Monitor in der oberen Etage des Vereinsheims. Für die Ausrüstung – das Tracktics-Zubehör hat 2500 Euro gekostet, das Kamerasystem noch mal 2750 Euro – wurden vor der Saison Sponsoren gefunden.

Trainer Lukas Zekas stellt den Einsatz von Tracktics beim SC Hainberg vor

Die Bemühungen rund um das Team des SC Hainberg sind groß, zumal auch noch eine Kooperation mit dem Athleticum Junge vereinbart wurde. „Wir zahlen den Spielern kein Geld, versuchen aber, ihnen professionelle Strukturen und Rahmenbedingungen zu bieten“, sagt Willmann über die Beweggründe.

„Wir sind als vierköpfiges Trainerteam gut eingespielt, und es macht trotz des ganzen Stresses Spaß“, sagt Zekas. „Wir sind halt Fußballer durch und durch, und uns macht es nichts aus, die Daten zu analysieren. Im Gegenteil“, berichtet Willmann.

"Daten schießen keine Tore"

SCH-Trainer Zekas stellt aber auch klar: „Daten schießen keine Tore“ – und eine Überdosis an Informationen könne auch kontraproduktiv sein. Für die gemeinsame Rückschau auf die Partie plant Zekas maximal 15 bis 20 Minuten ein, wobei die Videosequenzen, die der Trainer nach seiner Analyse vorbereitet hat, um die drei Minuten lang sind. Für die Spieler werden außerdem die Aufzeichnungen der Partien im YouTube-Kanal hochgeladen, jeder erhält seine persönlichen Analysedaten.

Der SCH überwintert auf dem letzten Platz der Tabelle, „und man kann nun sagen: Was bringt das, wenn ihr ganz unten steht?“, sagt Zekas selbstkritisch. „Aber ich bin überzeugt, dass es auf lange Sicht besser wird.“

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