06. Juni 2019 / 18:35 Uhr

Paderborns Fans sauer, RB Leipzig-Fans schweigen

Paderborns Fans sauer, RB Leipzig-Fans schweigen

Fabian Held
Leipziger Volkszeitung
Viele Fans des SC Paderborn halten nichts von einer Kooperation mit RB Leipzig.
Die Fans des SC Paderborn wollen die Unterstützung des Teams einstellen, sollte die Kooperation mit RB Leipzig tatsächlich zustande kommen. © dpa/Montage
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Eine mögliche Kooperation zwischen dem SC Paderborn und RB Leipzig sorgt für Diskussionen. Die Konkurrenz fürchtet Wettbewerbsverzerrung.

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Leipzig/Paderborn. Der Spott ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Am Mittwoch stellte der SC Paderborn sein neues Trikot vor. Traditionell blau-schwarz, mit angedeuteten Streifen und einem schicken Farbverlauf. Was den Fans sofort auffiel: Kein Sponsor auf der Brust. „Ohne ‚RasenBallsport‘-Logo? Ach so, kommt noch. Deswegen keinen Trikot-Sponsor“, schrieb ein Fan auf Twitter. Andere montierten das Logo mit den beiden Bullen flux per Photoshop auf das neue Hemd.

Grund für die Häme ist eine Kooperation zwischen dem SC Paderborn und RB Leipzig. Wie die genau aussieht? Weiß keiner. Was sie genau bringt? Bleibt abzuwarten. Aber das Wort Kooperation löste erst bei den Fans, später bei verschiedenen Verantwortlichen Schnappatmung aus und ließ am Ende die Vereinsführung der Paderborner zurückrudern.

Doch von vorne: Am Dienstag gaben beide Vereine bekannt, dass Markus Krösche von der Pader an die Pleiße wechselt. Im Zuge dessen teilte der SCP auf seiner Homepage mit: „Der SCP 07 vereinbarte mit RB Leipzig eine langfristige Kooperation im sportlichen Bereich mit dem Ziel, sich zu unterstützen und das jeweils vorhandene sportliche Potenzial bestmöglich auszunutzen.“ Der Präsident des Clubs, Elmar Volkmann, freute sich schon mal auf die „intensive Zusammenarbeit im sportlichen Bereich“. So weit, so nebulös.

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Paderborn-Fans wollen Unterstützung einstellen

Bei den Fans in Westfalen kam das Ganze wenig gut an. Kaum einen Tag später veröffentlichte die aktive Fanszene von Paderborn einen Brief. Darin hieß es, dass die Fans die Unterstützung einstellen würde, sollte die Kooperation umgesetzt werden. „Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig Kooperation“, heißt es drastisch. Die Anhänger wollen nicht, dass ihr Club zu einem Farmteam der Leipziger wird, auch wenn das sportlich vielleicht eine Verstärkung darstellen würde. Dazu fühlen sich die Fans mit ihren Werten und Vorstellungen verraten. „Darüber hinaus gefährdet eine umfassende Kooperation mit einem Ligakonkurrenten aus unserer Sicht den fairen Wettbewerb erheblich“, schreiben die Paderborner Fans.

Über diesen Punkt ärgern sich auch viele Fans anderer Vereine. Was, wenn Leipzig am Ende der Saison im tabellarischen Niemandsland steckt und Paderborn einen Punkt zum Klassenerhalt braucht? Sieht dann die Kooperation ein 0:0 vor? Genau diesen Punkt sieht auch Alexander Wehrle, Geschäftsführer beim 1. FC Köln kritisch. „Wir sprechen hier immerhin von zwei Clubs aus derselben Liga. Da bin ich schon sehr überrascht, das sollte man genau prüfen“, sagte er dem „Kicker“. „Hier werden ohne Not Angriffsflächen geschaffen.“

Und so sah sich am Ende der SC Paderborn dazu genötigt, erneut zu der Kooperation Stellung zu beziehen. Es gehe lediglich um einen Austausch von Know-How, einen Wissenstransfer bei Jugendtrainern und dergleichen. Zwar sei auch über Leihen gesprochen worden, doch dies stehe nicht im Fokus. Etwas schnippisch sind die letzten Zeilen der Vereinsmitteilung: „Im Übrigen ist der Austausch von Know-How zwischen Bundesliga-Klubs völlig üblich und findet dieser in vielen Bereichen statt. Dies wird von uns auch überaus positiv gesehen, da dadurch die Qualität innerhalb der Liga konstant gesteigert wird und letztlich alle davon profitieren. Die Integrität des Wettbewerbes und die Rivalität in der Liga werden davon in keinster Weise beeinträchtigt.“

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Langfristige Zusammenarbeit und Hilfe im Bereich Marketing

Also alles halb so wild? Ganz so einfach ist die Sache nicht: Denn auf der Pressekonferenz der Leipziger klang das schon anders. Da war durchaus davon die Rede, Spieler zu verleihen, langfristig zusammenzuarbeiten und im Marketing unter die Arme greifen zu wollen. Eine ähnliche Kooperation sollte es auch mal mit Erzgebirge Aue geben, die scheiterte an Widerstand der Auer Fans.

Einige aktive Leipziger Fans wollten sich auf SPORTBUZZER-Nachfrage nicht äußern. Man wisse noch zu wenig, begründeten einige. Carl Denkinger (22), Jura-Student und seit sechs Jahren mit einer Dauerkarte bei jedem Heimspiel im B-Block, meint: „Die DFL legt viel Wert auf die Integrität des Wettbewerbs und das ist auch gut so. Wenn man keine Zusammenarbeit möchte, dann konsequent. Dann wäre auch die Kooperation von Dynamo Dresden und Bayern München problematisch.“ Die Dresdner lassen sich bei der Digitalisierung unter die Arme greifen. Um andere Vereine zu beraten, haben die Münchner eine eigene Agentur gegründet. Am Ende sagt Denkinger noch: „Diese Kooperation ist auch nur eine Absichtserklärung.“

Die Paderborner Fans sind dagegen immer noch sauer, haben ihre Meinung auch nach dem neuerlichen Statement ihres Vereins erneut bekräftigt. In den kommenden Wochen soll ein Gespräch mit dem Präsidenten stattfinden.

Mit Anton Kämpf und dpa

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