26. September 2021 / 10:48 Uhr

"Absolut perfekter Tag": Als Hemmingen den doppelten Landesliga-Aufstieg feierte

"Absolut perfekter Tag": Als Hemmingen den doppelten Landesliga-Aufstieg feierte

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ganz viele glückliche Aufsteiger: Das Frauen- und Männerteam des SC Hemmingen-Westerfeld feiert Ende Mai 2018 gemeinsam den Einzug in die Landesliga.
Ganz viele glückliche Aufsteiger: Das Frauen- und Männerteam des SC Hemmingen-Westerfeld feiert Ende Mai 2018 gemeinsam den Einzug in die Landesliga. © Dennis Michelmann
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Der 27. Mai 2018 ist für den SC Hemmingen-Westerfeld ein denkwürdiger, nein, "ein absolut perfekter Tag" gewesen, wie Sven Othersen sagt. Warum? Die 1. Herren und die Frauen feierten gemeinsam - und zwar den doppelten Aufstieg in die Landesliga. Und sicher war der im Vorfeld nicht gewesen.

Es ist der 27. Mai 2018: Als Gean Rodrigo Baumgratz, besser bekannt als Tigrinho, im letzten Heimspiel der Saison 2017/18 gegen den SV Gehrden Sekunden vor dem Halbzeitpfiff einen Freistoß direkt zum 2:2 verwandelte, war für Semir Zan klar, dass am Ende dieses 29. Spieltages in der Bezirksliga 3 der Aufstieg des SC Hemmingen-Westerfeld stehen würde.

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„Tigrinho, der nach 50 Sekunden schon das 1:0 erzielt hatte, war der Spieler, der den Unterschied gemacht hat“, lobt der damalige Coach den Deutsch-Brasilianer, der gerade erst nach längerer Pause zum 1. FC Germania Egestorf/Langreder zurückgekehrt ist. „Er hat die anderen Spieler mitgezogen, denen durch das 1:1 und 2:1 der starken Gehrdener zwischenzeitlich die Beine spürbar schwer geworden waren“, erzählt Zan.

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Nach dem Ausgleich sei ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, so Zan. Marvin Toleikis (56. Minute) und Michael Gerlach (88.) sorgten für den 4:2-Endstand. „Am Ende haben wir verdient gewonnen und den Fünf-Punkte-Vorsprung vor dem TSV Bemerode verteidigt.“ Vor rund 350 Zuschauern war dem SCH damit im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in die Bezirksliga das ganz große Ding gelungen. „Wir wollten es unbedingt an diesem Spieltag entscheiden, weil wir beim Saisonfinale zur SV Arnum mussten. Und angesichts der Qualität der Arnumer und der Riesenrivalität zwischen den beiden Vereinen wäre alles möglich gewesen“, sagt Zan.

Was diesen Tag, den 27. Mai 2018, zu einem noch besondereren werden ließ, ergänzt Manager Sven Othersen. „Dass unsere Frauen am selben Tag ebenfalls gegen den SV Gehrden spielen mussten und sich mit einem 2:1-Auswärtserfolg praktisch ebenfalls den Landesliga-Aufstieg sicherten, hat dem ganzen noch eine ganz spezielle Note gegeben.“

Patzer der Konkurrenz gnadenlos ausgenutzt

Die Hemmingerinnen nutzten einen Ausrutscher des ärgsten Konkurrenten SG Heinde/Wesseln, der einen Tag zuvor verloren hatte, gnadenlos aus. Othersen selbst hatte das Frauenteam im September übernommen und dann zum Titel geführt. „Die Frauen haben die Männer dann natürlich lautstark angefeuert – am Ende war es ein absolut perfekter Tag.“

Unerwartet kam der Aufstieg der Hemminger Männermannschaft nicht. Bereits im Jahr zuvor hatte sie als Aufsteiger oben mitgemischt und war am Ende Dritter geworden. „Wir mussten eigentlich nichts groß verändern, haben personell nur ein bisschen nachjustiert“, erinnert sich Othersen. „Wir hatten einfach eine starke Mannschaft, die zudem unheimlich zusammengewachsen war und sich auch enorm weiterentwickelt hatte. Und mit Semir gab es dazu auch einen sehr guten Trainer. “


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Das Ziel Aufstieg sei damals von Anfang an klar gewesen. „Es hätte schon mit dem Teufel zugehen müssen, wenn wir nicht eine ernste Rolle beim Kampf um den Titel gespielt hätten. Wir hatten das spielstärkste Team. Wir sind enorm dominant aufgetreten, vor allem in den direkten Duellen – gegen Arnum, Döhren und Koldingen.“

Mit Fabian Klein als Abwehrchef, Metehan Kayhan und Mustafa Akcora im zentralen Mittelfeld, dem offensiven Freigeist Tigrinho sowie den beiden äußerst agilen und torgefährlichen Stürmern Michael Gerlach und Steven Melz sei das Team von einer starken, belastbaren Achse getragen worden. „Dazu haben die Jungs das alles auch noch im Kollektiv als Mannschaft einfach super und sehr konstant gelöst“, sagt Zan.

Hemminger lassen sich nicht aus Konzept bringen

Vom 6. Spieltag an habe das Team immer auf Rang eins oder zwei gelegen, ab dem 17. Spieltag sogar permanent auf dem Platz an der Sonne gethront, erinnert sich Othersen. Selbst die beiden Niederlagen unmittelbar vor der Winterpause hätten das Team nicht aus dem Konzept gebracht.

„Wir sind dann hervorragend ins neue Jahr gestartet und haben im Prinzip bis zum Ende perfekt durchgezogen.“ Am Ende wurden aus fünf Punkten Vorsprung nach 28 Spielen vor den ebenfalls starken Bemerodern sogar elf nach dem letzten Auftritt in Arnum: 73 Punkte und 99:33 Tore sprechen eine deutliche Sprache.

„Das Schöne ist: Aus dieser Mannschaft sind mehr als die Hälfte heute noch bei uns“, freut sich Othersen über die große Identifikation der Spieler. Einige von ihnen wie Melz, Kayhan sowie Joel Wauker und Malte Uphoff seien sogar schon seit Kreisliga-Zeiten dabei.

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Apropos Kreisliga: Der ehemalige SCH-Trainer Zan, der zu dieser Saison als Co-Trainer zum SCH zurückgekehrt ist, stuft persönlich noch ein zweites Spiel während seiner damaligen Zeit als Hemminger Coach als sehr erinnerungswürdig ein. „Als wir in der Saison 2015/2016 als Kreisliga-Zweiter in der Relegation gegen den Bezirksligisten TSV Fortuna Sachsenross um den Aufstieg gekämpft haben, hatte diese Partie eine spezielle Note für mich“, sagt Zan.

Schließlich sei er im Jahr zuvor, nach seiner Bekanntgabe, vom damaligen Landesligisten zum Kreisligisten nach Hemmingen wechseln zu wollen, vorzeitig von seinen Aufgaben beim TSV entbunden worden. „Deshalb hatte dieses Duell für mich eine besondere Brisanz.“

Vor 853 Zuschauern brachten die Hemminger am 7. Juni 2016 auf eigener Anlage die Sachsenrösser mächtig in Trab, gewannen mit 2:0 und waren wieder Bezirksligist. „Auf der Anlage war so viel los, dass die Partie 15 Minuten später angepfiffen werden musste“, erinnert sich Zan. „Die Stimmung bei diesem Spiel war echt unfassbar.“