17. Januar 2021 / 18:26 Uhr

SC Wittstock nimmt an Online-Liga teil

SC Wittstock nimmt an Online-Liga teil

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Sandra Schmidt ist eine von acht Denksportlern, die in der zweiten Saison der Deutschen Schach-Online-Liga für den Schachclub Wittstock an die Bretter gehen. Mit ihrem Heimatverein möchte die Schiedsrichterin in der Gruppe A der 6. Liga viele Erfolge feiern.
Sandra Schmidt ist eine von acht Denksportlern, die in der zweiten Saison der Deutschen Schach-Online-Liga für den Schachclub Wittstock an die Bretter gehen. Mit ihrem Heimatverein möchte die Schiedsrichterin in der Gruppe A der 6. Liga viele Erfolge feiern. © Frank Müller
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3000 Spieler in 385 Mannschaften: Wittstocker Denksportler um Sandra Schmidt sind Teil der am Montag startenden zweiten Saison der Schach-Online-Liga.

Der Amateursport in Ostprignitz-Ruppin, ja sogar auf nationaler Ebene, steht still. Selbst der Trainingsbetrieb ist wegen der Corona-Pandemie untersagt – die Fußballer vermissen das runde Leder, die Volleyballer das Netz, die Tischtennis-Asse die Platte und die Kegelfreunde die Bahn. Sogar die Schachvereine sind seit Monaten zum Pausieren gezwungen, Teamwettkämpfe sind nicht erlaubt. Die Denksportler vom SC Wittstock haben nun aber eine Alternative gefunden und sind Teil der zweiten Runde der Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL) – um weiterhin fit im Kopf zu bleiben und das Wir-Gefühl am Leben zu erhalten.

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„Wir hatten das bereits im letzten Sommer geplant, dann aber die Anmeldung verpasst. Jetzt freuen wir uns auf die Teilnahme“, erklärt Sandra Schmidt vom Schachclub aus der Dossestadt. Die 31-Jährige hat sich vorab um die organisatorischen Dinge bemüht, dem virtuellen Saisonstart heute Abend steht nichts im Weg. Sage und schreibe 385 Vereine und fast 3000 Sportler nutzen in 13 Ligen mit 50 Staffeln die aufstrebende Alternative zum unterbrochenen Spielbetrieb. Im Vergleich zur Premiere sind die Teilnehmerzahlen um mehr als 50 Prozent gewachsen – auch nationale Topspieler wie die Großmeister Alexander Donchenko, Matthias Blübaum, Georg Meier oder Vincent Keymer lassen sich dieses Breitenschachevent nicht entgehen.

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In ihre Achter-Staffel starten die Wittstocker als Außenseiter, zumindest wenn man dem DWZ (Deutsche Wertungszahl)-Durchschnitt Glauben schenkt. „Wir haben den niedrigsten Wert, müssen das Feld von hinten aufräumen, haben aber ambitionierte Ziele und wollen jeden Vergleich für uns entscheiden“, sagt Sandra Schmidt, die sich mit ihren Vereinskollegen zum Auftakt mit dem SC Caissa Falkensee I auseinandersetzen darf. „Schön, dass es neben den vielen unbekannten Mannschaften auch ein Lokalderby gibt“, sagt die gebürtige Blumenthalerin, die eher zufällig die Faszination Schach für sich entdeckte: „Ich habe während meines BWL-Studiums in Brandenburg/Havel einen Simultanspieler gesehen. Das hat mir gefallen, ich habe die alten Schachbücher meines Opas rausgekramt und mich eingelesen.“

Besonders stolz ist man im SCW-Lager auf den Zuwachs dreier passiver Spieler: Gregor Johann vom Post SV Neustadt (Rheinland-Pfalz), Christopher Luthardt vom Schachclub Oranienburg und Nikolas Nimptsch von den Leegebrucher Schachfreunden stehen dem Schachclub Wittstock unterstützend zur Seite. Auch das inkludiert die Deutsche Schach-Online-Liga und macht dieses Format zu etwas Außergewöhnlichem. Lokale Gebundenheit ist nicht verpflichtend, Spieler und Vereine überwinden gemeinsam geografische Grenzen, um zueinander zu finden.

Durch die Zusammenführung der neuen Spieler in einem Verein kann auch die interaktive Zusammenarbeit gestärkt werden. „Einstige Kontrahenten werden nun zu Verbündeten“, erklärt Schmidt, die selbst an die Bretter gehen wird. Zum achtköpfigen Aufgebot gehören außerdem Uwe Schmilinsky, mit 61 Jahren der erfahrenste im Team, André Dietz, Matias Lazarte und das 17-jährige Talent Leon Grabowsky.

Vor allem mit Gregor Johann pflegt die nationale Schiedsrichterin für Schach ein freundschaftliches Verhältnis. „Wir haben uns bei einem Schiedsrichtereinsatz in Plochingen in Baden-Württemberg bei den deutschen Schnellschachmeisterschaften kennengelernt und fanden durch viele Gemeinsamkeiten einen guten Draht zueinander. Wir sind auch Teil der Turnierleitung bei der DSOL“, sagt Schmidt über den Bundesturnierdirektor vom Deutschen Schachbund (DSB).


So funktioniert die Deutsche Schach-Online-Liga

Info: Die Deutsche Schach-Online-Liga geht ab Montag in die zweite Runde. Im Juni 2020 startete die DSOL ihre erste Saison im Zuge der Corona-Krise, um den Spielerinnen und Spielern während des ausgesetzten Spielbetriebs eine Online-Alternative zu bieten.

Das gemeinsame Projekt mit ChessBase war gleich im ersten Jahr ein großer Erfolg und kann mit 385 gemeldeten Mannschaften nun sogar einen Zuwachs von rund 60 Prozent verzeichnen.

Unter den etwa 3000 gemeldeten Spielerinnen und Spielern finden sich auch viele DSB-Kaderspieler. Es wurden 13 Ligen mit 50 Staffeln gebildet, wobei sich die Zusammensetzung nach der Spielstärke der gemeldeten Teams richtet.

Der erste von sieben Spieltagen startet am Montag, die letzte Runde ist am 26. März, ehe die Playoffs folgen. Das Finale findet am 30. April statt. Neben dem SCW sind in der 6. Liga Gruppe A: SC Caissa Falkensee, SC Schleispringer Kappeln, SV Leverkusen, Burger SK, Weiße Dame Borbeck, SK Gerolzhofen und SV Lurup Hamburg.