04. Mai 2020 / 13:26 Uhr

Nach langer Leidenszeit: Hemmingens Sebastian Baar will endlich wieder kicken

Nach langer Leidenszeit: Hemmingens Sebastian Baar will endlich wieder kicken

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sebastian Baar (links, noch im Egestorfer Trikot gegen Drochtersens Laurens Rogowski) will wieder zusammen in der Kabine sitzen, sich vor einem Spiel einschwören, gemeinsam rausgehen und alles dafür zu tun, um die drei Punkte zu holen. Und einen Sieg anschließend feiern, wie einst mit der Germania und dem heutigen 96-Profi Hendrik Weydandt (eingeklinkt, links).
Sebastian Baar (links, noch im Egestorfer Trikot gegen Drochtersens Laurens Rogowski) will wieder "zusammen in der Kabine sitzen, sich vor einem Spiel einschwören, gemeinsam rausgehen und alles dafür zu tun, um die drei Punkte zu holen". Und einen Sieg anschließend feiern, wie einst mit der Germania und dem heutigen 96-Profi Hendrik Weydandt (eingeklinkt, links). © Mirko Haendel/Stefan Zwing
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Sebastian Baar ist heiß auf Fußball. Nach zehnmonatiger Verletzungspause durfte der frühere Egestorfer Ende Januar in einem Test des SC Hemmingen-Westerfeld endlich wieder kicken. Die Zerrung, die er sich dabei zuzog, war schnell auskuriert, doch mit Corona kam die nächste lange Zwangspause.

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Für Sebastian Baar ist der 29. Januar ein ganz besonderer Tag gewesen. Nach einer zehnmonatigen Verletzungspause stand er in einem Testspiel erstmals wieder auf dem Platz. Dass es zudem das erste Mal war, dass er das Trikot seines neuen Vereins SC Hemmingen-Westerfeld überstreifen konnte, machte den Moment noch spezieller.

"Am meisten vermiss ich das Teamgefüge"

Ein Ziehen im Oberschenkel beendete das Comeback jedoch nach lediglich 15 Minuten wieder. Und als Baar diese Zerrung auskuriert hatte, setzte die Corona-Unterbrechung ein. Seine Leidenszeit ging direkt in eine Wartezeit über – die fußballlose Zeit scheint kein Ende zu nehmen.

„Am meisten vermisse ich das Teamgefüge“, sagt Baar. „Zusammen in der Kabine sitzen, sich vor einem Spiel einschwören, gemeinsam rausgehen und alles dafür zu tun, um die drei Punkte zu holen – das will ich wieder haben.“

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Der 25-Jährige hatte eine Knieverletzung seit Mai 2018 mit sich herumgeschleppt, für seinen damaligen Verein 1. FC Germania Egestorf/Langreder häufig unter Schmerzen in der Regionalliga gespielt. Als er sich im April vergangenen Jahres dafür entschieden hatte, anstatt sich weiter zu quälen, das malade Knie im Sommer operieren zu lassen, musste Baar tatenlos zusehen, wie die Egestorfer in die Oberliga abstiegen.

Die Welt bricht nur kurz zusammen

„Nach der Operation sollte es schneller gehen, doch die starken Schmerzen im Knie verzögerten alles“, sagt der Dribbelkünstler. Mittlerweile zum Landesligisten aus Hemmingen gewechselt, musste er bis zur Rückrundenvorbereitung 2020 warten, um wieder ins Training einsteigen zu können.

Und dann war er da, der Moment der Rückkehr. Beim Vorbereitungsspiel gegen die U23 von Hannover 96 wurde der offensive Mittelfeldspieler von SCH-Trainer Frank Sledz in der 60. Minute eingewechselt. „Es hat sich so gut angefühlt, wieder ein Trikot zu tragen“, erinnert sich Baar. Das Zwicken im Oberschenkel wurde aber nach und nach stärker, eine Viertelstunde später musste er wieder raus. Hinterher stellte es sich als leichte Zerrung heraus, doch im ersten Moment brach für ihn die Welt zusammen. „Das war ein ganz böser Rückschlag nach der langen Zeit der Schmerzen“, sagt der ausgebildete Sportmanager.

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Immerhin hatte das Knie gehalten, und nach einigen Wochen Pause kehrte er in den Trainingsbetrieb zurück. Doch der nächste Bremsklotz in Form der Corona-Krise ließ nicht lange auf sich warten. „Mit solch einer Pandemie kann natürlich keiner rechnen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so lange nicht Fußball spielen würde. Und dann kommt auch noch dieser Ausnahmezustand hinzu“, sagt er. Das mache es für ihn noch härter – „aber es gibt ja nichts, was wir dagegen tun können“.

Beruflich hat sich Baar umorientiert – sein Lehramtsstudium der Geschichte und Germanistik findet zurzeit notgedrungen weitgehend über Videokonferenzen statt. Der Kontakt zu den Kommilitonen fehlt, dafür fallen An- und Abreise zum Studienort Braunschweig weg.

Als Trainer bei Hannover 96 tätig

Auch in seinem Lieblingssport interessierte er sich schon früh für das Ausbilden und landete nach seiner Trainerlizenz beim Mädchenfußballstützpunkt des Niedersächsischen Fußballverbandes. „Ich wollte aber Fußball nach meinen eigenen Ideen spielen lassen und nicht nach DFB-Vorgaben“, sagt Baar, der fortan in der Akademie von Hannover 96 coachte.

Die U17-Juniorinnen führte er zur Niedersachsenmeisterschaft, bis vor Kurzem trainierte er zusammen mit Lars Gänsicke die Regionalliga-Frauen, nun ist er zum Chefcoach aufgestiegen. „Ich fühle mich geehrt, dass einem Trainer in so jungen Jahren so ein Job angeboten wird“, sagt der 25-Jährige, der jünger als viele seiner Spielerinnen ist. Dass seine Freundin und seine Schwester Teil der Mannschaft sind, sei für ihn eine außergewöhnliche Situation – jedoch der angenehmeren Art.

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Zum Saisonauftakt in der Bezirksliga 2 erlebte Marius Fennel mit der SG Blaues Wunder ein Wechselbad der Gefühl. Erst lief gegen Iraklis Hellas fast nichts zusammen, dann wendete der 29-Jährige mit zwei Treffern das Blatt. Doch in der Nachspielzeit gab es noch den Ausgleich. Die beiden Tore - per Direktabnahme aus 20 Metern und nervenstark vom Punkt - und 40,6 Prozent der Stimmen machten ihn zum ersten Held der Woche der Spielzeit 2019/20. ©

Der Außenbahnspieler steht aber lieber auf dem Platz als an der Seitenlinie. In der Jugend des TSV Isernhagen groß geworden, kam er über die Nachwuchsabteilungen von Hannover 96 und TSV Havelse in die U19 nach Egestorf, aus der 2014 das Aufrücken in die Männermannschaft erfolgte.

"Ich kann es kaum erwarten"

Seinen Spitznamen „Deister-Messi“, den Baar bei der Germania aufgrund der vorhandenen Ähnlichkeit mit dem Barcelona-Star Lionel Messi sowohl im Aussehen als auch in den Bewegungen auf dem Platz erhielt, hört er in Hemmingen nicht mehr – was ihn nicht stört. Es sei zwar eine Ehre, so genannt zu werden, „ich habe aber auch einen gewissen Druck verspürt, mit dem besten Fußballer der Welt auf dem Platz verglichen zu werden“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Wie sie ihn rufen, dürfte Baar momentan relativ egal sein – solange er denn wieder aktiv seiner großen Leidenschaft nachgehen darf. „Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich wieder so weit ist“, sagt der Vollblutfußballer – denn seine Warteschleife ist viel länger als bei den meisten anderen Kickern.